Wenn in knapp sieben Wochen darüber entschieden wird, wer Deutschland für die nächsten vier Jahre regiert, dürfen Kinder nicht mitstimmen. Dabei steht im Grundgesetz, dass die Wahlen in Deutschland "allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim" sind. Klingt gut. Aber was genau heißt das denn?

Im Grundgesetz steht eben auch, dass man 18 Jahre alt sein muss, um mitzubestimmen. Kinder sollen keine Entscheidungen mittreffen, deren Folgen sie nicht einschätzen können. Man schraubt ja zum Beispiel auch nicht an einem Automotor herum, wenn man nicht weiß, wofür die einzelnen Teile da sind. Vielleicht macht man dabei die Bremsen kaputt!?

Bis vor ungefähr hundert Jahren traute man auch Frauen nicht zu, in der Politik mitbestimmen zu können. In Deutschland dürfen sie erst seit 1918 wählen. Seitdem sind die Wahlen tatsächlich "allgemein". Damals wurden die Wahlen auch endlich "gleich". Das bedeutet: Die Stimme jedes Wählers zählt gleich viel. In früheren Zeiten hatten reiche Menschen oder solche mit viel Land mehr Stimmen als andere Leute. Genauer gesagt hatten ganz normale Leute lange überhaupt kein Wahlrecht.

Erst seit 1990, also seit nicht mal dreißig Jahren, sind die Wahlen in ganz Deutschland auch "frei". Das heißt, niemand wird unter Druck gesetzt, wen er wählen soll, und alle Parteien haben dieselben Chancen. Vor 1990 war Deutschland ja geteilt. In der Deutschen Demokratischen Republik im Osten war immer dieselbe Partei an der Macht. Wenn klar war, dass jemand die nicht wählen wollte, konnte die Regierung ihm Probleme machen.

Darf heute denn nun jeder, der in Deutschland wohnt und volljährig ist, darüber mitbestimmen, ob Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt oder ob sie abgelöst wird? Nein! Bei Bundestagswahlen (bei denen letztlich über die Kanzlerin oder den Kanzler entschieden wird) dürfen nur deutsche Staatsbürger mitmachen. Man muss also in Deutschland geboren sein, ein Kind von Deutschen sein oder schon länger in Deutschland leben – jedenfalls braucht man einen deutschen Pass. Warum? Na ja, man kann ja auch nicht in einer anderen Schulklasse darüber mitbestimmen, wer dort Klassensprecher wird. Wählen soll nur, wer mit dem Wahlergebnis auch leben muss.

Allerdings gibt es auch eine Menge Deutsche, die einen zweiten Pass haben, zum Beispiel weil sie oder ihre Eltern aus der Türkei kommen. Dann dürfen sie in beiden Ländern abstimmen. Ob das so richtig ist, darüber gibt es immer wieder Streit. Die einen sagen, das doppelte Wahlrecht ist wichtig, damit sich die Leute in beiden Ländern zu Hause fühlen können. Die anderen sagen, es ist schlecht, weil es gerade dazu führt, dass sie sich in keinem der Länder so richtig zu Hause fühlen. Bei Wahlen in Städten und Gemeinden gilt noch eine Ausnahme: Dort dürfen auch Bewohner mitwählen (und gewählt werden), die aus einem anderen Land der Europäischen Union stammen.

Und dann gibt es noch eine Gruppe, eine, die nicht wählt, obwohl sie wählen darf: die Nichtwähler. Das sind Leute, die entweder nicht wissen, was sie wählen sollen, weil sie keine Partei so richtig gut finden, oder die einfach zu faul sind, ins Wahllokal zu gehen. Bei der letzten Bundestagswahl nahm fast jeder dritte Deutsche sein Wahlrecht nicht wahr.

Übrigens: Es gibt immer mal wieder die Forderung, dass Familien mit Kindern mehr Stimmen bekommen sollen. Immerhin kriegen ja auch Kinder politische Entscheidungen zu spüren. Und wenn sie schon selbst nicht wählen dürfen, dann könnten das doch ihre Eltern für sie erledigen. Was meint ihr? Ist das eine gute Idee?