Fasst man einen Schmetterling an den Flügeln an, so bleibt auf den Fingern "Schmetterlingsstaub" zurück. Dieser Staub besteht aus bunten Schuppen, mit denen die Flügel des Insekts überzogen sind. Wie Dachziegel sind die gerade mal einen zwanzigstel Millimeter breiten Plättchen angeordnet. Und wenn einige von ihnen fehlen, sagt der Volksmund, könne das Tier nicht mehr fliegen und müsse elend zugrunde gehen.

Aber die Flügel sind robust genug, um damit Tausende von Kilometern zurückzulegen, und auch im normalen Alltag, beim Bestäuben von Blumen, bei der Begegnung mit Feinden und bei der Paarung, verlieren Schmetterlinge immer wieder Schuppen. Und weil die nicht nachwachsen, haben ältere Schmetterlinge oft eine blassere Farbe, teilweise sind die Flügel regelrecht durchsscheinend. Unmittelbar zum Tod führt das nicht.

Die Schuppen sorgen nicht nur für die bunten Farben, mit denen der Falter Feinde abschreckt und Partner anlockt. Sie spielen auch eine Rolle im Temperaturhaushalt des Insekts, und sie haben tatsächlich eine stabilisierende Funktion beim Fliegen. Viel wichtiger für die Flugfähigkeit ist aber, dass der Flügel insgesamt intakt bleibt und keine Risse bekommt.

Daher ist es auch falsch, einen Schmetterling mit einem umgedrehten Glas einzufangen, nur um die Berührung zu vermeiden. Denn wenn er wild umherflattert und an die harten Glaswände stößt, besteht große Verletzungsgefahr. Zoologen haben keine Bedenken, die Tiere an den Flügeln anzufassen. Mit festem Griff, möglichst nah am Körper, und ohne die Finger hin und her zu reiben. Bei Studien an amerikanischen Monarchfaltern haben Forscher sogar schon gezielt auf einem kleinen Fleck des Flügels die Schuppen abgeschabt, um winzige Sensoren auf die Flügelmembran zu kleben. Die filigranen Tiere haben damit große Flugstrecken zurückgelegt und der Wissenschaft wertvolle Erkenntnisse über ihre Wanderungsmuster beschert.

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