Natürlich braucht die Sache in erster Linie Glaubensstärke. Mit Chemie oder Physik ist die wundersame Verwandlung gewöhnlicher Materie in heilige Substanz jedenfalls nicht zu erklären. Da müssen höhere Energien am Werk sein, die jenseits des Materialismus tätig sind. Andererseits ...

Andererseits hängt die sakramentale Wirkung penibel an den materiellen Zutaten. Das stellt der Vatikan nun klar. Nein, hier stehen nicht homöopathische Globuli in Rede, sondern ein weit höher potenziertes Heilmittel: der Leib Christi. Der steckt nach katholischem Verständnis während des Abendmahls "wahrhaft, wirklich und substanzhaft" in der Hostie. Und damit das so bleibt, hat der Vatikan ein Reinheitsgebot für die göttliche Materie angemahnt.

In einem Rundbrief werden die Bischöfe aufgerufen, Hostien (und dazugehörigen Wein) nicht ungeprüft in Supermärkten zu kaufen oder gar – vade retro, Satana – im Internet zu bestellen. Angesichts "eines geringer werdenden Respekts vor dem Heiligen" sei dringend auf einwandfreie Zutaten zu achten. Kategorisch untersagt sind glutenfreie Hostien. Für Allergiker seien allenfalls gluten arme Hostien zugelassen (Glutenanteil unter 20 ppm). Anders sieht es mit den Schöpfungen der Gentechnik aus, die von kirchlicher Seite gern mit dem Argument kritisiert werden, der Mensch dürfe Gott nicht ins Handwerk pfuschen. Im Falle der Hostien zeigt man sich flexibel. Laut dem katholischen Schreiben darf "eucharistische Materie, die mit genetisch veränderten Organismen zubereitet wurde, als gültige Materie angesehen werden".

Warum aber bleiben die Hüter der Sakramente im Falle des Glutens so hart? Ist das Klebereiweiß aus dem Weizen nötig, um den Leib Christi zusammenzuhalten? Bestenfalls im übertragenen Sinne. Laut Tradition hat der Eucharistie-Stoff nämlich "ungesäuert, aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch" zu sein. Hostien aus Kartoffelstärke, wie sie auf dem Markt angeboten werden, sind damit aus dem Rennen beziehungsweise ein Nischenprodukt für Protestanten.

Dennoch, weltliche Materialisten sollten sich nicht täuschen: Am Ende hängt die Wirkung der Hostie nicht an der Substanz, sondern am Glauben. Sonst könnte ja auch eine Maus die Transsubstantiation erfahren, erklärte schon Thomas von Aquin. Weil ihr aber "das gläubige Verstehen" fehle, manifestiere sich für die Maus der Leib Christi nicht. Heute wissen wir: Die Argumentation des heiligen Thomas funktioniert mit und ohne Gluten.