Legenden und populäre Darstellungen pflegen immer noch das Zerrbild eines naiven, ein wenig beschränkten Gefühlsmenschen. Zwar bietet sein Leben weder Überraschendes noch Überspanntes, doch in dem unansehnlichen Körper wohnten ein wacher Geist und eine staunenswerte kreative Energie.

Nach ersten Talentproben als Sopranist und Schüler eines Konservatoriums versuchte er sich mit kleinen Werken in den geläufigen Gattungen. Mit 17 Jahren "erfand" er ein neues Genre, das ihn zunächst in seiner Heimatstadt bekannt machte.

Entspannung von seinem strikt eingehaltenen Arbeitsplan erlebte er im Umgang mit Freunden in Gasthäusern, trank Bier, hüllte sich in Tabakwolken und fühlte sich am wohlsten, wenn er Klavier spielte. Seine ersten Erfolge lockten ihn zu einer Kunstform, die öffentliche Anerkennung versprach. Doch der mäßige Erfolg seiner mäßigen Werke dämpfte seinen Ehrgeiz, im lyrischen Theater einen Abglanz eines Lebens zu schaffen, das die Wirklichkeit seiner ereignislosen Existenz aufhob. Seine wahrhaft großen Werke blieben verborgen, sie fanden erst Jahrzehnte nach seinem Tod an die Öffentlichkeit. Als eine damals unheilbare Krankheit bei ihm ausbrach, geriet er in eine tiefe seelische Krise. Doch er arbeitete diszipliniert weiter. Heitere Geselligkeit wechselte nun mit Tagen der Verzweiflung und Todeswünschen.

In einem seiner späten Werke tritt ein alter, armer und gebrochener Mann auf, den die Hunde anbellen. Sein Ebenbild? Er erlag einer Infektion, der sein geschwächter Körper nichts mehr entgegensetzen konnte. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 32:

Frank-Walter Steinmeier, geb. 5. Januar 1956 in Detmold, ist seit dem 19. März 2017 der 12. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Davor war er zweimal Außenminister (2005–2009; 2013–2017), 2009 scheiterte er als SPD-Kanzlerkandidat. Im August 2010 spendete er seiner Ehefrau Elke Büdenbender eine Niere