DIE ZEIT: 2011 wurden am Falkensteiner Ufer bei der größten Flusstaufe Deutschlands 243 Menschen getauft. Dieses Jahr hat der Bezirk Altona Ihre geplante Taufe in der Elbe verboten. Hat man dort keine Lust mehr auf Großveranstaltungen?

Anton Knuth: Es geht um zehn bis zwölf Täuflinge! Die Großtaufe war damals eine Veranstaltung des Kirchenkreises, dieses Mal wollte nur unsere Gemeinde taufen. Flusstaufen sind hier an der Elbe Tradition. Die Taufen sind eine besondere Form des Naturerlebens. Im Spüren des Sandes und mit der Taufe durch Elbwasser fühlen sich die Menschen verbunden mit den Elementen der Schöpfung, die es zu bewahren gilt. Wir machen das alle ein bis zwei Jahre in unserer Gemeinde.

ZEIT: Was hat der Bezirk jetzt dagegen?

Knuth: Er hat ausgerechnet Bedenken wegen des Umweltschutzes. Direkt am Strand beginnt das Naturschutzgebiet, da gibt es strenge Auflagen für Veranstaltungen. Die Naturschutzbehörde hat uns mitgeteilt, dass Privatveranstaltungen wie unsere dort nicht genehmigt würden. Veranstaltungen der Kirche als Privatveranstaltungen? In der Behörde scheint mir das Verständnis für diese Tradition verloren gegangen zu sein.

ZEIT: Inwiefern?

Knuth: Die Behörde weist auch darauf hin, dass die Taufe aufgrund der Sogwirkung vorbeifahrender Schiffe gefährlich sein könnte. Aber an der Stelle, wo wir taufen, spielen sonst Kinder. Das müsste dann ja auch verboten werden. Das ist realitätsferner Bürokratismus. Das Verbot war für uns schwer verständlich, besonders weil unsere letzte Taufe 2012 genehmigt wurde.

ZEIT: Was sagt die Behörde dazu?

Knuth: Das Bezirksamt habe die Genehmigung damals irrtümlich ausgestellt, weil eigentlich die Naturschutzabteilung zuständig sei. Und die sagt inzwischen rigoros Nein zu allen Veranstaltungen. Viele Bürger sehen die Gefahr einer zunehmend bürgerfernen Behördenpraxis wie zuletzt bei den Osterfeuern am Elbstrand, die auch eingeschränkt wurden.

ZEIT: Auch da gab es eine Debatte.

Knuth: Ja. Die Bürger sehen die Absurdität: Der Strand gehört der Hamburg Port Authority, die unter Aufsicht der Behörden die Elbe immer weiter zum Industriekanal ausbaut. Und gleichzeitig verbieten die Ämter harmlose Veranstaltungen. Wir haben unsere Taufe nachhaltig geplant, wir nutzen sogar Akkulautsprecher und brauchen deswegen keinen Strom. Ich glaube, dieses rigorose Vorgehen führt nur dazu, dass die Bürger das unterlaufen und erst gar keinen Antrag mehr stellen. Hier finden ja tatsächlich dauernd private Veranstaltungen am Strand statt.

ZEIT: Sie haben Ihren Ablehnungsbescheid Anfang des Jahres bekommen, jetzt berichten plötzlich alle Hamburger Medien. Wieso?

Knuth: Die Rissener Rundschau hat vor Wochen gefragt, wann die Taufe ist. Wir haben geantwortet: Wir haben keine Genehmigung bekommen. Daraus wurde ein Bericht, den außerhalb von Rissen keiner so richtig mitbekommen hat, außer ein NDR-Journalist, der letzte Woche einen Beitrag gemacht hat. Nun berichten alle. Ein kleiner Medienhype.

ZEIT: Für Sie ist das gut, oder?

Knuth: Ja, sehr sogar. Keine drei Stunden nach dem NDR-Bericht hat mich die Bezirksamtschefin angerufen. Das hätten wir doch regeln können, hat sie gesagt. Jetzt dürfen wir für nächstes Jahr einen Antrag stellen. Aber wir wundern uns schon etwas über die Aufmerksamkeitsmechanismen. Nachdem alle berichtet haben, werden die Parteien aktiv. Die CDU will das Thema in die Bezirksversammlung einbringen. Wir sind jetzt ganz unverhofft ein Lokalpolitikum.