Beunruhigend: Seit Ende 2015 ist der Schuldenstand der Stadt um mehr als zehn Prozent gewachsen. Rekordverdächtige 2,3 Milliarden Euro neue Kredite hat Hamburg 2016 aufnehmen müssen. In den ersten drei Monaten 2017 kamen weitere 540 Millionen Euro hinzu.

Noch beunruhigender: Der Bund und die meisten Bundesländer haben gleichzeitig ihre Schulden gesenkt. Das war kein Kunststück, denn Rekordsteuereinnahmen und historisch niedrige Zinsen verschaffen den öffentlichen Haushalten derzeit unbekannte Spielräume.

Was sagt der Hamburger Senat dazu? Er verweist darauf, dass die neuen Schulden nicht durch aktuelle Politik entstanden sind, sondern durch Altlasten: Die HSH Nordbank, der man zuletzt marode Schiffskredite in Milliardenhöhe abgenommen hat, vermassele die Bilanz.

Das zeugt von einer schrägen Sicht auf solide Finanzpolitik. Schulden schränken die Handlungsspielräume künftiger Generationen ein, weil die für die Zinsen heutiger Ausgaben aufkommen müssen. Das ist verschmerzbar, wenn mit dem Geld Werte entstehen, also etwa in den Bau von Schulen investiert wird. Es ist aber ärgerlich, wenn damit verantwortungsloses Handeln der Vergangenheit finanziert werden muss.

Und es ist noch ärgerlicher, weil die Verantwortlichen eben nicht vorgesorgt haben. Die Stadt handelt wie ein Unternehmer, der seit Jahren weiß, dass sein Fabrikdach marode ist und sich nun über die Reparaturkosten aufregt. Die Milliardenbelastungen der HSH Nordbank sind lange bekannt, die Stadt rechnet offiziell seit 2014 mit fünf Milliarden Euro Verlusten.

Doch so sehr der Senat betont, er handele wie ein umsichtiger Kaufmann, so wenig tut er es. Statt angesichts der drohenden Kosten anderswo zu sparen, hat Hamburg die Rekordsteuereinnahmen ausgegeben – zweifellos auch für sinnvolle Anliegen wie Bildung. Und doch war man zu sorglos. Die Stadt hat sich auf dem Wirtschaftsboom ausgeruht.

Irgendwann wird dieser Boom vorbei sein. Schon in den vergangenen drei Jahren ist in keinem anderen Bundesland die Wirtschaft so wenig gewachsen wie in Hamburg. Im Abschwung wäre nur eins sicher: Die Schulden für die HSH werden weiter steigen.