Til Schweiger ist nicht gekommen. Dabei liegt sein Restaurant, für das die Eintrittskarte zehn Prozent Rabatt verspricht, in Fußnähe. Die Rolle des Axel im Kinohit Der bewegte Mann war für Schweiger den Durchbruch, 1994, lange her. Zu lange? Das ist die Frage an diesem Abend im Thalia Theater, wo Der bewegte Mann seine Musical-Premiere feiert. Da Til keine Zeit hat, freut man sich sehr, dass Ralf König gekommen ist.

Er nimmt mitten in der ersten Reihe Platz, was den großartigen Effekt hat, dass man selbst, der man rechts der Mitte in Reihe drei gesetzt wurde, den Zeichner während der Aufführung beobachten kann. 56 Jahre alt ist König mittlerweile. 26 war er, als sein Comic über Liebe, Heteros und Homos in die bundesdeutsche Helmut-Kohl-Gemütlichkeit krachte. Eine andere Epoche war das, mit anderer Gesellschaft, einem anderen Akzeptanzbegriff. Von dem, was okay ist und was nicht. Was heterosexuell und was schwul.

König hat bis zur Premiere nichts vom Musical sehen dürfen, weiß man aus sicherer Quelle (Mopo). Umso gespannter erwartet man die Reaktion des Schöpfers. Hebt er den Daumen? Stürmt er aus dem Saal? Immerhin hatte er Sönke Wortmanns Komödie massiv kritisiert. Die schwulen Helden, damals von Joachim Król, Rufus Beck und Armin Rohde geschauspielert, seien überzeichnet, die Heteros nicht.

Die Sitcom Bewegte Männer, die ab 2003 bei Sat.1 lief und auf dem Comic basierte, nannte er "grottenschlecht" und "schwulenfeindlich". So schlimm wird es diesmal nicht. Viel besser aber auch nicht. Was wäre nicht alles denkbar gewesen bei diesem Stoff! Man hätte den bewegten Mann ins Jetzt übersetzen, hätte zig Referenzen einbauen können. Bürgermeister, die schwul sind und bei denen das auch gut so ist. Nationalspieler, die sich outen. Die großen und kleinen Volten der vergangenen 20 Jahre.

Stattdessen: Lametta und Gedudel. Das Stück gerät zu einer unfreiwilligen Zeitreise, zu Nostalgie der unangenehmen Sorte. An der Besetzung liegt es nicht. Dafür dass Regisseur Harald Weiler und der musikalischer Leiter Christian Gundlach sie zum Singen zwingen, können die Darsteller nichts.

Elias Krischke gibt den Axel, diesen Mann, der eigentlich noch ein Junge ist, als sexgeilen Peter Pan, unreif und dauereregiert. Jan Kersjes macht seinen Norbert zu einem schwulen Werther, an der Liebe und am Leben verzweifelnd. Norbert will, was er nicht kriegen kann, Axel kriegt, was er nie wollte. Das ist eigentlich eine charmante Konstellation, mit der sich arbeiten ließe.