Die Märkte wetten darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ab Anfang 2018 ihre Politik der quantitativen Lockerung ausschleichen wird. Nun jedoch haben in der vergangenen Woche zwei wichtige Stimmen aus der EZB diese Erwartungen stark gedämpft. Es handelt sich um Ratsmitglied Benoît Cœuré und den französischen Zentralbankchef François Villeroy de Galhau. Die Märkte wären gut beraten, auf die beiden zu hören.

Unabhängig voneinander machten die Franzosen in Interviews sehr starke Andeutungen dahingehend, dass die EZB ihren "Weniger und länger"-Ansatz vom vergangenen Dezember weiterverfolgen werde. Damals hatte sie den Umfang ihrer monatlichen Anleihekäufe von 80 Milliarden Euro auf 60 Milliarden Euro gesenkt und die Laufzeit der Lockerungsmaßnahme um ein Jahr bis zum 1. Januar 2018 verlängert.

Das Ausschleichen ist – wie auch das "Weniger und länger" – eine Normalisierungsmaßnahme. Dennoch unterscheiden sich die beiden sehr stark voneinander. Ist das Ausschleichen erst einmal offiziell verkündet, findet ein ununterbrochener Marsch statt bis zu dem Punkt, an dem überhaupt keine Anleihen mehr gekauft werden. Jeden Monat erwirbt die EZB weniger und weniger neue Anleihen, bis das Ziel null erreicht ist. Das ist die Vorgehensweise, die die Hardliner präferieren.

Im Gegensatz dazu gibt es bei "Weniger und länger" keine verbindliche Verpflichtung, irgendwann bei null zu landen. Die EZB sagt nur zu, für einen längeren Zeitraum weniger Anleihen zu kaufen. Nach Ablauf der Frist bewertet die Zentralbank die Situation dann mit frischem Blick.

Vergangenen Dezember legte sich die EZB darauf fest, die Lockerung auf monatlich 60 Milliarden Euro zu drosseln, und zwar bis zum 31. Dezember dieses Jahres. Danach kann die Bank sie noch einmal verringern und verlängern, sie kann die Aufkäufe ausschleichen, sie kann sie völlig einstellen oder die Summe sogar wieder steigern, sollte sich in der Zwischenzeit die Konjunkturlage eingetrübt haben. Ausgeschlossen ist nichts.

Was die beiden einflussreichen Franzosen signalisieren, ist, dass die EZB im Herbst (entweder im September oder im Oktober) verkünden wird, weiterhin "Weniger und länger" zu betreiben. Nächstes Jahr beim Juli-Treffen dürfte dann eine ausführliche Debatte darüber stattfinden, wie die Einzelheiten aussehen sollen (um wie viel wird gesenkt, wann wird begonnen, wie lange soll die Verlängerung dauern).

Nur eines ist sicher: Die Verlängerung wird im kommenden Januar beginnen und mindestens sechs Monate gelten. Das hat mit politischen Risiken zu tun und mit EZB-Prognosen, denen zufolge die Kerninflation der Euro-Zone erst ab Frühjahr 2018 wieder anziehen wird.