"Aufbruch hinaus! Wir wollen neue Wege gehen. Fenster auf! Türen auf! Heute ist der Tag, von dem ihr einmal sagen werdet: Ich war dabei." Peter Eppingers Stimme überschlägt sich, als er vergangenen Samstag die Delegierten nach dem Ende des ÖVP-Parteitags aus dem Linzer Design Center auf den Vorplatz scheucht. Dort harren schon gut 3.000 Zaungäste bei Würsteln und Freibier auf ihren Erlöser.

Peter Eppinger ist der jüngste Fang von Sebastian Kurz. Die ehemalige Ö3-Stimme lässt sich als Sprecher, Rufer, Einpeitscher und vielleicht sogar als Orakel einsetzen – er hat schließlich bereits eine Radioshow mit einer Wahrsagerin moderiert.

Vor Dienstantritt bei der jungen Politik-Rakete hat Eppinger noch schnell ein Tweet gelöscht, das ihn bei einer Pro-Flüchtlings-Aktion vor dem Parlament zeigt. "Es wird Lichter. Mensch sein. Lichtermeer 2015", schwärmte Eppinger damals.

Das passt nicht ganz zum neuen Arbeitgeber, der sich auch auf diesem Parteitag wieder einmal dafür rühmt, "dass ich mich nicht am Westbahnhof abfeiern hab lassen" – nämlich als Helfer für durstige Flüchtlinge –, und der den "Multi-Kulti-Fans" abermals nachdrücklich ins Gewissen redet.

Jetzt, am Ende dieser Jubelveranstaltung, auf der Kurz mit 98,7 Prozent zum absoluten Parteichef bestellt wurde, zieht der junge Hoffnungsträger an der Spitze der Delegierten hinaus zum feiernden Volk. Dadurch soll augenfällig werden, dass die Volkspartei in diesem Augenblick in eine Bewegung übergeht.

In der ÖVP wurden solche Events oft etwas zu pompös angedacht, was nicht immer ganz kitschfrei abging. Man erinnert sich an frühere Parteitage, als etwa der kreuzbrave Michael Spindelegger mit großem Gefolge in den frenetisch jubelnden Saal einzog und dazu Freddie Mercury aus den Lautsprechern wummerte: We Are the Champions. Das war mindestens eine Nummer zu groß. Einen Wahlgang später war Spindelegger schon wieder weg.

Spielverderberisch erinnerte denn auch der Vorsitzende in statu abeundi, Reinhold Mitterlehner, in seiner Abtrittsrede am Parteitag an die Wechselbäder, denen schwarze Obleute stets ausgesetzt sind: "Ich seh da dieselben Delegierten sitzen, die mich vor zweieinhalb Jahren mit 99,1 Prozent zum Parteiobmann gewählt haben. Muss es uns nicht nachdenklich machen, dass von den sechs Ex-Obmännern, die heute hier sind, vier nicht einmal die erste Amtsperiode überstanden haben?"

Die neue Generalsekretärin moderiert den Konvent wie einen fröhlichen Hüttenabend

Aber dieser Parteitag will nicht nachdenken. Trübsal hat hier nichts verloren. Deprimiert war man lange genug. Dieses Plenum möchte die ÖVP presto an den Obmann der Jugendorganisation und dessen Kumpel von der Wiener Volkspartei übergeben. Rein formal ist das etwa so, als würde die SJ-Vorsitzende Julia Herr, unterstützt von der Vorarlberger SPÖ, die Macht bei den Sozialdemokraten kapern. Aber hat die alte Tante ÖVP noch eine andere Chance als jene, die ihnen dieser 30-Jährige aus Wien-Meidling anbietet?

Die sympathische neue Generalsekretärin Elisabeth Köstinger – am Ende des Tages wird sie jeder nur noch liebevoll "Elli" nennen – moderiert den Konvent wie einen fröhlichen Hüttenabend, vergisst aber in ihrer Vorfreude auf Sebastian Kurz beinahe auf die Wahl von dessen Stellvertreterinnen.

Orchestriert ist die große Basti-Show jedenfalls perfekt: Da gibt es, anders als auf altväterlichen Parteitagen, keinen Präsidiumstisch mehr. Nicht einmal die Delegierten haben Pulte: Es ist ja nichts mitzuschreiben, es wird nur zugehört und abgestimmt. Gleich zu Beginn der Versammlung wurde die Redezeit per Delegierten-Votum auf zwei Minuten begrenzt, was insofern interessant ist, als gar keine Diskussion auf der Tagesordnung steht und sich auch niemand zu Wort meldet.