Manchmal lässt sich der Beginn einer Zeitenwende ziemlich exakt bestimmen. Dieser fällt auf den Montag der vergangenen Woche. Da verfasst Michael Hartnett in seinem Büro in Manhattan einen kurzen Text mit vielen bunten Grafiken. Hartnett ist Investmentexperte bei der amerikanischen Großbank Bank of America. Einmal im Monat fragen er und seine Kollegen bei Investoren aus aller Welt nach, wo diese ihr Geld anlegen.

Ergebnis der jüngsten Umfrage: In die amerikanischen und die britischen Aktienmärkte fließt derzeit so wenig Kapital wie zuletzt während der Weltfinanzkrise. Weil die Börsianer an der politischen Stabilität der angelsächsischen Welt zweifeln. Oder wie es Hartnett in seiner Studie formuliert: weil die "Anglo-Saxon angst" grassiert.

Banken veröffentlichen viele Studien, und nicht alle taugen etwas. Diese fasst aber einen Trend in Zahlen, der sich tatsächlich schon seit geraumer Zeit abzeichnet: Das Kapital verliert das Vertrauen in jene Weltregionen, die sich über Jahrzehnte bemüht haben, ihm alle Wünsche zu erfüllen. Der Dollar hat in den vergangenen drei Monaten gegenüber dem Euro fast fünf Prozent an Wert verloren, die Aktienkurse an der New Yorker Börse sind seit Anfang August um zwei Prozent zurückgegangen, und die ersten Hedgefonds ziehen Geld ab.

Wenn dann auch noch, wie in dieser Woche geschehen, das Hausblatt der internationalen Finanzwelt – die britische Financial Times – warnt, dass die Ära Trump für Investoren "hässlich" werden könnte, dann zeigt das, wie sich die Angst durch das System frisst.

Donald Trump enttäuscht die amerikanische Wirtschaft

Die jüngsten Entgleisungen des Mannes im Weißen Haus haben diese Entwicklung nur beschleunigt. Nach seiner halbherzigen Distanzierung von rassistischen Umtrieben in Charlottesville rückten die Chefs der wichtigsten amerikanischen Unternehmen von ihm ab. Viele Bosse hatten nur auf die passende Gelegenheit gewartet. Für corporate America ist Trump eine Enttäuschung. Anfangs hatten die Konzernlenker die Nähe zum Präsidenten gesucht, weil Macht die Wirtschaftsführer anzieht wie das Licht die Mücken – und weil Trump versprach, die Bürokratie abzubauen und die Steuern zu senken. Derlei kommt im Unternehmerlager immer gut an, nicht nur in den USA.

Doch die wirtschaftspolitischen Initiativen des Präsidenten stecken im Kongress fest, weil er nicht genügend Abgeordnete auf seine Seite zu ziehen vermag, und Trumps Nationalismus wird zunehmend zum Geschäftsrisiko. Die großen amerikanischen Firmen profitieren schließlich von jener Globalisierung, die er ablehnt. Ihre Lieferanten sitzen in China und Mexiko, ihre Mitarbeiter und Kunden kommen aus allen Teilen der Welt, und internationale Vereinbarungen wie das Pariser Klimaabkommen erleichtern ihnen die Zukunftsplanung.

Die Wirtschaftsgeschichte beweist einen Sinn für Ironie, wenn ausgerechnet Steve Schwarzman, der erzkonservative Chef der Investmentgesellschaft Blackstone, vom Vorsitz des wirtschaftspolitischen Beirats eines republikanischen Präsidenten zurücktritt. Jener Schwarzman, der noch im Januar beim Weltwirtschaftsforum in Davos eine "Ära des Wirtschaftswachstums" ausgerufen hatte, die mit dem neuen Präsidenten anbrechen werde.