Der Staat verschenkt 4.000 Euro, und kaum jemand will sie haben. Seit einem Jahr bezuschusst die Bundesregierung mit dieser Summe den Kauf eines Elektroautos. Doch während 2.500 Euro Abwrackprämie binnen sechs Monaten zwei Millionen Abnehmer fanden, bleibt die Regierung diesmal auf ihrem Geschenk sitzen. Statt der erhofften 400.000 sind nur 20.000 Förderanträge eingegangen. Vom Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen zu bringen, hat sich die Bundesregierung längst verabschiedet.

Norwegen zeigt, dass es auch anders ginge. Jeder dritte Neuwagen ist dort ein Stromer, in der Hauptstadt Oslo ist es sogar jeder zweite. Weltrekord! Fünf Millionen Norweger besitzen dreimal so viele Elektroautos wie 80 Millionen Deutsche. Und das, obwohl das lange, dünn besiedelte Land mit seinen dunklen und kalten Wintern für Menschen mit Reichweitenangst hohes Abschreckungspotenzial bietet.

Doch über rekkeviddeangst – so heißt dort die Sorge, mit leergefahrener Batterie am Straßenrand liegen zu bleiben – wird kaum noch gesprochen. Die Kapazität der Batterien neuerer E-Autos hat sich im Alltag als völlig ausreichend erwiesen. Und der Umstieg wird mit Privilegien versüßt, die weit stärker wiegen als jede Technikskepsis.

Wer in Norwegen Elektroauto fährt, darf auf der Busspur am Stau vorbeiziehen sowie an 7.000 öffentlichen Ladesäulen kostenlos parken und Strom tanken. Er muss keine Steuer zahlen, kann Mautstraßen und Fähren gratis nutzen. Und vor allem ist ein Stromer schon beim Kauf billiger als ein Stinker. Ein E-Golf, der derzeitige Bestseller, kostet in Norwegen 1.500 Euro weniger als das gleiche Modell mit Benzinmotor – der Erlass hoher Importsteuern macht es möglich.

Insgesamt lässt sich die norwegische Regierung ihre Charmeoffensive für Elektromobilität rund 400 Millionen Euro im Jahr kosten. Umgerechnet auf Deutschland, wären das über sechs Milliarden Euro. Nur ein Hundertstel dieser Summe aber wurde in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten für E-Auto-Prämien gezahlt. Kein Wunder, dass die Sache hierzulande stockt.

Das Beispiel Norwegen lehrt aber auch: Aus Gründen des Umweltschutzes allein kauft fast niemand ein Elektroauto. Sogar im nordischen Stromer-Paradies entscheiden sich noch immer zwei Drittel aller Neuwagenkäufer für einen Verbrennungsmotor. Und das, obwohl in Norwegen kein dreckiger Kohle-, sondern Wasserkraftstrom aus der Ladesäule kommt. Und obwohl keine einheimische Automobilindustrie ihr traditionelles Geschäftsmodell mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wer den Umstieg wirklich will, braucht mehr als eine kleine Prämie. Er muss dafür sorgen, dass Autofahren mit Strom deutlich bequemer und billiger wird als ohne.