DIE ZEIT: Frau Kunkel-Razum, in der neuen, 27. Ausgabe des Duden stehen 5.000 neue Wörter. "Späti" zum Beispiel. Sind auch welche rausgefallen?

Kathrin Kunkel-Razum: Kaum. Gestrichen wurden nur Schreibvarianten wie "Ketschup" oder "Majonäse", die nach einem Bericht des Rates der Deutschen Rechtschreibung nicht mehr gültig sind. Auf dieser Liste stand auch das Wort "Goalmann", österreichisch für Torhüter, das sich wohl auch in Österreich und der Schweiz nicht durchgesetzt hat. Sonst haben wir nur "Jahr-2000-fähig" gestrichen. Da ging es darum, ob Computer den Jahreswechsel 1999/2000 überstehen.

ZEIT: Wie sind Sie darauf gekommen?

Kunkel-Razum: Das passiert schon mal im Umbruch, wenn man Platz auf einer Seite braucht. Es kommt im normalen Sprachgebrauch nicht mehr vor, also konnten wir uns davon trennen.

ZEIT: Aber aus der Ausgabe von 2013 ist eine dreistellige Zahl von Wörtern rausgeflogen?

Kunkel-Razum: Ja, etwa "Mistigkeit", "borgweise" oder der "Buschklepper". Diesmal wollten wir eine bewahrende Haltung zeigen.

ZEIT: Stehen manche Wörter auf der Kippe und schaffen es nicht die nächste Ausgabe?

Kunkel-Razum: Das können sogar Wörter sein, die wir diesmal aufgenommen haben. Es dürfen ja sowieso keine Eintagsfliegen sein. Zum Beispiel müssten wir bei "tindern" prüfen, ob es dann noch aktuell ist.

ZEIT: Tut es Ihnen um irgendein Wort aus einer früheren Ausgabe leid?

Kunkel-Razum: Ich finde es schade, dass der "Pomadenhengst" mal rausgefallen ist. Ein Wort, das in den fünfziger Jahren häufig war. Heute würden wir "Macho" sagen.

ZEIT: Hat ein aussortiertes Wort die Chance, es mal wieder in den Duden zu schaffen?

Kunkel-Razum: Ich kann mich nicht an einen solchen Fall erinnern, aber möglich ist es. Man müsste mal nachforschen, wie es mit "Lügenpresse" war, die ja in den dreißiger Jahren schon gebräuchlich war und jetzt neu aufgenommen wurde.