DIE ZEIT: Welche Castingshows schauen Sie?

Uwe Kanning: Vor Jahren habe ich Deutschland sucht den Superstar gesehen, als mir meine Studenten das empfohlen haben. Später habe ich auch mal bei Germany’s Next Topmodel reingeschaut.

ZEIT:Bringen einem solche Shows etwas bei fürs Berufsleben? Etwa, wie man Konkurrenten aussticht, andere überzeugt und sich besser verkauft?

Kanning: Das wäre traurig. Im Auswahlverfahren gelingt das vielleicht noch einigen, aber danach wird es schwierig. Niemand kann jahrelang so tun, als sei er ständig gut drauf. Auch wenn einem viele Ratgeber und Fernsehshows heute dauernd erzählen, wie wichtig das sei.

ZEIT: Wie entscheiden Unternehmen, wen sie einstellen?

Kanning: Die wenigsten Unternehmen machen sich darüber strukturiert Gedanken. In der Regel wissen sie nicht, wen genau sie suchen. Sie flüchten sich in Worthülsen wie, jemand müsse "gut mit Menschen umgehen" können. Oder sie orientieren sich an nichtssagenden Informationen.

ZEIT: Welche meinen Sie?

Kanning: Die berüchtigten "Lücken im Lebenslauf" werden völlig überschätzt. Studien zeigen keinen nennenswerten Zusammenhang zwischen Lücken und späterem beruflichen Erfolg. Das Gleiche gilt für Sportarten. Nichts deutet darauf hin, dass Hobbyfußballer besonders teamfähig wären.