Der Leser hat die Titelgeschichte der ZEIT von vorletzter Woche gelesen, in der es um den absehbaren Niedergang des Dieselautos geht. Der Artikel behandelte vor allem die Umweltprobleme. Nun will Dieter Pütter wissen: Wieso ist Diesel eigentlich billiger als Benzin? Haben sich die Autohersteller da einen weiteren Vorteil erkungelt?

In anderen Ländern, etwa in den USA, mag Diesel ein paar Cent billiger sein als Benzin. Das hängt von den schwankenden Weltmarktpreisen ab. Steuerlich werden die beiden Kraftstoffsorten etwa gleich behandelt. Bei uns hingegen kostet ein Liter Diesel an der Tankstelle immer mindestens 20 Cent weniger als ein Liter Benzin. Das liegt daran, dass für Diesel weniger Steuern fällig werden als für Benzin: 56 gegenüber 78 Cent brutto pro Liter. Diese Differenz von 22 Cent besteht seit 1994.

Damit verzichtet der Fiskus auf viel Geld: etwa 9,5 Milliarden Euro pro Jahr, wie die Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hin mitteilte. Trotzdem sagte sie in ihrer Antwort: "Eine generelle steuerliche Förderung für Dieselkraftstoff ist nicht gegeben."

Wie kommt sie zu dieser gewagten Aussage? Die Regierung begründete sie damit, dass Dieselbesitzer eine höhere Kraftfahrzeugsteuer bezahlen. Das Problem an dieser Argumentation: Sie ist eine jährliche Pauschale; je mehr man also fährt, desto eher spart man. Über den Daumen gerechnet, ist man ab 10.000 Kilometer pro Jahr steuerlich im Plus gegenüber dem Benziner.

Der Staat hat bei dieser Bevorteilung wohl weniger an Fahrer von Privat-Pkw gedacht als an die Transportbranche. Und wie bei jeder Subventionierung gilt auch hier: Wenn sie einmal eingeführt ist, dann ist es sehr schwer, sie wieder abzuschaffen. Als im vergangenen Jahr die Umweltminister der Länder über den Steuervorteil diskutierten, mauerten die Bundesländer, in denen große Hersteller von Dieselautos beheimatet sind. Bayerns Staatsministerin Ulrike Scharf sagte zur Begründung: "Wir brauchen den Diesel für den Klimaschutz."

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