Historisches soll entstehen in der HafenCity. Europas größte Firma für Gewerbe-Immobilien, Unibail-Rodamco aus Paris, will mit dem kostspieligsten Bauvorhaben seit der Elbphilharmonie das achtgrößte Einkaufszentrum Deutschlands erschaffen. Auf 260.000 Quadratmetern sind im südlichen Überseequartier geplant: Bürotürme, Wohnungen, ein Kreuzfahrtcenter, Hotels und zahlreiche Geschäfte über drei Geschosse mit einer Fläche von 80.000 Quadratmetern. Investitionssumme: knapp eine Milliarde Euro. Fertigstellung: 2021.

Bei der aufwendigen und ehrgeizigen Planung wurde allerdings eines zu wenig bedacht: Braucht Hamburg überhaupt ein Einkaufszentrum an diesem Ort? Man muss diese Frage jetzt stellen, da das Projekt noch nicht komplett durch ist. Eine Klage von Anwohnern steht der Realisierung im Weg, der Vorwurf: Das Quartier werde übermäßig belastet. Die Stadt sollte handeln und den Bau des Einkaufszentrums stoppen. Denn fünf gewichtige Gründe sprechen gegen die Pläne:

1. Die Stadt braucht kein weiteres großes Einkaufszentrum

Hamburg hat gute Erfahrungen mit geschlossenen Einkaufszentren gemacht: dem Alstertal-Einkaufszentrum in Poppenbüttel, dem Elbe-Einkaufszentrum in Osdorf, dem Quarree in Wandsbek oder dem Einkaufszentrum Hamburger Straße, das jetzt vornehm Shopping-Center Hamburger Meile heißt. Sie alle hatten eine strategisch wichtige Funktion: Sie sollten die Innenstadt entlasten, die Hamburger Käufer trotzdem an die Stadt binden und potenzielle Kunden aus dem Umland anlocken. Die meisten Zentren haben diese Funktion in den vergangenen Jahren erfüllt und erfüllen sie noch. Es gibt keinen dringenden Bedarf, der nicht abgedeckt wäre.

Im Gegenteil: Es gibt eher die Sorge, dass ein Überangebot entsteht, weil in Hamburg nicht allein in der HafenCity ein Einkaufszentrum gebaut werden soll. Auch in den Stadthöfen, am Alten Wall, am Großen Burstah und im Springer Quartier entstehen neue Shopping-Welten.

2. Einkaufszentren haben wenig Zukunft

Einkaufszentren sind ein Import aus Amerika, wo sie seit den fünfziger Jahren florierten. Der Erfolg setzte sich in Deutschland fort. Jetzt können wir wieder von den USA lernen. Dort könnten bis zu 50 Prozent der Shoppingmalls in den nächsten Jahren schließen, denn der Online-Handel verzeichnet als mächtiger Konkurrent seit zehn Jahren rasant steigende Umsätze. Warum der Hamburger Senat in dieser Situation ein Projekt in der HafenCity genehmigt, das die Einkaufsfläche der Innenstadt um ein Drittel vergrößert, ist unverständlich.

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Nun wollen die Investoren kein gewöhnliches Einkaufszentrum errichten. Sie beschwören einen "Digital Dream", bei dem "durch übergroße Indoor-Screens Besucher in eine künstliche Digital-Installation eintauchen". Sie preisen sogenannte Iconic Shopfronts aus neuartigen Fassadenelementen, mit denen Einzelhändler ihre Schaufenster individuell gestalten können. Das alles klingt toll, aber warum sollte man ausgerechnet an diesem Ort mit seinem herrlichen Blick auf den Hafen und die Elbe eine künstliche Erlebniswelt der Wirklichkeit vorziehen?

3. Das geplante Einkaufszentrum ist eine Zumutung für Anwohner und Umwelt

In der HafenCity werden mittelfristig 12.000 Bewohner leben. Für sie soll ein überdimensioniertes Einkaufszentrum auf 80.000 Quadratmetern gebaut werden? Der Investor weiß, dass das nicht schlüssig ist. Also setzt er auf Besucher aus dem Umland.