Manche Dinge sind mit dem Verstand nicht zu begreifen, jedenfalls nicht mit meinem. Sie sprechen Bereiche des Hirns an, die, wenn man sie mit einem Computertomografen betrachtet, bunt leuchten und Neurowissenschaftler Sätze sagen lassen wie: "Das ist der Beweis für die Richtigkeit unserer These."

Düfte gehören dazu. Sie lösen Gefühle aus, und sie sind überall. Auch bei Amazon. Dort entdeckte ich neulich die Raumdüfte "Pizza Salami, ofenfrisch und mit Käse überbacken" und "Chicken Soup, genussvoller Hühnersuppenduft". Zum Sprühen, je 250 Milliliter, Geschenkverpackung verfügbar. Das kommt auf meine Liste. Falls ich mal Leuten was schenken will, die schon alles haben.

Das Produkt richtet sich nicht in erster Linie an Privatkunden, sondern an Profis. An Betreiber von Pizzabuden und Asia-Imbissen, die den Nasen ihrer Kunden vormachen sollen, hier wäre noch irgendetwas echt. Denn, so weiß der Neuro-Marketeer: Düfte verführen und machen willenlos. Wir kaufen Parfüm, damit uns Frauen oder Männer um den Hals fallen. Profis kaufen Salamispray, damit wir Pizza essen. Es ist alles ein großes Drama.

Dummerweise mischen sich Düfte. Betritt eine Frau in ihrer Dior-Wolke eine Salamiduft-gesättigte Pizzeria, bekommt das Wort "Duftkomposition" eine völlig neue Bedeutung. Trotzdem beduften wir uns in vielen Alltagssituationen oder lassen uns fremdbeduften, als gebe es den Mischeffekt nicht. Es fängt beim Duschgel und beim Shampoo an, gefolgt von Deo und Mundwasser. Viele Räume, in denen wir uns aufhalten, sind parfümiert, das Geschirrspülmittel duftet, die mit Weichspüler gewaschene Wäsche. Selbst Mülltüten machen olfaktorisch heute einen auf Zitronenhain, wie Leserin Verena H. anmerkte. Kommt eins zum anderen, kollabiert selbst die beste Nase. Und braucht eine Dosis Chicken-Soup-Konzentrat, um überhaupt noch etwas wahrzunehmen.