Die Holzwände im alten Lager im Waldviertel wackeln. Durch riesige Lautsprecher jagt Roland Hauke seine Gitarrenklänge, langgezogene Töne, einige Melodiefetzen und einen kurzen Blues. Immer wieder hält der pensionierte Kunsterzieher inne, drückt ein paar Knöpfe und dreht Schalter an seiner elektrischen Gitarre, zupft einige Saiten und sagt, mehr zu sich selbst: "Was für ein Wahnsinnssound." Seit mehr als fünfzig Jahren ist der 74-Jährige auf der Suche nach dem perfekten Gitarrenton, rund 250 Instrumente hat er dafür gebaut – manche hat er verliehen, einige wenige verkauft, ein Geschäftsmodell hat er nie daraus gemacht. Nun soll ein eigenes Museum für die Sammlung eingerichtet werden.

Kein Instrument hat die Musik des 20. Jahrhunderts stärker geprägt als die elektrische Gitarre. Sie war mehr als ein schnödes Instrument, sie stand für Aufbruch und Rebellion, für eine Musik, die mit allem Herkömmlichen brach. Jimi Hendrix machte mit ihr bei seinem Auftritt in Woodstock Star Spangled Banner mit jaulenden und verzerrten Tönen zu einem Antikriegslied. Die elektrische Gitarre war ein Objekt der Gegenkultur.

Roland Hauke kümmerte sich darum nicht.

Es war nur der außergewöhnliche Klang, der ihn fesselte. Als der Schüler im Jahr 1960 den britischen Gitarristen Hank Marvin hörte, war es um ihn geschehen. "Warum klingt das so?", habe er sich gefragt, erzählt er heute. Der Klang und die Möglichkeiten dieses neuen Instruments ließen ihn nicht mehr los, sie wurden zur lebenslangen Obsession.

Roland Hauke wurde 1943 in Thaya geboren. Der Großvater betrieb einen Landmaschinen- und Motorenhandel, der Vater hatte die Kunstgewerbeschule besucht. Dessen fast 100 Jahre alte akustische Gitarre hängt noch immer an Haukes Wand im Wohnzimmer. Auf dem Tisch liegen detaillierte Zeichnungen von Gitarren, an der Wand lehnen halbfertige Korpusse.

Er besuchte die Lehrerbildungsanstalt und gründete eine Band, die Guitarmen. "Wir spielten Beatles, Beach Boys, alles, was angesagt war", erzählt er. Die Gruppe trat in Saalbach und anderen Tourismusorten auf, in Wiener Clubs, auch im legendären Chattanooga am Graben, und spielte Konzerte in Deutschland. Auf Fotos von damals sieht man junge Männer, die in schwarzen Anzügen auf Bühnen posieren– die Gitarren- und Basshälse immer stolz aufragend.

Natürlich wollte auch der junge Hauke eine Fender Stratocaster, die berühmteste E-Gitarre überhaupt, die später etwa Eric Clapton spielte. Sie war zu teuer, er bekam ein etwas günstigeres Modell, zerlegte es und war entsetzt. "Da steckte ja nichts dahinter", sagt er und rümpft die Nase, "die Teile waren völlig billig gebaut. Ich dachte mir: Das kannst du auch."

Hauke baute neben dem Studium der Kunst- und Werkerziehung sowie Kalligrafie an der Akademie der Bildenden Künste seine erste elektrische Gitarre. Vielseitig sollte sie sein und auch die Form künstlerisch anspruchsvoll. Herkömmliche Modelle besitzen ein bis drei Tonabnehmer, zwischen denen hin- und hergeschaltet werden kann. Hauke baut in seine Gitarren bis zu neun Pick-ups ein, eine komplizierte Schaltung macht das Instrument zu einer Allzweckwaffe, der sich sanfte, getragene Tönen ebenso entlocken lassen wie extrem harte und schrille Sounds. Dazu kommen die aufwendigen Holzarbeiten, die Hauke nicht minder wichtig sind. Manche Gitarren bestehen aus Dutzenden verschiedenen Holzarten, dazu Einlegearbeiten im Griffbrett aus polynesischen Muscheln.

Die Verkaufszahlen gehen zurück, viele Hersteller sind in der Krise: Stirbt die E-Gitarre aus?

In seiner Werkstatt mitten in Thaya, im Erdgeschoss seines Elternhauses, liegen überall Holzreste verteilt. Alt muss das Holz sein, das er verwendet, alt und trocken. "Ich nehme das, was für die anderen der Abfall ist", sagt er. Er klopft bei Tischlern und Holzhändlern an, fragt um Resten und hat so über die Jahre eine riesige Sammlung aufgebaut: ostindischer Palisander, österreichische Wurzelhölzer, Redwood aus Kalifornien oder Überbleibsel vom Wiener U-Bahn-Bau.

Wenn Roland Hauke im grünen Arbeitskittel auf seinem wackeligen Holzstuhl sitzt, umgeben von Werkzeug und Verstärkern, ist er in seiner eigenen Welt. Dicke Regentropfen prasseln auf das Dach, er schlägt ein paar Saiten an, und der hohe Raum, in dem früher die Landmaschinen des Großvaters standen, wird erfüllt von den Klängen. Ganz so wie früher wollen die Finger nicht mehr, die Arthrose plagt Hauke, man merkt ihm aber an, dass er viel Übung hat: Er reiht Jazzakkorde aneinander, ein kurzes Hardrock-Solo – eigentlich ist es ihm egal, was er spielt. Er will die Klänge hören, diesen einen perfekten Ton, dem er hinterherjagt.

"Der ist verrückt nach Klängen", sagt seine Tochter, die an dem großen Scheunentor lehnt und hereinlugt. "Ich bin schon als Kind jeden Tag mit Gitarrenklängen aufgewacht, aber nie mit Melodien. Er hat eine unbeschreibliche Soundbesessenheit", sagt sie.