"Nu geiht dat los!" – Seit gefühlt zwei Jahren, mindestens aber seit einem Jahr verkünden Schaufensterplakate im Dammtorbahnhof die baldige Eröffnung eines Edeka-Marktes. Pendler und Langarbeiter aus der Neustadt fiebern seither der Einkaufsgelegenheit entgegen. Doch die Freude, sie verflüchtigt sich allmählich. Zwar sind die Räumlichkeiten offensichtlich verfügbar. Doch sonst tut sich wenig. Wird es am Ende bei den Plakaten bleiben? Ist alles nur ein raffiniert-perfider Werbetrick, werden "Nu geiht dat los"-Plakate demnächst auch an der Alsterschwimmhalle und am Telemichel hängen, um potenzielle Kunden so wild auf Edeka zu machen, dass sie Hals über Kopf in den nächsten real existierenden Markt stürzen?

Im Internet kursieren im Hinblick auf Edeka im Dammtorbahnhof Gerüchte von schwierigen Auflagen und entnervten Pächtern. Und der Autor dieser Zeilen kam am Ort ins Gespräch mit einem Rolexträger, der erklärte, er habe Interesse, in den Räumen eine Bar zu eröffnen, leider ohne Shopping-Möglichkeit, dafür aber mit Tanz auf dem Tisch.

Demgegenüber wirkt die Stellungnahme der Edeka-Handelsgesellschaft Nord recht nüchtern. Grund für die lange Verzögerung sei, "dass sich zentrale, teilweise sicherheitsrelevante, Versorgungstechnik in der zukünftigen Mietfläche befindet", schreibt Marion Grundmann aus der Leitung der Unternehmenskommunikation. "Die Verlegung dieser Anlagen stellt sich komplexer dar, als zuvor abzusehen war. Derzeit findet bei der Bahn die interne Abstimmung hinsichtlich dieses Vorgangs statt."

Wichtige Technik, bei der allein das Planen der Verlegung circa ein Jahr länger dauert? Befand sich hier etwa ehemals nicht nur das Reisezentrum der Deutschen Bahn, sondern noch etwas anderes? Vielleicht geheime Räume voll mit Technik, mit der man die von leidgeprüften Bahnreisenden immer wieder vermuteten, aber nie bewiesenen Experimente mit Kunden steuerte, Züge in verkehrter Wagenreihung einfahren zu lassen?

Pustekuchen, teilt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis mit. In dem Ladenlokal verliefen einfach "sehr viele Leitungen und Technik", die verlegt werden müssten. Konkret handle es sich – Verschwörungstheoretiker, nicht weiterlesen! – um Einrichtungen zur Beleuchtung, Lüftung und Steuerung. Und dass es nicht vorangehe, habe "nichts mit bahninternen Abstimmungsprozessen zu tun", sondern mit "umfangreichen Planungen und Genehmigungsverfahren sowie Prüfungen".

Also verschiebe sich der Einkaufsgenuss. Wie lange noch? "Auf unbestimmte Zeit", erklärt Edeka-Sprecherin Grundmann. "In diesem Fall sieht es nach keiner schnellen Lösung aus." Auch das könnte ein Experiment mit Kunden sein.