Am 1. Juli 2017 spielte unter Frank Castorf zum letzten Mal die "alte" Berliner Volksbühne. Am 10. September 2017 wird unter Chris Dercon zum ersten Mal die "neue" Berliner Volksbühne spielen. Was dazwischenliegt, nennt man Theaterferien. In Berlin ist das keine stille Zeit. Die Hauptstadt macht sich warm für den Kampf, der im September offen ausbrechen wird – unter der Oberfläche brodelt er längst. 36.000 Menschen, darunter etliche Prominente, haben eine Petition unterschrieben, welche die politisch Verantwortlichen auffordert, die Zukunft der Volksbühne neu zu verhandeln, da Chris Dercon die Anforderung nicht erfülle, "die Volksbühne als ein im Ensemble- und Repertoirebetrieb arbeitendes Theater beizubehalten". Unterdessen ist im Netz ein Nebenwutschauplatz entstanden: Der Social-Media-Auftritt der neuen Leitung, die erste öffentliche Ansprache Dercons ans potenzielle Publikum, wird mit Zorn und Häme kommentiert. "Wenn wir an der Volksbühne etwas hassen, ist es der Konsens" – so lautet die Überschrift zu einem Frank-Castorf-Interview im Berliner Magazin Tip, erschienen im Juni. Nun ist Castorf fort, und rund um die Volksbühne tobt das größte Konsens-Phänomen, welches Berlin seit Langem erlebt hat: Alle sind vereint im Schmerz um Castorfs Abwesenheit.

Aber im September wird die erste Spielzeit der "neuen" Volksbühne eröffnet. Auf dem Tempelhofer Feld soll ein Tanzfest gefeiert werden, "ganz Berlin" ist eingeladen. Wer wird, unter dieser gewaltigen Wutwolke, freien Herzens tanzen? Jeder Schritt auf dem Tempelhofer Feld wird genau beobachtet werden, denn, vergessen wir es nicht, Berlin befindet sich im Kulturkampf.