DIE ZEIT: Wen wählen Sie?

Klaus Müller: Das Wahlgeheimnis gilt auch für Verbraucherschützer.

ZEIT: Dann verraten Sie wenigstens, wen Verbraucher wählen sollten.

Müller: Das Gute ist, dass sich die verbraucherpolitischen Ansätze der Parteien anhand der Wahlprogramme sehr gut unterscheiden lassen und Verbraucher entsprechend ihrer Präferenzen entscheiden können. Es gibt beispielsweise eine Partei, für die im Verbraucherschutz Nachhaltigkeit und gesunde Lebensmittel im Vordergrund stehen ...

ZEIT: ... Sie meinen die Grünen, richtig?

Müller: Genau. Demgegenüber legt die FDP großen Wert auf digitalen Verbraucherschutz und Datensicherheit. In dieser Hinsicht ist sie sehr modern. Gleichzeitig pflegt sie aber weiterhin ein rückschrittliches Leitbild des "mündigen Verbrauchers", der stets rational handelt, vollständigen Überblick über sämtliche Anbieter und Produkte und daneben wohl unbegrenzt Zeit, Lust, Wissen und Geld hat, sich über all seine Rechte und Pflichten zu informieren und sie durchzusetzen. Außerhalb der FDP glaubt mittlerweile niemand mehr daran.

ZEIT: Wie sieht es bei den anderen Parteien aus?

Müller: Wer auf soziale Aspekte und rechtlichen Verbraucherschutz achtet, ist bei der SPD gut aufgehoben. Und wer davon überzeugt ist, dass der Staat der beste Verbraucherschützer ist, sollte die Linke wählen. Beim Verbraucherleitbild aber hat sich längst durchgesetzt, dass die Menschen sehr verschieden sind und deshalb auch das, was Menschen brauchen.

ZEIT: Was bietet die CDU den Verbrauchern?

Müller: Nicht viel. Im Wahlprogramm der Union gibt es zwar ein eigenes Kapitel zum Verbraucherschutz. Aber inhaltlich ist das ziemlich dünn.

ZEIT: Und das finden Sie schlecht, oder?

Müller: Angela Merkel war in ihrer Rede auf dem Deutschen Verbrauchertag im Juni deutlich konkreter als das Wahlprogramm. So hat die Kanzlerin eine gewisse Sympathie für unsere Idee eines kosteneffizienten Standardprodukts für die Altersvorsorge erkennen lassen, von dem finanziell nicht in erster Linie die Versicherungswirtschaft selber profitiert, sondern die Verbraucher. Auch zu den Marktwächtern Finanzen und digitale Welt hat sie sich bekannt.

ZEIT: Versprochen wird in Wahlkämpfen viel. Wie glaubwürdig war denn die jetzige Regierung?

Müller: Justiz und Verbraucherschutz in einem Ministerium zu bündeln war eine gute Idee. Insgesamt hat die aktuelle Koalition beim Verbraucherschutz ein gut halb volles Glas hinterlassen.

ZEIT: Was soll das denn heißen?

Müller: Auf dem Finanzmarkt wurde der Verbraucherschutz gestärkt. Auch bei den Möglichkeiten, sein Recht in der digitalen Welt durchzusetzen, sehen wir Fortschritte. Außerdem bekommen wir dank der Marktwächter inzwischen bessere Daten darüber, wo Verbraucher systematisch benachteiligt werden, etwa wenn Finanzanbieter versuchen, gut verzinste Verträge vorzeitig aufzukündigen.