Das Café Aroma im Münchner Glockenbachviertel, wo die Menschen eine interessante Mischung aus Isarvorstadt-Kleinbürgerlichkeit, hohem materiellem Wohlstand und der üblichen Fair-gehandelter-Kaffee-Behämmertheit vorführen. Er trägt eine Top Gun- Sonnenbrille, winkt, lacht. Der Name Béla Anda ist vielleicht nicht mehr allgemein bekannt – von 2002 bis 2005 war der Sohn eines in den fünfziger Jahren eingewanderten Ungarn Chef des Bundespresseamts und Gerhard Schröders Regierungssprecher. Anda, 54, Journalist, Kommunikationsmanager und SPD-Mitglied, ist der personifizierte Netzwerker, er hat die erste Schröder-Biografie geschrieben (1996), war Mitglied der Chefredaktion bei der Bild-Zeitung, hat dann – nach dem Regierungsverlust von Rot-Grün – unter anderem für Carsten Maschmeyers Finanzdienstleister AWD gearbeitet. Viel geschmeidiger kann man sich in diesem Land zwischen Politik, Journalismus und lukrativen Beraterverträgen nicht bewegen.

Rührei mit Tomaten. Der Kommunikationsstratege rechnet natürlich mit bissigen, hinterhältigen Fragen – die kommen jetzt aber nicht. Welches Thema vernachlässigen die Parteien, so wenige Wochen vor der Bundestagswahl? Er sieht nicht, dass die Parteien ein Thema vernachlässigen. Viele Journalisten schätzten, vergleichbar mit der letzten Schröder-Wahl, die Situation falsch ein. Bei der SPD laufe eine ungeheure Mobilisierungswelle, fünfzig Prozent der Wähler seien zudem unentschieden. Wenn er wie neulich für die Bild-Zeitung zehn Gründe auflistet, warum Martin Schulz die Wahl noch gewinnen kann, steht er dann auf der Gehaltsliste der SPD oder des Springer-Konzerns? Er schüttelt langsam den Kopf. Und erzählt, anstatt eine Antwort zu geben, von schönen Anrufen des Bild-Chefs Julian Reichelt.

Das Ding des Frühstückers Béla Anda ist, dass er einen sehr intensiv anguckt, auch in Momenten, in denen es eigentlich nichts intensiv zu gucken gibt. Wir loben ihn noch einmal offensiv: Er hat die umstrittenste und folgenreichste Reform in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die Agenda 2010 kommunikativ begleitet, wie es so schön heißt, also an die Öffentlichkeit verkauft. Hätte er für diesen Höllenjob nicht das Bundesverdienstkreuz verdient? Na ja, er sei ja damals, im Jahr 2004, immerhin als Kommunikator des Jahres ausgezeichnet worden.

Hmm. Plötzlich hat der Fragensteller keine Frage mehr an diesen smarten Mann. Ob sich unter Béla Andas freundlichem Gesicht mehr als eine sanfte Amoral, eine Lust am Boulevard und ein eigentlich ganz sympathischer Achtziger-Jahre-Hedonismus verbirgt, das wird sich bei diesem Frühstück nicht beantworten lassen. Können wir eine mögliche Rückkehr Andas in die Politik verkünden? "Nein." Der Mann, der Gespräche in Geld und politischen Einfluss umsetzt, erzählt nun, wie er die Landesregierung Rheinland-Pfalz bei der Privatisierung des Flughafens Hahn beraten hat. Er gesteht – und das ist der erste nicht vollkommen kontrolliert wirkende Moment bei diesem Frühstück –, dass er sein Gegenüber, den Interviewer, schwer einschätzen könne, was das Gespräch für ihn nicht einfach gestalte. Kommunikation, so der Profikommunikator, lebe aber von Vertrauen.

Eine große blonde Frau (Andas Ehefrau, die Antenne-Bayern-Programmdirektorin Ina Tenz) und ein großer grauer Hund (der französischen Hunderasse Briard), wie ihn nur echte Das-Leben-genießen-Typen besitzen, kommen ihn im Samstagmorgen-Gedränge des Café Aroma abholen. Wir besprechen noch ein paar ganz egale Themen, die Frage zum Beispiel, ob die Münchner im Vergleich zur Berliner Lebensqualität wieder am Kommen ist.

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