Wir sprechen hier von Hinrichtungen in den USA, wo die Todesstrafe leider immer noch verhängt wird. Zwar mag die Frage ein wenig makaber erscheinen, aber berechtigt ist sie durchaus: Welchen Sinn ergibt es denn, einen Menschen, der in ein paar Minuten tot sein wird, noch vor möglichen Infektionen zu schützen?

Tatsächlich wird nicht die Spritze (die steril aus ihrer Verpackung kommt), sondern der Arm des Delinquenten vor dem tödlichen Einstich mit Alkohol desinfiziert. Erstens bekommt die Sache dadurch einen medizinischen Anstrich. Die Spritze wird nicht von Ärzten verabreicht, die dürfen das aufgrund ihrer Standesordnung nicht, auch nicht von Krankenschwestern, sondern von Gefängnismitarbeitern. Das rituelle Abtupfen trägt dazu bei, den Tötungsakt möglichst "human" aussehen zu lassen. (Was er gewiss nicht ist: Aufgrund schlechter Dosierung des Gifts sind schon mehrere Verurteilte eines sehr qualvollen Todes gestorben.)

Zweitens besteht ja noch die Möglichkeit, dass der Delinquent in letzter Minute begnadigt oder die Hinrichtung aufgeschoben wird. James Autry hatte man 1983 schon die Nadel in den Arm gestochen, als per Telefon die Nachricht eintraf, dass der Oberste Gerichtshof die Exekution gestoppt hatte. Zwar wurde er fünf Monate später dennoch hingerichtet. Hätte er sich aber bei der ersten Prozedur eine tödliche Infektion eingefangen, dann hätte das den Staat in große Bedrängnis gebracht.

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