Ist er etwa untergetaucht? Zum Zeitvertreib nach Frankreich gefahren, in die Heimat? Der 21 Jahre alte Ousmane Dembélé ist in diesen Tagen schwer zu fassen. Während Arbeitgeber Borussia Dortmund mit dem FC Barcelona über einen Verkauf seines Stürmers Dembélé verhandelt, hat sich dieser unsichtbar gemacht. Um seinen Abgang im Ruhrgebiet zu erzwingen, sei er in einen Streik getreten, heißt es. Was nicht stimmt. Borussia hat ihn vom Spiel- und Trainingsbetrieb bis auf Weiteres suspendiert. Was Sport Bild nicht daran hindert, ihn als "Stinkstiefel" sowie einen "geldgeilen und gewissenlosen Söldner" zu bezeichnen.

Wahr ist, die Borussia würde das Supertalent, ihren besten Spieler der vergangenen Saison, nach nur einem Jahr gern wieder verkaufen – wenn der Preis stimmt. Um dieses Ablöse gibt es jetzt ein Geschacher. Barcelona, durch die 222 Millionen Euro für den zu Paris St. Germain abgewanderten Neymar reich geworden, soll den Dortmundern knapp 100 Millionen Euro für Dembélé geboten haben. Zu wenig, finden die Dortmunder. Offenbar fordert der BVB rund 120 Millionen, wovon 20 vertragsgemäß an Dembélés früheren Verein Stade Rennes weiterzuleiten wären. Der Spieler, vielleicht gesteuert von Beratern oder seinem Wunschverein aus Katalonien, kam daraufhin einen Tag nicht zur Arbeit – "um den Preis zu drücken", wie BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vermutet. Das Gezerre um Dembélé ist der erste große Transferfall der Bundesliga im Post-Neymar-Zeitalter. Plötzlich sind alle Summen denkbar, alle Mittel scheinen erlaubt.

Bis zum 31. August, dem Ende der Transferperiode, muss die Sache entschieden sein: 100 Millionen Euro für den BVB, 120 Millionen? Oder null, und der bis 2021 vertraglich gebundene Fußballprofi kehrt reumütig aufs Spielfeld zurück. Oder null Euro, und Dembélé wechselt trotzdem – diese neue Variante bringt der Karlsruher Anwalt Markus Schütz jetzt ins Spiel. Schütz, der einen früheren Berater des Stürmers vertritt, sagt: "Wenn der Spieler uns mandatiert, fechte ich seinen Arbeitsvertrag mit Dortmund an." Wäre der Vertrag aus irgendeinem Grund ungültig, könnte Dembélé ablösefrei gehen, Dortmund sähe keinen Cent.

Ist das eine Drohung? Oder der Versuch, kurz vor einem Transfer noch ins Geschäft zu kommen? Denn dass Dembélés derzeitiger Agent Moussa Sissoko den genannten Arbeitsvertrag in Zweifel zieht, ist nicht zu erwarten. Er hat ihn vergangenes Jahr, als der Spieler aus Rennes nach Dortmund kam, ausgehandelt, dafür ein Vermittlungshonorar von angeblich drei Millionen Euro kassiert.

Markus Schütz, Anwalt des französischen Spieleragenten Martial Kodja, der Dembélé seit dessen Jugend zusammen mit einem Verwandten des Stürmers betreute, hat den BVB bereits zweimal wegen der Umstände der Verpflichtung beim Deutschen Fußball-Bund angezeigt. Zunächst bei der Sportgerichtsbarkeit wegen angeblicher Verstöße gegen das Reglement für Spielervermittlung. Und dann bei der DFB-Ethikkommission unter Leitung des ehemaligen Außenministers Klaus Kinkel – wegen der "Machenschaften" der BVB-Verantwortlichen, wie es in einem Schreiben an Kinkel heißt.

Im Kern geht es um den Vorwurf, Dortmund habe den damals 19-Jährigen über den Tisch gezogen. Dem Spieler habe bei den finalen Gesprächen kein Vertragspapier in seiner französischen Muttersprache vorgelegen. Außerdem habe der BVB den vom Spieler inzwischen beauftragten Agenten Kodja, als der zusammen mit Dembélés Mutter Fatima zum Treffen am 17. Mai letzten Jahres nach Dortmund angereist war, nicht als Berater akzeptiert. Dembélé habe somit ohne Vertretung und "machtlos" den BVB-Leuten gegenüber gesessen.

Der Fünf-Jahres-Vertrag, den der Franzose unterschrieb, lässt ihn nicht verhungern. Angeblich verdient er ein Grundgehalt von zwei Millionen Euro im Jahr und bekam zehn Millionen Handgeld bei der Unterschrift – über die Vertragsdauer sind das dann jährlich insgesamt vier Millionen. Für einen derart begehrten Spieler ist das aber eine vergleichsweise niedrige Entlohnung. Zudem wurde keine Gehaltserhöhung verankert und vor allem keine Ausstiegsmöglichkeit.