Das soll es geben. Bei Filmregisseuren, Produzenten und Drehbuchautoren herrscht Ideenflaute, sie benötigen händeringend neuen Stoff. Nach langem Suchen stoßen sie auf den Film Planet der Affen aus dem Jahr 1968 und entschließen sich, die Vorgeschichte als Trilogie zu erzählen. Während sie die drei Teile abdrehen, gerät die Welt aus den Fugen. Der Nahe Osten versinkt im Chaos, Menschen flüchten zu Abertausenden über das Meer, Putin führt Krieg, Nordkorea wirft mit Raketen um sich, Donald Trump wird zum US-Präsidenten gewählt, und das amerikanische Imperium kommt ins Wanken. Plötzlich ist die Affen-Saga hochaktuell und bündelt düstere Fantasien. Es ist die Nachreife eines alten Stoffs im Brennglas der Gegenwart.

Survival heißt der dritte Teil der Kinoerzählung, aber das ist schon fast eine Irreführung. Tatsächlich ist der Film ein Requiem, ein Last Waltz, ein spektakulärer letzter Gruß an die schöne alte Zivilisation, die nun leider vom Erdboden verschwinden muss, sie hat es nicht anders verdient. Als die Natur nach all dem Gemetzel endlich ein Machtwort spricht, ist der Zuschauer regelrecht erlöst, quälend lang hat der Film ihm das masochistische Einverständnis in den Untergang der Menschheit abgerungen. Nun gibt es wieder Hoffnung, ganz viel Hoffnung. Aber nicht für die Menschen, nur für die Affen.

Die Hauptfigur ist immer noch der überschlaue Affe Caesar, der aus einem Versuchslabor gerettet wurde, nachdem ein Experiment mit einem Alzheimer-Serum katastrophal missraten war. Für die Menschen ist das Serum tödlich, und ein mutiertes Virus verwandelt den Planeten in eine riesige letale Zone. Doch was die Menschen zu Tode bringt, bewirkt bei den Affen einen unerwarteten evolutionären Sprung. Unter Caesars Führung ziehen sie sich im zweiten Teil der Trilogie in die Wälder nördlich von San Francisco zurück, gründen eine Kolonie und lernen sprechen. Das erste Gebot, das der friedfertige Caesar erlässt, lautet: "Affen töten keine Affen."

Das ist die steile Konstruktion der Trilogie, und natürlich kann man sie rasend blöd finden und sich darüber mokieren, dass das Blockbuster-Kino die Frechheit besitzt, den dummen Zuschauer mit interessanten Überlegungen zur Gattungsgeschichte zu behelligen. Denn warum müssen die Affen sprechen lernen? Damit sie in Freiheit kooperieren, Werkzeuge gebrauchen und elementare moralische Unterscheidungen treffen können, zum Beispiel den Unterschied zwischen Gut und Böse. Kurzum, Matt Reeves, der Regisseur, überblendet die Tierwerdung des Menschen mit der Menschwerdung des Tieres, und im Zeitraffer durchläuft der Affe die Gattungsgeschichte. Er übt sich in kommunikativer Vernunft, während die Menschen ihre Sprache verlieren und nur noch stammeln können. Wird die Affengemeinschaft menschlicher werden als der Homo sapiens? Oder wird sie ebenfalls all ihre Kräfte darauf verschwenden, ihre Artgenossen mit maximaler Effizienz und maximalem Vernichtungswillen umzubringen?

In Survival herrscht von Beginn an Krieg, und Caesar (Andy Serkis), der König der Herzen, ist wie verwandelt, sein Blick hat etwas Finsteres und Abgründiges bekommen. Caesar hat seinen alten Freund Koba getötet, weil dieser den totalen Krieg gegen die Menschen entfesseln wollte, nachdem diese ihn sein halbes Leben lang eingesperrt, gefoltert und erniedrigt hatten. Die "humans", so prophezeite er, seien animalische Wesen und von Natur aus unfähig, Frieden zu schließen.

Kino - "Planet der Affen: Survival" (Trailer) © Foto: Twentieth Century Fox

Koba, das Folteropfer, sollte recht behalten. Ein überlebender Colonel der untergegangen US-Armee hat sich mit einigen Getreuen von seiner Truppe abgesetzt, überfällt die Affenkolonie und tötet Caesars halbe Familie. Für diesen Berserker (Woody Harrelson) ist die Weltgeschichte ein Schlachthaus und der Kampf gegen die Affen ein "Heiliger Krieg". Der faschistische Halbgott, der angeblich seinen einzigen Sohn für das Heil der Menschheit geopfert hat, lässt Affen ans Kreuz nageln, seine Landsknechte schütten ihnen bei eisigen Temperaturen einen Eimer Wasser über den Kopf, denn Affen sollen nicht einfach sterben, sie sollen verrecken. Schräg nach oben blicken die Gemarterten in das Auge der Kamera, als sei sie die letzte Gerechte über Golgatha. Ohne Zweifel ist der wahnsinnige Colonel mit seinem glatt rasierten Schädel ein Wiedergänger, mit ihm zitiert das Kino seine eigenen Mythen. Woody Harrelson ist das Herz der Finsternis, er ist Colonel Walter E. Kurtz aus Coppolas Apocalypse Now, der personifizierte Wahnsinn einer Zivilisation, die an sich selbst irre wurde. "Das Grauen, das Grauen."

Sind Affen also die besseren Menschen? Keineswegs. Caesar ist zwar der neue Moses, der sein Volk vor dem Affenhasser in Sicherheit bringen will und den Exodus ins Gelobte Land organisiert. Doch zugleich will er für den Tod seiner Familie Rache nehmen – und scheint sich damit genauso wie ein Mensch zu verhalten, der mit seinen Untaten den Kreislauf aus Gewalt und Gegengewalt in Gang hält. Allerdings ist die Affensaga viel zu klug, um Caesars Sündenfall mit dem kleinen Einmaleins der konservativen Anthropologie zu erklären oder es aus einem metaphysischen Bösen abzuleiten, das selbst erklärungsbedürftig ist. Nein, die Gewalt entsteht aus Verlusterfahrungen und Traumatisierungen. Weil die Menschentiere und Tiermenschen Gefühle haben, sind sie verletzbar, und wer einmal zum Opfer wurde, fühlt sich zur Gegengewalt ermächtigt. Gewalt ist Traumabekämpfung nach vorn – und um das zu beweisen, hat sich Reeves als Gegenbild den wunderbaren Affen Bad Ape (Steve Zahn) ausgedacht. In der Gesellschaft der Bösen ist er der Gute, er ist ein pazifistischer Affenclown, der über das Grauen nur staunen kann. Diese Kinderseele lässt sich nicht traumatisieren, sie weiß gar nicht, was Rache sein könnte. Bad Ape zieht kurz den Kopf ein, und die Schrecken perlen an ihm ab.

Die Performance-Capture-Technik scheint in diesem Film noch einmal perfekter geworden zu sein, also das Verfahren, bei dem Schauspieler die Mimik und Gestik der Tiere vorgeben, um dann digital eingekleidet und "zum Affen gemacht" zu werden. Dadurch entsteht ein Hyperrealismus, eine Überwältigungsästhetik in 3-D mit beklemmend echt aussehenden Effekten, zum Beispiel dann, wenn die armen Kreaturen durch eine Winterlandschaft ziehen, vorbei an Zivilisationsruinen und Cola-Transportern. Die Aufnahmen wirken wie riesige Standbilder, wie ein Abschiedspanorama, das den Zuschauer zwingt, ein letztes Mal dorthin zurückzuschauen, wo es einmal schön war. Mitten im Winter blüht ein Kirschbaum, es ist ein Todesblühen. Selbst der manifeste Kitsch dieser Szene scheint tiefgefroren – und verzeihlich.

Es ist die alte analoge Zivilisation, die untergeht, ein Silicon Valley gibt es hier nicht. Damit bleibt die Erzählung ironischerweise unter den Möglichkeiten der Technik, mit der sie gedreht wurde. Der imaginäre Fluchtpunkt dieser Technik, ihre kulturelle Logik, ist es, nicht nur Schauspieler, sondern normale Menschen zu verwandeln und zu verbessern. Nicht von Regisseuren, sondern von Menschenzüchtern in Menschenparks. Die Naturbelassenen verschwinden, die gentechnisch Optimierten dürfen ins Paradies. Es wäre: das Grauen.