Es sollte der große Befreiungsschlag werden, als VW seinen Kunden am Dienstag ein Versprechen machte: "Mit Ihrem alten Diesel schneller zum Neuwagen". Bis zu 10.000 Euro Zuschuss, so geht das Versprechen, zahlt VW, wenn Kunden sich für einen neuen Diesel oder Benziner entscheiden und ihren alten Diesel verschrotten lassen. Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann verfiel bei der Bekanntmachung dieses "Umwelt- und Zukunftsprogramms" in staatstragenden Jubel: "Volkswagen fördert die Erneuerung des Fahrzeugbestandes in Deutschland."

Dabei geht es dem Management in Wahrheit wohl vor allem darum, ein anderes Zukunftsthema zu kaschieren. Einem Teil seiner 2,4 Millionen manipulierten Dieselautos drohen Fahrverbote.

Denn so viel ist zwei Jahre nach Bekanntwerden der Manipulation von Abgaswerten klar: Das vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) angeordnete Software-Update wird kaum ausreichen, damit alle Fahrzeuge sauber genug werden. Der vom KBA getestete Golf Plus von VW zum Beispiel bläst auf der Straße achtmal höhere Stickoxidwerte aus als im Labor. Axel Friedrich, ehedem Abteilungsleiter im Umweltbundesamt und heute Technikexperte der Deutschen Umwelthilfe, sagt: "Mit einem Software-Update erreichen sie im Flottenschnitt maximal Verbesserungen von 25 Prozent."

Damit die Fahrzeuge weiter in die Städte dürfen, bleibt nur die Hardware-Lösung, ein Umbau des Motors. Doch dazu sagte Volkswagen-Chef Matthias Müller vergangene Woche mit Bezug auf die Euro-5- und Euro-6-VW-Diesel: "Wir halten es im Grunde genommen für ausgeschlossen, Hardware-Nachrüstungen vorzunehmen. Einmal des Aufwandes wegen, aber auch, weil die Wirkung fragwürdig ist."

Die Hardware der Autos lässt sich sehr wohl umbauen. Es ist nur teuer

Angesichts von rund 2,4 Millionen manipulierten VW-Autos sind das nicht nur schlechte Nachrichten für die Luftqualität. Wenn sich Volkswagen nicht in der Lage sieht, die eigenen Fahrzeuge umzurüsten, dann wird das am Ende zwangsläufig zu Fahrverboten führen. Ein Teilnehmer des Dieselgipfels sagt der ZEIT: "Gerade die Euro-5-Diesel blasen so viel Abgase raus, dass sie damit künftig nicht mehr in jede Stadt fahren dürfen. Ein Update der Software wird nicht reichen." Der Verkehrsexperte Friedrich bestätigt diese Einschätzung: "Neuere Modellreihen von Mercedes und Volkswagen sind oft sogar dreckiger als ältere Euro-4-Diesel."

Für die Fahrer betroffener Pkw stünde dann vor jeder Fahrt erst einmal eine Recherche, ob sie etwa auf Dienstreise überhaupt noch in eine bestimmte Stadt hineinfahren dürfen. Wer in einer Gegend wohnt, in der Gerichte Fahrverbote für schmutzige Autos ausgesprochen haben, dessen Auto ist dann schlicht reif für die Tonne. München zum Beispiel wird wohl schon bald zur weitgehend dieselfreien Zone, wenn die Autos nicht entsprechend nachgerüstet werden. Oberbürgermeister Thomas Reiter sagt zumindest: "Ich persönlich hatte gehofft, dass die Autoindustrie zumindest stufenweise wirksame Hardware-Umrüstungen anbietet und dafür die Kosten übernimmt, um sicherzustellen, dass Fahrverbote vermieden werden können."

Wie will Volkswagen das seinen Kunden erklären? Gegenüber der ZEIT versucht es der Konzern so: "Im Gegensatz zu den in der öffentlichen Debatte geforderten Hardware-Nachrüstungen haben die Software-Updates den maßgeblichen Vorteil, dass sie schnell umsetzbar sind und somit schnell für spürbare Entlastung in der Schadstoffbelastung sorgen. Bis zu 30 Prozent Reduzierung der Stickoxidemissionen halten wir im Durchschnitt bei den für diese Aktion infrage kommenden Autos auf jeden Fall für möglich." Die teure technische Lösung hält der Konzern für nicht machbar: "Der nachträgliche Einbau von SCR-Systemen (AdBlue) wäre hingegen in den meisten Fahrzeugen nicht möglich, weil im Unterboden dafür schlichtweg der notwendige Platz fehlt. Bauraum ist ein knappes Gut in einem Fahrzeug."