An Skandalen herrscht gerade wahrlich kein Mangel. Man mag das als Indiz dafür nehmen, dass jenes geheimnisvolle publizistische Phänomen namens "Sommerloch" in unseren dauerbewegten Zeiten ausgestorben ist. Zugleich muss man die eigenen Sinne beisammenhalten, buhlt doch jedes neue Skandalon um Aufmerksamkeit. Besonders nah geht dem Menschen aber seit je psychologisch alles, was physiologisch seinen Magen-Darm-Trakt passiert.

Womit wir bei Fipronil sind und damit bei den Eiern.

Was soll man von diesem Skandal halten? Wie schlimm ist er? Und was für Schlussfolgerungen sollen wir – falls überhaupt – aus ihm ziehen?

Der Weg eines für die Lebensmittelproduktion verbotenen Insektizids aus einem rumänischen Unternehmen zu einem belgischen Reinigungsmittelhändler und von diesem über eine Stallputzfirma ins Gefieder niederländischer und deutscher Hühner, deren belastete Eier unter anderem an deutsche Supermärkte geliefert wurden – dieser transeuropäische Weg der Kontamination wird mittlerweile detailliert diskutiert.

Aber welcher Art ist dieser Skandal? Sein Auslöser war augenscheinlich eine einzelne Panscherei. Deren Auswirkungen sind durch länderüberschreitende Handelswege multipliziert worden. Einen Rückschluss auf eine weitverbreitete Praxis erlauben sie indes nicht. Eine simple Straftat also, wegen der Millionen Eier vernichtet werden.

Erfreulicherweise ist die Gesundheitsgefahr durch den verbotenen Stoff gering (so niedrig, wie die gemessenen Dosen bis Redaktionsschluss waren). Wer Likör mit belasteten Eiern trinkt, der muss den Alkohol fürchten, nicht das Pestizid.

Wenn man die Eier-Skandale der vergangenen Jahre auf einer Skala der Gefahr anordnet, dann stehen auf der einen Seite die Dioxin-Eier von Ende 2010 (große Aufregung trotz mickriger Messwerte) und auf der anderen der Salmonellen-Befall von 2014 (Hunderte Kranke, drei Tote). Fipronil gehört da klar auf die harmlosere Seite.

Was aber lehrt uns der Skandal? Vor allem, dass eine prinzipiell funktionierende Lebensmittelaufsicht fürs tatsächliche Funktionieren mehrere Wochen benötigt. Vom ersten Fipronil-Fund in Belgien bis zum Rückruf in Deutschland dauerte es gut doppelt so lange, wie rohe Eier ungekühlt haltbar sind: mehr als sechs Wochen. Jetzt klären die Verbraucherschutzminister Belgiens, der Niederlande und der Bundesrepublik, ob das nicht auch schneller geht als in Zeitlupe. Das darf man 45 Jahre nach Erfindung der E-Mail durchaus erwarten. Falls es mal giftiger wird.