Die deutschen Autobauer tricksen nicht nur beim Diesel. Sie tun es auch mit Worten. Nachdem VW, Daimler und Co. das Problem mit dem Dreck aus dem Auspuff jahrelang geleugnet haben, bieten sie ihren Kunden nun das "Nachrüsten" der fehlerhaften Motoren an. Was für ein Wortungeheuer sie da gefunden haben! Wahrscheinlich mussten PR-Strategen danach lange suchen. Denn es zeigt beispielhaft, wie wichtig die Wahl der richtigen Worte für die öffentliche Diskussion ist. Setzt man seins durch, verbreitet man damit auch sein Denken. Oder verschleiert geschickt ein Problem.

Wer nachrüstet, tut so, als ob er das Richtige täte. Er suggeriert Aktion, Zuwendung, Sicherheit. Und man muss dann schon genau nachfragen, um zu verstehen, dass die Autobosse eben genau das nicht liefern. Dass sie den Schaden, den sie verursacht haben, nicht wiedergutmachen wollen. Dass sie eben nicht reparieren, was kaputt ist. Dafür nämlich reicht es nicht, ein bisschen die Software zu erneuern. Dafür müssten sie mehr Geld ausgeben, die Werkstätten entweder ordentlich am Motor schrauben lassen oder die defekten Autos zurücknehmen – so wie VW es in den USA tut.

Man könnte auch sagen: Wäre der Diesel ein Ei, wäre er längst geschreddert. Denn die Eierindustrie vernichtet ihre vom Gift befallenen Erzeugnisse.

Dass beim Auto stattdessen die verbale Verschleierungstaktik funktioniert, liegt allerdings nicht nur an der Finesse der PR-Abteilungen, sondern auch an der Regierung. Alle führenden Politiker von CDU, CSU und SPD haben das Wort kritiklos übernommen – wohl wiederum aus einem ziemlich eigennützigen Kalkül: Hätten sie Klartext von den Autobossen verlangt, wäre ihr bisheriges kuscheliges Verhältnis noch auffälliger geworden. Und auch, dass das ebenso dringend eine Reparatur braucht wie die kaputten Autos – und nicht nur ein bisschen Nachrüstung. Die Reparatur aber traute sich wohl kurz vor den Wahlen keiner zu.