Als ich das Kennwort "Donald Duck 737" sage, versuche ich, so normal wie möglich zu wirken. Der Angestellte in der Postfiliale in der Berliner Brückenstraße mustert mich eine Weile, dann sagt er: "Ja, haben wir da." Er geht zu einem Regal, holt einen weißen Umschlag heraus und reicht ihn mir: "Hier!" Dann wendet er sich dem nächsten Kunden zu.

Ich fühle mich, als hätte ich etwas Verbotenes getan – und genau genommen habe ich das auch. Denn in dem Umschlag steckt eine Feinstaubplakette, die ich so nie hätte bekommen dürfen.

Im Jahr 2008 haben Hannover und Köln die ersten Umweltzonen eingeführt, um die dreckigsten Autos aus ihren Zentren fernzuhalten. Inzwischen gibt es 55 Umweltzonen in Deutschland, in 54 davon kommen nur noch Autos mit grüner Plakette. Eine letzte gelbe Zone gibt es in Neu-Ulm. Autos mit roter Plakette dürfen inzwischen in keine dieser Bereiche mehr fahren. Nur vergleichsweise saubere Autos bekommen einen grünen Aufkleber. Wer die dafür nötigen Abgasvorschriften nicht erfüllt, muss sein Auto nachrüsten lassen.

Einige Autofahrer umgehen das allerdings mit einem Einkauf auf dem Schwarzmarkt. Bei Kontrollen fällt der Betrug nur selten auf. Auf Facebook ist er hingegen nicht zu übersehen. Hier gibt es regen Handel mit den Plaketten.

Ein Nutzer namens Markus betreibt den verbotenen Handel besonders exzessiv. In verschiedenen Foren bei Facebook bietet er hundertfach Plaketten zum Kauf an. Ihn zu finden ist kein Problem. Ich werde mit ihm ins Geschäft kommen und ihn schließlich sogar besuchen. Am Ende werde ich herausfinden, wieso ein großer politischer Plan für mehr Umweltschutz und bessere Luft so einfach umgangen werden kann.

Gerade jetzt ist die Sache mit den Plaketten wichtig. Denn die Regierung erwägt, im nächsten Schritt noch weiter zu gehen und ältere, besonders schmutzige Dieselfahrzeuge aus den Städten zu verbannen. Dafür könnte sie eine weitere, blaue Plakette einführen. Doch sind solche Aufkleber wirklich ein effektives Mittel? Wie leicht können sie umgangen werden?

Mein Test beginnt mit der Beobachtung von Markus. Zwischen März und Juni postet er in 106 Facebook-Foren insgesamt 162 Mal, dass er Feinstaubplaketten verkauft. Außerdem bietet er auch Ephedrin an, einen Wirkstoff, mit dem Inkontinenz bei Hunden behandelt wird und den Menschen verwenden, um schnell Fett zu verlieren, mit dem sich aber auch die Droge Crystal Meth herstellen lässt. Doch sein Hauptgeschäft macht er wohl mit den grünen Stickern. Die Plaketten seien neu, blanko und echt, schreibt er. Wenn das stimmt, müssen sie aus einer Werkstatt oder Prüfstelle stammen. Denn diese geben die Aufkleber aus.