DIE ZEIT: Von 2019 an sollen alle Ihre neuen Modelle ausschließlich Hybrid- oder reine Elektroantriebe haben. Werden das SUVs sein, Kleinwagen oder Sportautos?

Håkan Samuelsson: Alles, was zu unserem Markenimage passt. An der Spitze der neuen Produkte stehen dann fünf rein elektrisch angetriebene Modelle, drei von Volvo und zwei unter dem Dach der neuen Marke Polestar ...

ZEIT: ... die wofür steht?

Samuelsson: Polestar wird unsere neue Performancemarke für die ganz hohen Ansprüche. Sie steht für extrem fortschrittliche Elektromobilität und Technologie auf Top-Niveau. Im Herbst werden wir mehr dazu sagen können.

ZEIT: Das klingt wie eine Kampfansage an Tesla.

Samuelsson: Absolut! Und nicht nur an Tesla. Mit fünf Fahrzeugen innerhalb von drei Jahren werden wir mehr bieten als jeder andere Hersteller.

ZEIT: Was werde ich für eines der künftigen Volvo-Elektromodelle ausgeben müssen?

Samuelsson: Das kann ich Ihnen jetzt noch nicht sagen. Wenn wir 2019 auf den Markt kommen, werden wir in Preis und Leistung wettbewerbsfähig sein.

ZEIT: Ein Tesla Model 3 kostet heute 35.000 Dollar plus Steuern. Ist das eine Größenordnung für Sie?

Samuelsson: Basispreise sagen wenig aus, weil immer viele Sonderausstattungen dazukommen. Wir wollen auch nicht mit dem Tesla Model 3 konkurrieren. Das ist ein gutes Fahrzeug, aber wir werden andere Autos bauen. Chassis, Federung und Sicherheit erfordern viel Know-how. Was Sicherheit und Qualität angeht, können wir eine gute Alternative zu Tesla darstellen. Unsere Hybrid- und Elektrofahrzeuge sollen in den Segmenten, in denen wir vertreten sind, immer ein attraktives Angebot sein.

ZEIT: Halten Sie Teslas für unsicher?

Samuelsson: Nein. Aber Volvo baut sehr sichere Fahrzeuge. Dieses gute Image werden wir mitnehmen zu unseren elektrischen Modellen.

ZEIT: Sind Hybridantriebe nur der Übergang in ein elektrisches Zeitalter oder eine Dauerlösung?

Samuelsson: Das werden die Nutzer entscheiden. Wir verkaufen derzeit über eine halbe Million Fahrzeuge, 800.000 sollen es 2020 sein. Wir wissen heute nicht, wie schnell die Kunden in den kommenden Jahren umsteigen. Das hängt sicher auch davon ab, wo sie leben und wie viele Ladestationen es dort gibt. Für eine lange Zeit wird es noch beide Varianten geben, aber wir wollen ein Zeichen setzen: keine reinen Verbrennungsmotoren mehr! Wir sehen deshalb jetzt nicht, dass wir noch eine ganz neue Generation von Dieselmotoren entwickeln müssen.

ZEIT: Die deutschen Autohersteller sehen das offenbar anders.

Samuelsson: Technisch kann man die Sauberkeit von Dieselmotoren sicher noch verbessern, aber das ist sehr kompliziert und mit hohen Kosten verbunden. Dieselautos werden teurer und teurer. Deswegen konzentrieren wir uns auf Hybrid- und Elektrofahrzeuge.

ZEIT: Soll die Politik den Wandel vorantreiben? Etwa durch Fahrverbote für ältere Diesel in den Innenstädten?

Samuelsson: Ich glaube nicht, dass solche Verbote der richtige Weg sind. Die Entwicklung wird von der verfügbaren Technologie und den Kunden getrieben. Es wäre viel riskanter, zu hoffen, dass die Elektromobilität nur ein Hype ist und die Kunden in ein paar Jahren wieder Verbrennungsmotoren wollen.

ZEIT: Die jüngsten Nachrichten aus der Elektro-Szene waren ziemlich schlecht. Der Aktienkurs von Tesla brach Anfang des Monats um 15 Prozent ein, der Konkurrent Faraday hat Finanzprobleme. Platzt da eine Blase?

Samuelsson: Das würde ich so nicht sagen. Vielleicht wird einigen bloß klar, dass ein Auto nicht nur aus einer Internetverbindung und einem Elektromotor besteht. Es geht um Fahrdynamik, Karosseriebau, Sicherheit und so weiter. Das hat man bei den Konkurrenten vielleicht etwas unterschätzt. Unseren Kunden können wir die Volvo-Qualität bald auch in einem elektrischen Volvo bieten. Gleiches gilt für unsere Serviceleistungen rund um die Nutzung des Fahrzeugs. Hier haben wir enorme Erfahrung.