Unser Omelett, hellgelb und samten, sieht unschuldig aus, kann es aber in sich haben. Etwa wenn Sie ein paar extrem dünne Spaghettini in zwei Zentimeter lange Stücke brechen und sie al dente kochen, abtropfen lassen und ins Omelett mischen. Das ergibt ein überraschendes Essgefühl. Wenn Sie jetzt noch einen Streifen Tomatensauce daneben platzieren sowie etwas gezupftes Basilikum mit Olivenöl und Salz: Viva Italia!

Apropos. Ihre Tomatensauce bereiten Sie am besten selbst zu, und zwar im Sommer, wenn es auf dem Wochenmarkt Freilandtomaten gibt. Sie ist schnell gemacht und lässt sich auch prima in kleinen Portionen einfrieren. Dann sind Sie auch im Winter versorgt und können auf die oft zu süßen Dosentomaten verzichten. Rezepte gibt es viele. Ich mache es mir sehr einfach: Stielansätze weg, Tomaten zerhacken und mit Haut und Kernen in den Topf, wo schon ein paar Zwiebeln im Olivenöl glasig gedünstet wurden (nicht: braun). Oregano, Pfeffer, Salz, etwas Weißwein, vielleicht ein wenig Kalbsfond, womöglich Schinkenabfälle, und das Ganze einkochen. So lange, bis Sie finden, dass es schmeckt. Pürieren, durch ein Sieb streichen, fertig.

Zum angenudelten Omelett passt auch rohes Tomatenconcassée: Sie häuten die Tomaten und entkernen sie, anschließend schneiden Sie das Tomatenfleisch würfelig. Ganz, ganz wenig Olivenöl, vielleicht Salz, und fertig. Oder Sie nehmen zwei, drei Cherrytomaten pro Person: halbieren, aushöhlen, eine Mischung aus Olivenöl, Semmelbröseln und Oregano hinein und unter den Grill schieben, bis die Bröselschicht bräunt. Das ist die Minivariante der tomates provençales und setzt einen hübschen Akzent.

Nichts spricht dagegen, eine der Omelettschichten mithilfe hochkonzentrierter Tomatensauce anzufärben. Obwohl ich das lieber mit Paprikapulver mache. Hinterhältig wiederum wird Ihr Omelett, wenn Sie mit superscharfen frischen Chilischoten arbeiten. Die werden entkernt, klein gehackt und im Omelett versteckt. Und wo wir gerade dabei sind: Es gibt ein helles Chili con Carne, das white lightning heißt, und zwar zu Recht. Eine Abart davon, sin carne, eignet sich für unser Omelett: Fein geschnittene Zwiebel in Schweineschmalz weich dünsten, etwas (etwas!) Kreuzkümmel und Salz dazu, umrühren, weiße Bohnenkerne aus der Dose dazu, auch ein wenig von der Flüssigkeit; dann weich kochen, schließlich sehr scharfe, frische grüne oder gelbe, fein gehackte Chilischoten dazugeben. Pürieren und etwas von der Masse zwischen die Omelettschichten tun. Überraschung!

Zutaten: Spaghettini, Tomaten, Basilikum, Chilischoten

Für das Basis-Omelett (2 Personen): 6 Eier, weißer Pfeffer, Butter, 1 Schalotte, Salz, Tabasco, Worcestersauce, Sonnenblumen- oder Maisöl

Basisrezept: Butter, Pfeffer, Schalottenwürfel anschwitzen; Eier trennen, Eiweiß salzen und schlagen; Öl, Tabasco und Worcestersauce ins Eigelb und schlagen; die Massen mischen; dünne Eimasse-Schicht in der Pfanne leicht stocken lassen, mit Spatel falten; nächste Schicht auf dem ganzen Pfannenboden verteilen (den festen Halbmond dabei mit dem Spatel anheben und Pfanne schräg halten, sodass die flüssige Masse auch darunterfließen kann), wieder falten etc.