Versorger versorgen einen nicht nur mit Energie, sondern auch mit schönen Worten. Leser Axel K. aus Leipzig weiß das. Gleich nach dem Umzug hatte er einen Erdgastarif gewählt, der "Wasser & Wald" hieß. Das klingt schöner als der normale Wald-und-Wiesen-Tarif, wenngleich in beiden Fällen gilt: Im Wald, da sind die Räuber. Bei der nächsten Gaspreiserhöhung wird sich Axel K. daran erinnern.

Seinen Strom bezieht er von einer Strommanufaktur. So heißt sein Versorger. Was uns zum Thema dieser Kolumne bringt – der Inflation der Manufakturen. Laut Duden geht das Wort Manufaktur auf das lateinische manus (Hand) und factura (Arbeit, Tätigkeit) zurück. Vor der Industrialisierung wurde in Manufakturen allerlei Zeug in Großserie, aber in Handarbeit hergestellt. Bis es den Menschen zu anstrengend wurde, sie Maschinen erfanden und dann auch den Strom, der sie antrieb. Sonst hätten sie ja mit ihren neuen Schrottpressen nicht viel anfangen können.

Strom gibt es bis heute. Allerdings muss auch Strom irgendwie hergestellt werden, und ich hatte mir immer vorgestellt, das geschehe automatisch in Kohle-, Gas-, Atom-, Wasser-, Wind- oder Waldkraftwerken. Selbst Hamsterkraftwerke, also tausendfach hintereinandergeschaltete und an Dynamos gekoppelte Laufräder für Nagetiere, habe ich eine Zeit lang für möglich gehalten. Aber nie hätte ich gedacht, dass Strom in Handarbeit erzeugt wird. In einer Manufaktur. In einer riesigen Halle bei Leipzig, in der im Schichtbetrieb Tausende Arbeiter an langen Reihen voller Kurbeltische sitzen und für den Aufschwung kurbeln wie dereinst Urgroßmutter am Rührgerät.

Es ist ja schön, wenn im Osten neue Jobs entstehen, aber das ist gefährlich. Strom und Hände vertragen sich nicht, wie jeder weiß, der schon mal in eine Steckdose gefasst hat. Aus Gründen des Arbeitsschutzes sollte man Strommanufakturen verbieten. Und aus Gründen des Sprachschutzes erst recht.