Er tat es gerne dann, wenn seine Kölner Katholiken feierlich beisammensaßen: in der Weihnachtspredigt – oder noch lieber am Dreikönigstag. Dann stellte sich der am vergangenen Mittwoch verstorbene Joachim Kardinal Meisner vor seine Domgemeinde und schimpfte auf das, was er für den falschen Zeitgeist, für unchristlich oder den Beginn des Weltuntergangs hielt. Und es war wie immer: Ein Aufschrei ging durchs Land. Wo Politiker Pressesprecher und Medientrainer bezahlen, um ihren Sätzen die richtige Schärfe zu geben, war der Erzbischof ein Naturtalent. Ein medialer Profi-Provokateur, der im liberalen Köln einen perfekten Resonanzraum fand: Viele ärgerten sich, aber alle kannten seine Zitate. Sollte die Kirche auch an Relevanz in der gesellschaftlichen Debatte verlieren, Meisner versicherte sich mit jeder neuen Empörungswelle auch der eigenen Bedeutung. Das sind die Zitate, die von ihm in Erinnerung bleiben. kla

Über Erziehung

"Sehen Sie sich diese Eltern an! Viele gehören noch zu den 68ern. Das sind metaphysische Asylanten, Obdachlose. Die wissen nicht, wo sie hingehören. Viele junge Menschen machen das nicht mehr mit. Man sagt immer, die Jugend sei egoistisch, hedonistisch und bequem; doch in Wahrheit hat sie Ideale und will hoch hinaus. Aber weil Eltern und Lehrer die Jugend nicht mehr an die Quellen des Lebens führen, kommt es zu Ersatzhandlungen wie etwa zum Griff nach Kondomen und der Pille."

In einem Interview zum Weltjugendtag in Köln 2005

Über Abtreibung

"Hier werden jeden Tag, auch heute, mehr als zehn Klassenzimmer ausgelöscht. Es ist der tägliche, beschwiegene Super-GAU."

In einem Gastbeitrag für Christ&Welt im Juni 2011

"Zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht."

Im Januar 2005 im Kölner Dom. Kurz danach bedauerte er den Vergleich

"Er wurde mit Recht als Tötungslizenz definiert."

In einem Interview 2013 über den für eine Abtreibung nötigen Beratungsschein

Über Kunst

"Das Fenster passt nicht in den Dom. Es passt eher in eine Moschee oder ein Gebetshaus."

2007 über das von Gerhard Richter gestaltete neue Domfenster

"Dort, wo die Kultur vom Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte."

In einer Predigt zur Eröffnung des Diözesanmuseums Kolumba

Über Familie

"Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien."

Auf einem Treffen des Neokatechumenalen Wegs 2014

"Der Mann ist auf die Frau hin geschaffen und die Frau auf den Mann hin und darauf hin, dass sie aus der Ehe eine Familie machen. Damit ist dann auch der Fortbestand der Menschheit gesichert."

In einem Interview vor dem Weltjugendtag 2005

"Wenn ein falscher Feminismus nicht das Kind in den Mittelpunkt stellt, sondern die Frau, dann sind wir eine Gesellschaft, die selbst ihren Untergang bereitet."

In einem Interview im Dezember 2002 über den Werteverfall in der Gesellschaft

Über seine Rolle als Provokateur

"Der Wachhund, der nicht mehr bellt, verdient sein Fressen nicht."

2000 in einem Interview über seine Aufgabe als Bewahrer der Schöpfung

"Ich sage grundsätzliche Dinge nicht mit dem Ziel, die Menschen zu ärgern, sondern weil ich mich als Bischof vor meinem Gewissen verpflichtet weiß, die Dinge beim Namen zu nennen – ob gelegen oder ungelegen."

Im Dezember 2007 kurz vor seinem 74. Geburtstag