Geld wäre jetzt ja da. Mit den Millionen aus China könnte sich der Sportchef zum Beispiel einen neuen Teppich kaufen. Den Boden seines Büros im ersten Stock des Kölner Geißbockheims bedeckt eine Auslegeware, über deren Farbe sich Jörg Schmadtke, 53, schon seit Jahren jeden Morgen ärgert. Ein trostloses Schwarz mit weißen Streifen, wie Laufbahnen für Leichtathleten, nur eben sehr viel kleiner. Sein Schreibtisch mit dem Bildschirm, vom Vorgänger übernommen, macht ebenfalls nur wenig her.

So sind es die beiden silberfarbenen Taktiktafeln an der Wand, die den Reiz des Raumes ausmachen. Schmadtke betrachtet sie im Laufe eines Tages immer wieder. Aber eigentlich ergibt das nicht viel Sinn. Die eine Tafel zeigt den aktuellen Kölner Profikader, Magnete mit kleinen Zetteln tragen die Namen der Spieler – das andere Schaubild ist gähnend leer. Dabei findet auf ihr "die strategische Kaderplanung" statt. Das ist jedenfalls der Plan.

Hier würde der Sportchef mit den Systemen spielen: Sollen sie weitermachen mit einem 4-3-3? Er würde den Magneten gern neue Namen geben, sie wie Figuren hin- und herschieben. Schmadtke muss ja eine Antwort finden auf die Frage, wer Anthony (Tony) Modeste ersetzen kann, wenigstens ein bisschen. Jemanden verpflichten, der nicht 25 Tore schießt, wie Tony in der vergangenen Saison, aber doch wenigstens zehn.

Geht aber nicht. Das Risiko ist viel zu groß. Sprechen sich die Namen herum, stehen sie bald auch auf den Tafeln anderer Vereine. "Dann", so fürchtet Schmadtke, "explodieren die Preise." Also könnte er niemanden mehr in sein Zimmer lassen. Eine Jalousie wäre natürlich eine Lösung, gerade jetzt, da das Geld ja da ist. Ein Rollo, das sich auf Knopfdruck senkt. Gibt es im Baumarkt, der Sportchef hat sich schon erkundigt.

Gut 35 Millionen Euro hat der Verkauf von Modeste auf das Konto des 1. FC Köln gespült. Frisches Geld. Es ist ungefähr die Summe, die der Verein an Schulden angehäuft hatte, damals 2013, als Jörg Schmadtke und Finanzchef Alexander Wehrle, 42, im Verein die Büros bezogen. Und jetzt? Nichts! Keine Party, kein gar nichts. Geld ist da, aber die Sause fällt aus. Wehrle bekräftigt den Standpunkt: "Gehaltserhöhungen für Mitarbeiter sind nicht geplant!"

Wie bleibt man selbst vernünftig, wenn so viele andere verrückt spielen? Wenn die Millionen nur so durch den Raum fliegen? Zehn Millionen oder 30 Millionen, alles ganz egal. Du sagst 30, ich sag mal 50. So nach dem Motto.

Wie verhält man sich, wenn auf der anderen Seite des Tisches Chinesen sitzen oder Vertreter von Chinesen, die den Himmel auf Erden versprechen? Zum Beispiel 35 Millionen Euro für einen 29 Jahre alten Fußballspieler aus Frankreich im Dienst des 1. FC Köln.

Mehrfach drohte das Geschäft mit dem chinesischen Erstligisten Tianjin Quanjian zu scheitern. "Wir hätten es hingenommen!", brummt Schmadtke, dann fällt sein Blick wieder auf die beiden Tafeln an der Wand. "Auf das Geld sind wir nicht angewiesen."