Und wie soll man nun die neue Lage "klären", um mit Trump zu sprechen? Aus Washington wird wieder einmal berichtet, man erwäge sämtliche Optionen. Keine beruhigende Nachricht angesichts dessen, was da so "auf dem Tisch liegt". Ein Präventivschlag der USA zum Beispiel, womöglich nuklear, auf den Nordkorea nicht mehr antworten kann, wäre ein Ding der Unmöglichkeit. Mit diesem Massensterben wäre der Krieg eben nicht auf einen Schlag beendet. Die Nordkoreaner verfügen über genügend biologische, chemische und nukleare Massenvernichtungsmittel, um ihrerseits in Asien die Hölle zu entfachen.

Die meisten anderen Optionen, die derzeit diskutiert werden, sind ebenfalls problematisch. Die Atomanlagen Nordkoreas etwa sind teils mobil, teils gut versteckt und lassen sich nicht auf einen Schlag ausschalten. Gegen Anschläge auf die politische Führung wiederum sprechen technische und rechtliche Einwände.

Daher stellt sich die Frage, was stattdessen die Diplomatie ausrichten kann. Leider gibt es keine Anzeichen für einen Deal wie mit dem Iran, der sich auf scharfe internationale Kontrolle sowie einen teilweisen Rückbau seines Potenzials einließ, um Wirtschaftssanktionen loszuwerden. Kim Jong Un gibt ökonomischen Druck einfach an sein Volk weiter, und fertig. So kann man ihm nicht kommen.

Also bleibt nur ein Spiel auf Zeit, wie es dieser Tage ein ehemaliger Beamter des US-Außenministeriums vorschlug. In einem Aufsatz für die Website Politico schrieb er, dass ein von innen herrührender politischer Wandel auf lange Sicht wahrscheinlicher sei als die Entnuklearisierung Nordkoreas. Und der könne sich einstellen, wenn durch Wirtschaftsbeziehungen und kulturelle Durchdringung des Landes, namentlich mithilfe des Internets, die Abschottung Nordkoreas gegen die Welt durchlöchert werde.

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Das klingt nach soft power angesichts von hard power und daher ein wenig blümchenhaft. Doch es gibt ein Beispiel: Auf das kubanische Regime üben Konsumgüter, Kultur und Information heute mehr Veränderungsdruck aus als alle bisherigen Blockaden und Sanktionen oder, wie einst, die Militäraktionen sowie die CIA-Attentate auf Fidel Castro.

Einwenden ließe sich, dass dies Zukunftsmusik ist, die Gefahr jedoch gegenwärtig. Um sie einzudämmen, muss daher jene Weltmacht gewonnen werden, die den größten Einfluss in der Region hat: China. Pekings Führung ist zwar an der Stabilität des Regimes interessiert, das sie als Bollwerk gegen den US-Einfluss in der Region begreift – aber eine Kriegskatastrophe an der Landesgrenze kann sie nicht wollen.

Doch wer holt China ins Boot? Die Russen haben kein Interesse, die Europäer keine Macht. Bleiben die USA. Deren Präsident indes raunzt China in aller Weltöffentlichkeit an. Per Twitter.