Es sind die Teeblätter auf der Schnauze eines Hundes, die Arundhati Roy zur Dichterin machen. Im zweiten Kapitel ihres neuen Romans unterhalten sich zwei ihrer vom Schicksal zerzausten Helden auf dem Dach eines höchst plan- und regelwidrig errichteten Hauses auf einem muslimischen Friedhof in der Altstadt von Delhi. Bei ihnen sitzt Biroo, ein zugelaufener Beagle, der sich angewöhnt hat, alles zu fressen, was seine Herrin isst, von frittierten Teigwaren bis zu süßen Desserts: "Es war schlecht für seinen Körper, aber ausgezeichnet für seine Seele." Diesmal bekommt der Hund eine Pfütze Tee vorgesetzt, dann wird ausführlich vom brutalen Lynchmord an einem unschuldigen Mann aus der untersten indischen Gesellschaftsklasse erzählt. Als es zu heiß wird, beenden die Gesprächspartner ihre Unterhaltung auf der Dachterrasse, und auch der Hund verabschiedet sich: "Biroo schlürfte den Rest kalten Tees auf der Untertasse und trottete mit gekochten Teeblättern auf der Schnauze davon."