Wer war George A. Romero? Ein freundlicher Herr mit einer gewaltigen Brille, der eine erfreulich große Bibliothek sein eigen nennt. Und einer von den "Fauves" – Wilden – genannten jungen Regisseuren, die in den siebziger Jahren mit drastischen Filmen das Horrorgenre revolutionierten. Ein derbes Seitenstück zu New Hollywood, in dem Leute wie Tobe Hooper, Wes Craven oder der frühe John Carpenter ihren Zorn auf eine bigotte, rassistische Gesellschaft und den Vietnamkrieg herauswürgten.

Unter den jungen Wilden des neuen Horrorfilms war Romero der radikalste und politisch genaueste. Mit Die Nacht der lebenden Toten aus dem Jahr 1968 schuf er den ersten modernen Zombiefilm und die brutale Metapher dafür, dass der Krieg ins Herz des Landes eingedrungen war. Der Film war mit einem auch damals lächerlich kleinen Budget von 114.000 Dollar gedreht. Seine doppelte Pointe bestand im Kampf eines schwarzen Helden gegen die Untoten und in einem aberwitzig zynischen Ende. Expressionismus und schmutziges Schwarz-Weiß verbanden sich zu einer cineastischen Radikalität, die zwischen den Bildern nicht einmal zum Luftholen Platz lässt. Dann benutzte er in Dawn of the Dead (deutscher Titel: Zombie) den großen Kino-Apparat, um dem Publikum Blut, Gedärm und vor allem sehr, sehr hässliche Geräusche um die Köpfe zu hauen: Amerika als von Untoten und Rockern belagerter Supermarkt. Der Skandal war perfekt, und der Horrorfilm zog aus dem Underground in die Stadtkinos. Zombie infizierte den Mainstream, er vietnamisierte Hollywood, er machte aus Ekel ein Geschäftsmodell. Und die Kritik ziemlich ratlos.

Romero war da aber schon wieder woanders. Die Modernisierung des Horrorfilms trieb er in seinem unterschätzten Vampirfilm Martin auf die Spitze; seine Philosophie eines neuen Rittertums auf Motorrädern in Knightriders wollten nicht sehr viele verstehen, und die Wissenschaftskritik von Monkey Shines war für manche schon wieder fast zu kühl. Romero ging immer sehr nahe an seine Figuren heran, mit dem Skript wie mit der Kamera, aber er verweigerte die direkte Identifikation. Seine Filme sind meistens näher an Bert Brecht als an John Ford.

Und das obwohl er mit seinen Zombies eine amerikanische Mythopoetik geschaffen hatte, der er seit dem Jahr 2000 fast seine ganze Arbeitskraft widmete. Mal als kühle Parabel (Day of the Dead) mal als Mediensatire (Diary of the Dead) und schließlich als Melodrama (Survival of the Dead). Doch stets waren seine Zombies nicht die eigentliche Gefahr. Sie waren die "Verdammten dieser Erde", die überflüssig gewordenen Menschen, das rebellierende Subproletariat. Schlimmer als sie waren immer die gewöhnlichen amerikanischen Männer und der gewöhnliche amerikanische Kapitalismus. George A. Romero wusste immer sehr genau, was er mit seinen Filmen sagen wollte. Und vor wem oder was er mit ihnen warnen wollte. Genutzt hat es leider nicht viel. Der Poet der Untoten starb, es war der 179. Amtstag von Donald Trump.