Und jetzt auch noch der Economist! In der G20-Woche entschied sich das britische Blatt, nicht etwa Donald Trump als großes globales Problem auf den Titel zu heben, auch nicht das zu hoch verschuldete Italien oder die Britische Insel in ihrer Splendid Isolation. Nein: "Das deutsche Problem" hieß es groß und schwarz auf dem erfolgreichsten Wirtschaftsmagazin der Erde. Unser Handelsüberschuss beschädige die Weltwirtschaft.

Die These ist beliebt, vor allem amerikanische Ökonomen und Politiker wiederholen sie bei jeder Gelegenheit. Bloß wird sie davon nicht besser.

Die Begründung geht in etwa so: Die deutsche Exportnation steckte rund um die Jahrtausendwende in einer Krise, litt unter hoher Arbeitslosigkeit und mangelndem Erfolg auf den Weltmärkten. Also hat sie reagiert. Die Tarifpartner haben die Löhne nur noch moderat angehoben und gleichzeitig die Einsatzzeiten für die Arbeiter flexibilisiert. Und Gerhard Schröder hat mit der Agenda 2010 die Arbeitslosen dazu gedrängt, lieber einen Niedriglohnjob anzunehmen, als von Hartz IV zu leben.

Verglichen mit anderen Ländern, wurde Arbeit in Deutschland in der Folge deutlich billiger. Das wiederum machte deutsche Autos und Maschinen günstiger, und ihre Hersteller dominierten die Konkurrenz aus Italien oder den USA.

Damit nicht genug, kaufen die erfolgreichen Deutschen auch noch zu wenig Waren aus dem Ausland. Das liegt in der Logik der Kritiker nicht nur an den niedrigen Löhnen, sondern auch daran, dass die Bundesbürger gerne Geld auf die hohe Kante legen – jährlich fast zehn Prozent ihres verfügbaren Einkommens. Und auch der deutsche Staat will partout nicht mehr Geld ausgeben, als er einnimmt. In der Sprache der Kritiker heißt das, der Staat investiere zu wenig. Würde er sich dagegen neu verschulden, dann würde er auch mehr ausländische Waren und Dienstleistungen einkaufen, und vor allem könnte er auf diese Weise die Löhne antreiben, sodass auch die Arbeitnehmer mehr Importe konsumieren könnten.

Doch was genau ist an der deutschen Wirtschaftsweise nun schädlich? Erstens rufen die hohen Exporte angeblich Protektionisten wie Donald Trump auf den Plan. Und zweitens hemmen sie demnach das globale Wirtschaftswachstum, weil andere Länder ihre Löhne auch dämpfen müssen, um mit den teutonischen Konkurrenten mithalten zu können.

Bloß, glaubt irgendjemand wirklich, dass Donald Trump für seine nationalistischen Umtriebe einen Anlass braucht? Der Mann im Weißen Haus lebt politisch davon, dass er Mauern um sein Land zieht, gegen fremde Produkte und fremde Menschen. Wer so inbrünstig wie er "America first" sagt, der sieht die ganze Welt als Gegner.