I. Ein Markenzeichen

Mit einer Signatur bestätigt der Künstler, dass das Werk von ihm geschaffen wurde. "Euphronios egraphsen tade", auf Deutsch: "Euphronios hat es gemacht", schrieb einst der berühmte Vasenmaler der Antike. Einer seiner Nachfolger versuchte ihn zu übertrumpfen. "Euthymides hat es gemacht wie niemals Euphronios", schrieb er auf eine seiner Vasen.

Später aber waren Signaturen häufig nur noch Markenzeichen der Werkstatt. Ob Dürer, Cranach, Rembrandt oder Rubens – ein Gemälde mit ihrem Namenszug kann auch bloß das Werk eines Gesellen sein. In Utrecht verbot die Gilde Schülern im Jahr 1651 sogar, in einem anderen Stil als dem des Meisters zu malen. Druckgrafiken handschriftlich zu signieren und zu nummerieren kam erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, als diese als eigenständiges Medium entdeckt wurden.

II. Prominenz verkauft sich besser

Schon im 16. Jahrhundert sammelte so mancher Herrscher Namen. Kaiser Rudolf II. wollte unbedingt einen Tizian und einen Bosch, Isabella d’Este einen Leonardo. Clevere Händler versahen Gemälde und Zeichnungen von Kleinmeistern mit begehrten Namen, so konnten sie teurer verkaufen.

III. Das Kunstwerk, eine Urkunde

Durch die Signatur wird ein Werk im juristischen Sinne zu einer Urkunde. "Bis zum Beweis des Gegenteils" gilt im Sinne des Gesetzes derjenige als Urheber, der sich auf dem Kunstwerk durch eine Signatur verewigt hat. Wer seinen Namenszug auf einem Original hinterlassen hat, obwohl er nicht der Erschaffer ist, und dem Werk somit "den Anschein eines Originals gibt" oder eine solche Fälschung auch noch verbreitet, dem droht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren wegen Urkundenfälschung.

IV. Zugesicherte Eigenschaft?

Bei Auktionskatalogen gilt es auf die feinen Unterschiede zu achten. "Signiert" heißt, der Versteigerer geht von der eigenhändigen Signatur des Künstlers aus. "Bez." oder "bezeichnet" deutet dagegen an, die Signatur stamme möglicherweise von fremder Hand. Und "in der Platte" oder "im Stein signiert" hat bei Drucken mit einer Originalsignatur nichts zu tun, weil diese Unterschrift mit dem Bild gedruckt wurde. In allen diesen Fällen handelt es sich also nicht um "zugesicherte Eigenschaften", die einklagbar wären.