Es ist der nächste Schritt, auf den Genforscher in aller Welt gewartet – und den viele Ethiker gefürchtet haben: Forscher aus Portland im US-Bundesstaat Oregon haben erstmals erfolgreich einen genetischen Defekt an lebensfähigen Embryonen korrigiert. Ihre Studie veröffentlichten sie Anfang August im Wissenschaftsmagazin Nature.

Für die Versuche befruchteten die US-Wissenschaftler gespendete Eizellen zunächst mit Spermien eines Spenders, der an einer erblich bedingten Herzmuskelschwäche leidet. Noch während der Befruchtung schnitten sie mit einer sogenannten Genschere die defekten Bausteine heraus und ersetzten sie. Ein Großteil der veränderten Embryonen trug die Erbkrankheit nach der Behandlung nicht mehr in sich.

Crispr/Cas heißt die Methode, die seit wenigen Jahren die Gentechnik revolutioniert. Sie soll in Zukunft präzise Eingriffe ins Erbgut erlauben: Mit ihr könnten defekte Gene ausgetauscht, umgeschrieben oder herausgeschnitten werden und damit Krankheiten geheilt werden. Nach den Forschungserfolgen wächst die ethische Kritik an den neuen Methoden und deren unabsehbaren Risiken. Die Wechselwirkungen verschiedener menschlicher Gene sind sehr komplex, weshalb vor allem Ethiker vor den unumkehrbaren Folgen für die Menschheit warnen: Wer wie das US-Team aus Portland Embryonen, Eizellen oder Spermien verändert, greift damit in die menschliche Keimbahn ein. Veränderungen dort werden von Generation zu Generation vererbt. Aus ethischer Sicht beginnt damit eine Reise ins Ungewisse, so sieht es der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff: "Das ist, wie wenn Sie in einen Zug steigen und nur wissen, Sie kommen nie wieder zurück an den Punkt, an dem Sie eingestiegen sind. Aber Sie wissen nicht, wohin Sie fahren." Wissenschaftler könnten unvorhergesehene Nebenwirkungen bislang nicht ausschließen.

Durch die neuen Möglichkeiten, da sind sich die Experten einig, wird der Forschungsbedarf in den nächsten Jahren weiter steigen. Muss deshalb auch das strenge deutsche Embryonenschutzgesetz gelockert werden? "Will man schwerste, monogenetische Erkrankungen reparieren, ist es natürlich besonders effektiv, wenn man das in der Petrischale macht", sagt der Mannheimer Medizinrechtler Ralf Müller-Terpitz. Denn an einem Embryo mit wenigen Zellen lasse sich genchirurgisch gut arbeiten. "Falls das gelingt, könnte der sich entwickelnde Mensch ein unbeschwertes Leben leben." Bislang darf ein Embryo jedoch nur künstlich erzeugt werden, um eine Schwangerschaft zu beginnen – nicht um damit zu forschen. Der Freiburger Theologe Schockenhoff warnt. "Dieser Grundgedanke darf nicht zur Disposition gestellt werden, denn da geht es um die Würde des Menschen."