DIE ZEIT: Herr Neururer, Sie wurden zuletzt vor zweieinhalb Jahren als Trainer entlassen, aber in dieser Woche standen Sie wieder in Duisburg auf dem Fußballplatz – und haben Spieler trainiert, die noch keinen Vertrag für die nächste Saison haben. Ein Mann ohne Trainervertrag trainiert Spieler ohne Vertrag: Ist das Ihr neuer Job?

Peter Neururer: Ach was, das ist kein Job. Das dauerte auch nur vier Tage. Ich helfe aus, wenn ich gefragt werde. Ich bin ein hilfsbereiter Mensch.

ZEIT: Vor vielen Jahren sagten Sie einen Satz, der legendär geworden ist.

Neururer: Einen nur?

ZEIT: Wir meinen diesen: "Wenn wir ein Quiz machen würden unter allen Trainern in Deutschland, wer am meisten Ahnung hat von Trainingslehre, Psychologie – und der Trainer mit den besten Ergebnissen kriegt den besten Job, dann bin ich bald bei Real Madrid." Würden Sie das heute noch behaupten, im Alter von 62 Jahren?

Neururer: Ja, natürlich. Der Satz ist oft aus dem Zusammenhang gerissen worden, um ihn gegen mich zu verwenden. Aber vom Inhalt her stehe ich heute noch dazu. Es stimmt doch: Trainingslehre und Psychologie sind im Fußball nicht die einzigen Erfolgsfaktoren. Es gibt auch noch die Umstände. Gute und schlechte Vereinspräsidenten, viel und wenig Geld, beschissene oder top Trainingsbedingungen. Pfostenschüsse, Lattenschüsse, nicht gegebene Elfmeter ...

ZEIT: Glück und Pech. Das sind die zwei Begriffe, über die wir mit Ihnen sprechen wollen.

Neururer: Ich rede lieber von fußballfatalistischen Faktoren.

ZEIT: Bitte was?

Neururer: Meine Arbeit als Fußballtrainer ist bestimmt durch rationale Überlegungen, wobei mir auffällt (lacht): Überlegungen sollten eigentlich immer rational sein. Trainingskonzept, Aufstellung, Taktik – das ist ja alles durchdacht. Das, was Sie Glück nennen, gibt’s in der Bundesliga nur während des Spiels. Kann sein, dass die hohen Flanken, die wir unter der Woche trainiert haben, eins zu eins umgesetzt werden, aber der Stürmer köpft die Pille an die Latte. Oder der gegnerische Torwart, den gibt’s ja auch noch, hält sensationell. Das sind fußballfatalistische Faktoren.