Gleich ist er da, in den Funkgeräten der Polizisten knistert es. "Noch vier Minuten ... Noch drei ..." Wiesmoor in Ostfriesland, Station zwei des Bundespräsidenten an einem Morgen Anfang Juni. Absperrgitter vor der Blumenhalle des Städtchens, dahinter Männer und Frauen, den Regenschirm in der einen, das Handy fotobereit in der anderen Hand. Drinnen in der Halle erklärt ein Mitarbeiter den Journalisten, wo der Bundespräsident gleich stehen und was er machen wird – hier wird er sich ins Goldene Buch eintragen! Dort wird er sein Statement vor den Kameras abgeben!

"Und die Frau Büdenbender?"

"Die Frau ... Also, die steht einfach rum."

Es gibt auch eine aktivere Variante. Bei einem anderen Termin heißt es: "Die läuft mit."

Elke Büdenbender läuft also mit, wenn Frank-Walter Steinmeier, seit einem halben Jahr Deutschlands zwölfter Bundespräsident, auf Antrittsreisen in der Republik unterwegs ist, wenn er von Staatskanzlei zu Behindertenwerkstatt und von Kita zu Bürgerempfang eilt. Sie steht rum, wenn er in deutschen Rathaussälen ans Mikrofon tritt. Sie hört zu, wie ihr Mann redet, und sie hört zu, wie andere Männer reden, Ministerpräsidenten in deutschen Schlössern und Staatspräsidenten in den Palästen der Welt. Sie schüttelt Hände, sehr viele Hände, und manchmal beugt sich ein Herr hinunter und deutet einen Handkuss an. Sie lächelt viel. Sie winkt viel. Sie sieht gut aus, darüber freuen sich die Fotografen.

Frank-Walter Steinmeiers Job als Staatsoberhaupt: Deutschland repräsentieren, nach innen und nach außen, so steht es in der Verfassung. Sein Dienstsitz: kein schnöder Bürokomplex, sondern das Schloss Bellevue in Berlin, früher Klassizismus, getrimmter Rasen. Ein Rest royaler Glanz, auch wenn das Deutsche Kaiserreich Geschichte ist.

22. März 2017. Im Schlosspark drängeln sich Journalisten hinter einem Absperrband. Vor ihnen ein langer roter Teppich, das Orchester der Bundeswehr steht bereit, um den neuen Bundespräsidenten mit militärischen Ehren zu begrüßen.

Steinmeier, frisch vereidigt, und Büdenbender treten gemeinsam aus dem Tor. Dann aber bleibt sie stehen, und er geht weiter, vor ihm der rote Teppich, den er abschreitet, ohne sie. Erst danach darf sie wieder neben ihn treten.

Wer mit dem Bundespräsidenten verheiratet ist, ist Deutschlands First Lady. Das klingt wichtig, aber ein offizielles Amt ist das nicht. In der Verfassung kommt die First Lady nicht vor, was sie tut, nennt man Funktion, Aufgabe, Rolle. Mit dem Amt, das Steinmeier übernommen hat, ist aus seiner Frau etwas geworden, das Frauen früher sehr oft waren, aber heute nicht mehr gerne sind: die Frau an seiner Seite.

Auf Terminen heißt es zur Sitzordnung kurz: "Da sitzen Bundespräsident und Frau." Hat er halt dabei, die Frau. Hatten ja bisher alle Bundespräsidenten eine dabei. Weshalb die Konstanzer Staatsrechtsprofessorin Sophie Schönberger die Aufgabe der First Lady als "Bundeshausfrau" beschreibt.

Es war Steinmeier selbst, der am Vorabend seiner Wahl das Dilemma der Rollenverteilung ansprach, die sein neues Amt mit sich bringt. Dieses sei "sehr traditionell angelegt", sagte Steinmeier auf einem Empfang. "Einer wird gewählt, und von dem anderen wird erwartet, dass er vieles aufgibt." Im Fall von Elke Büdenbender, 55 Jahre alt: ihren Job als Richterin.

Testlauf für ein Leben in der Öffentlichkeit

Selbst in der Spitzenpolitik, wo das traditionelle Geschlechtermodell lange Zeit sehr beliebt war – macht es die Dinge nicht einfacher, wenn sie ihm den Rücken frei hält? –, hat es an Fans verloren. Anke Gabriel, die Frau des Außenministers, ist Zahnärztin. Sie brauche ihre Praxis, wolle nicht vom Geld ihres Mannes abhängig sein, teilte sie in einem ihrer seltenen Interviews mit. Elisabeth Kauder, die Frau des CDU/CSU-Fraktionschefs Volker Kauder, ist Ärztin und Psychotherapeutin, ihren Jahresurlaub verbringt sie als Präsidentin der Hilfsorganisation "German Doctors" in den Slums von Kenia, Bangladesch und Indien. Inge Schulz, die Frau des SPD-Kanzlerkandidaten, ist Landschaftsarchitektin. Sie tritt nicht öffentlich auf. Auf die Frage, ob sie, sollte Martin Schulz die Wahl gewinnen, als Kanzlergattin in Erscheinung träte, erklärte der bei Maischberger, seine Frau würde sich eher wie Joachim Sauer verhalten.

Joachim Sauer ist das Synonym für: sein eigenes Leben fortführen. "Und Mann", das gibt es bisher nicht. Angela Merkels Mann, Quantenchemiker, arbeitete weiter als Professor, als seine Frau ins Kanzleramt einzog. Hin und wieder eine Kutschfahrt um Schloss Elmau oder eine Rundfahrt durch den Hamburger Hafen, wenn seine Frau ein Gipfeltreffen ausrichtet, einmal im Jahr Bayreuth: Ansonsten ist von dem Mann an Angela Merkels Seite nichts zu sehen.

Büdenbender stammt aus Salchendorf, einem kleinen Ort im Siegerland, ihr Vater war Tischler und Stahlbauschlosser, die Mutter Verkäuferin. Einfache Verhältnisse wird das in der Welt genannt, in der sie sich jetzt bewegt. Sie machte eine Ausbildung zur Industriekauffrau, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, dann begann sie zu studieren, als Erste in der Familie. Ihr Lebensweg steht dafür, was man sich selber erarbeiten kann.

An der Juristischen Fakultät der Universität Gießen lernte sie Steinmeier kennen, damals Doktorand. Ihr fiel auf, wie nett er war, wie zugewandt, und gut aussehen tat er schon auch, fand sie.

Nach dem Studium arbeitete Steinmeier in der Niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover als Referent für Medienrecht, vier Jahre später, 1995, heiratete Büdenbender dann schon einen Abteilungsleiter für "Richtlinien der Politik, Ressortkoordinierung und -planung", was eine rasche Karriere bedeutete, aber nicht so klang, als würden rote Teppiche in Steinmeiers Leben einmal eine Rolle spielen. Büdenbender selbst wurde in Hannover Richterin am Verwaltungsgericht.

Sie behielt bei der Hochzeit ihren eigenen Namen, und sie behielt ihren Job auch dann, als ihr Mann in Berlin erst Kanzleramtschef unter Gerhard Schröder, dann Außenminister, Vizekanzler und schließlich, 2008, Kanzlerkandidat der SPD wurde. Die Kandidatur war ihr Testlauf für ein Leben in der Öffentlichkeit, und sie schien sich eher zu fügen, als sich zu freuen über das, was sie nun gefragt wurde: "Wie richten Sie ein?" (Bunte), "Sie sehen fit aus, treiben Sie Sport?" (stern), "Krawatte, Anzug – wer bestimmt das Outfit?" (Bild). Fragen an Frauen, gestellt von Männern. Als hätte sie nichts anderes zu tun, als das Haus einzurichten, sich um ihre Figur zu kümmern und für ihren Frank Klamotten zu kaufen.

Um die Frau des Kandidaten besser kennenzulernen, hätte man sich auch nach ihrer Arbeit erkundigen können, immerhin entschied sie zum Beispiel über Asylanträge, aber die einzige Frage, die in Bezug auf Büdenbenders Job gestellt wurde, war, ob sie ihn behalten würde, sollte ihr Mann Kanzler werden. Ihre Antwort: "Natürlich."

Kurz: Elke Büdenbender fiel bisher auf als Frau, die sich Mühe gab, nicht nur die Frau von Frank-Walter Steinmeier zu sein. Und so waren die Erwartungen groß: Bekam Deutschland zwar wieder einen Mann als Bundespräsidenten, aber immerhin eine First Lady, die ihren Beruf behielt? Würde sie dem Modell "und Frau" eine Absage erteilen, zumindest in Teilzeit weiterarbeiten?

Nein. Sie ließ sich beurlauben, ist jetzt in Vollzeit First Lady an der Seite ihres Mannes, unbezahlt. Bundeshausfrau eben. Ist ihre Geschichte also die Geschichte einer gescheiterten Emanzipation?

Ein paar Stunden bevor Elke Büdenbender im Park von Schloss Bellevue zuschaut, wie das Bundeswehrorchester ihren Mann als neues Staatsoberhaupt begrüßt, sitzt sie mit ihm im Plenarsaal des Bundestages in der ersten Reihe, daneben Joachim Gauck und Daniela Schadt. Bevor Steinmeier vereidigt wird, hält sein Vorgänger Gauck seine Abschiedsrede, wie immer mit viel Pathos, es wird viel geklatscht. Besonders laut und besonders lange wird geklatscht, als er sich bei Daniela Schadt bedankt, "der Frau, die sich entschlossen hat, sich von ihrem Beruf zu verabschieden".

Nur: Was hat es eigentlich zu bedeuten, wenn Abgeordnete aller Parteien im Jahr 2017 beklatschen, dass eine Frau ihrem Mann und dessen Job zuliebe auf ihren eigenen Job verzichtet?

Deutschland hat eine Frauenquote für Aufsichtsräte eingeführt und diskutiert eine Frauenquote für Vorstände. Ein Gesetz für Lohngerechtigkeit zwingt große Unternehmen dazu, offenzulegen, was Frauen und was Männer verdienen, um die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern zu verringern. Das Land hat in den vergangenen Jahren Milliarden für Kitas und Krippen ausgegeben, damit Mütter nach der Geburt ihrer Kinder nicht zu lange aussetzen müssen. Es gibt zahllose Initiativen für mehr Frauen in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, in der Politik. Deutschland hat eine Kanzlerin, eine Verteidigungsministerin, und in der Theorie können Frauen heute alles werden, was sie wollen: Maschinenbauingenieurin, Chefredakteurin, Dax-Vorstand.

Wenn Deutschland so fortschrittlich ist: Wieso braucht es dann überhaupt eine Frau an der Seite des Bundespräsidenten? Ist die Gesellschaft nicht schon viel weiter? Oder sind die Deutschen in Wahrheit konservativer, als sie tun? Wünschen sie sich, wenn sie schon keinem König mit seiner Königin zujubeln können, an der Spitze des Staates wenigstens ein Bundespräsidenten-Paar, ein bisschen Glanz und Glamour?

Anfang April, im Regierungsflieger der Luftwaffe. Noch eine Stunde bis Athen, der Bundespräsident tritt, noch in Jeans, in den hinteren Teil der Maschine, lehnt hemdsärmelig zwischen den Sitzreihen der Journalisten, halb Staatsmann, halb alter Bekannter, bisschen plaudern mit dem Pressetross, alles Routine für Steinmeier, der als Außenminister oft in Griechenland war, alles nicht neu für ihn. Umso mehr für seine Frau. Es ist die erste Auslandsreise des Bundespräsidenten, auf der Elke Büdenbender ihren Mann begleitet. Die Kameras sind auch auf sie gerichtet. Das Amt der First Lady, das kein offizielles Amt ist: Es ist öffentlich.

Nach der Landung militärische Ehren vor dem Präsidentenpalast, Steinmeier verschwindet zum Gespräch mit seinem griechischen Kollegen, dessen Frau zeigt Elke Büdenbender die Agora, den antiken Versammlungsplatz. Es ist das sogenannte Damenprogramm, das mittlerweile offiziell Partnerprogramm heißt, was immerhin bedeutet, dass theoretisch auch ein Mann herumgeführt werden könnte. Nun aber gehen zwischen alten Steinen wieder zwei Frauen spazieren, im Schlepptau deutsche Fotografen. "Frau Büdenbender, einmal hier, hiiier bitte!", rufen sie.

Er für die Inhalte, sie für die Bilder.

Kleiderordnung für Frauen

Während niemand auf die Idee käme, den Schnitt des Anzugs von Steinmeier zu diskutieren, gibt es im Netz bereits Überschriften, die lauten: Im Style-Check: Elke Büdenbender.

Michelle Obama plauderte erst vor ein paar Wochen aus, dass ihr Mann während der acht Jahre seiner Präsidentschaft bei allen Staatsbanketten denselben Smoking trug. Es klang Neid durch bei Michelle Obama. Bei ihr sei bei jedem Termin von den Schuhen bis zur Halskette alles diskutiert worden. Die Frau als Kleiderstange: Alles, was eine First Lady trägt oder nicht trägt oder zum zweiten Mal trägt, taugt für eine Schlagzeile.

Abend in Athen. Fürs Staatsbankett lautet die Kleiderordnung für Frauen: "Kurzes Kleid".

Im Festsaal des Präsidentenpalastes hängen riesige Kronleuchter an der Decke, auf den Tischen stehen goldumrandete Teller, viele Gläser. Das Menü: Seezunge in Weißweinsoße, gefüllte Weinblätter, Lamm, Baiser an Beeren, der Kinderchor der Nationaloper wird singen. Kellner mit ernsten Gesichtern verteilen im schwarzen Frack kleine Brötchen, entzünden Kerzen, man könnte auch in einem höfischen Historienfilm sein, aber statt Sissi kommt jetzt Alexis Tsipras mit seiner Partnerin herein, drei Dutzend Fotografen knipsen los. Frank-Walter Steinmeier betritt den Saal an der Seite des griechischen Präsidenten, dahinter ihre Frauen im kurzen Kleid.

Am Kopfende weiß Elke Büdenbender nicht sofort, wo sie sitzen soll, diskret wird ihr der Weg gezeigt. Rechts neben ihr: der griechische Präsident, links: Alexis Tsipras’ Partnerin. Ihr schüttelt Elke Büdenbender erst mal ausgiebig die Hand. Es ist etwas, wofür man Büdenbender sofort sehr mag: Sie schüttelt Hände mit ordentlich Schwung. In dieser Umgebung könnte man auch sagen: wenig damenhaft. So, wie sie Hände schüttelt, winkt sie auch: mit Schmackes. Jetzt die Hymne, Einigkeit und Recht und Freiheit, und dann: Reden. Elke Büdenbender hört zu, wie der griechische Präsident redet, leider sehr lange, hört zu, wie ihr Mann redet, weniger lang, was alle erleichtert.

Am nächsten Tag: Eröffnung der documenta, wieder viele Reden, dann ins Akropolismuseum, antike Büsten, rotgesichtige deutsche Touristen, die gucken und staunen – "Das ist doch der ..." – und sich dann trauen: "Herr Steinmeier, wollte doch wenigstens mal die Hand schütteln!" Für Büdenbender interessiert sich niemand. Sie steht wieder rum.

Ist das nicht eine schrecklich undankbare Rolle?

Noch 1984, Marianne von Weizsäcker wurde gerade First Lady, stellte sich diese Frage überhaupt nicht. Damals beurteilten Journalisten – noch überwiegend Männer – es als "Glücksfall", dass sie sich "nicht einmischt, wohl aber mitmischt" (Bunte). Und als sie einmal ihren Mann hinausschickte, weil der ein Interview von ihr störte, schrieb ein Journalist: "Dafür hätte er ihr die Gelbe Karte zeigen können" (Quick). Zwar hatte es da schon die erste und bisher einzige First Lady gegeben, die ihren Job zumindest stundenweise weitermachte – die Ärztin Veronica Carstens behielt ihre Praxis mit dem Schwerpunkt Naturheilkunde –, aber auch sie betonte, ihr Mann stehe als Bundespräsident an erster Stelle, ihr Beruf müsse vereint werden "mit dem, was der Mann braucht".

Niemand wäre auf die Idee gekommen, zu hinterfragen, dass der Mann die Hauptrolle und die Frau die Nebenrolle spielt, weil das, nicht nur im Bundespräsidialamt, völlig normal war. Marianne von Weizsäckers Nachfolgerin Christiane Herzog schrieb Kochbücher und hatte eine Kochsendung im Fernsehen. Mehr Bundeshausfrau geht kaum.

Heute hingegen fragen Journalistinnen – es sind fast nur Frauen, die sich für die Rolle der First Lady interessieren – bei jedem Wechsel in Bellevue, was das denn bitte für ein veraltetes Rollenmodell sei. "Vollzeitaccessoires", schreibt die Süddeutsche Zeitung zur Funktion von Präsidentenfrauen. "Das Elend der deutschen First Lady", urteilt die Berliner Zeitung und kommentiert Elke Büdenbenders neue Aufgabe mit: "Für Charity ist sie zu schade."

Es ist ein bisschen so, wie wenn Frauen, die gerade noch Karriere gemacht haben, sich für die Mutterrolle entscheiden und andere Frauen das doof finden, im Sinne von: Und dafür hat sie nun also studiert, hat einen Doktortitel, hat Karriere gemacht. Ein Stück weit muss Elke Büdenbender auch die gesammelte "Gerade sie!"-Enttäuschung aushalten.

Wiesmoor, Ostfriesland. Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender sitzen mit Schülern zusammen, die an einem Planspiel zur Kommunalpolitik mit dem Titel "Pimp Your Town!" teilgenommen haben. Demokratie hat Steinmeier zum Thema seiner Präsidentschaft auserkoren.

"Habt ...", fängt Büdenbender eine Frage an.

"Hat ...", fängt Steinmeier gleichzeitig eine Frage an.

Sie hört auf zu reden, er spricht weiter.

Gießen, Hessen. Wieder eine Diskussionsrunde, dieses Mal mit Jura-Studenten. Büdenbender und Steinmeier haben beide hier, an dieser Fakultät, studiert. Die Studenten interessieren sich nur für ihn. Elke Büdenbender sitzt neben ihrem Mann, weit nach vorne gebeugt, sie schaut in die Runde, ihre Körperhaltung signalisiert: Ich bin voll da! Aber niemand fragt sie etwas. Der Bundespräsident ist eben er.

Schloss Bellevue. Zwei Monate sind seit der Vereidigung von Frank-Walter Steinmeier vergangen, zwei Monate sitzt Elke Büdenbender jetzt im ersten Stock im First-Lady-Büro. Ihr altes Büro, sagt sie, würde hier zweimal reinpassen, statt der Funktionsmöbel gibt es hier cremefarbene Eleganz und einen Blick in den Schlosspark.

Büdenbender sitzt auf dem Sofa, zappelt ein bisschen und lacht sehr viel, und weil es heute eben nicht mehr gut ankommt, wenn man bei Frauen nur über ihre Kleidung, ihre Figur und ihre Frisur schreibt – dunkelblaue Hose und weiße Seidenbluse, sehr schlank, kurzer Bob –, schreiben alle über Büdenbenders Lachen.

Es ist auch wirklich ein großartiges Lachen, je stärker, desto besser, am besten ist es, wenn sich Büdenbender über irgendwas kaputtlacht, Kopf in den Nacken, Augen zusammen, Mund auf. Sie lacht, wie sie Hände schüttelt und winkt: mit vollem Einsatz.

Sie redet auch so unverkrampft, wie es Politiker nicht mehr hinkriegen, wenn sie lange genug ein Amt innehatten. Stellt man ihrem Mann eine Frage, folgt oft eine kurze Pause und dann eine gemeißelte Antwort. Büdenbender redet sofort los, verliert manchmal den Faden, nimmt ein paar Umwege und kommt dann erst zu ihrer Antwort. Sie kann noch plappern. Sie redet wie ein normaler Mensch, weshalb es auffällt, wenn sie doch einmal geschliffen antwortet. Dann weiß man: Auf diese Frage war sie vorbereitet.

Zum Beispiel auf die Frage, wie schwer es ihr fiel, ihren Beruf aufzugeben.

"Ich bin wahnsinnig gerne Richterin", sagt Büdenbender. "Und ich bin es ja auch immer noch, ich bin derzeit lediglich beurlaubt. Aber ich habe auch gedacht: Das ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um noch einmal etwas Neues anzufangen. Wann hat man schon mal die Chance, so eine Arbeit machen zu dürfen? Ich empfinde das als großes Privileg."

"Und am Ende treffe ich immer meine Entscheidungen selbst"

Ja, sagt sie, wäre ihr Mann damals Bundeskanzler geworden, hätte sie wohl weitergearbeitet. Aber die Partnerin des Bundespräsidenten habe eine andere Rolle als die Partnerin des Kanzlers.

"Wir haben das für uns so entschieden", sagt Büdenbender. "Und am Ende treffe ich – immer – meine Entscheidungen selbst." Das "immer" betont sie. Der "und Frau"-Vorwurf wiegt schwer. Büdenbender ist ein Stück weit genervt davon, dass man ihr mit der neuen Rolle die Eigenständigkeit absprechen will.

Die beste Antwort gibt sie, als man zu spät merkt, dass man ihr gerade selbst eine Klischeefrage gestellt hat. Eine, die wohl kein Mann zu hören bekommt.

"Haben Sie Ihren Mann denn früher, als er noch Außenminister war, auch auf Reisen begleitet?"

Sehr selten, sagt Büdenbender. "Er hat mich ja auch nicht in meine Sitzungen am Gericht begleitet."

Es sind solche Momente, in denen man begreift, dass Büdenbender es nicht nötig hat, sich von ihrem Mann zu emanzipieren. Sondern dass man sich selbst von der falschen Wahrnehmung befreien muss, Büdenbender sei als First Lady nur das Frauchen, das neben ihrem Mann herlächelt.

In Gießen, wo die Jura-Studenten nur Augen und Ohren für den Bundespräsidenten haben und sie, die Richterin, nichts gefragt wird, mischt sie sich irgendwann selbst ins Gespräch ein. In Wiesmoor bei den Schülern, als Büdenbender mitten im Satz innehält und ihrem Mann den Vortritt lässt, fragt sie, verteilt auf die ganze Diskussion, viel mehr als er.

Man sollte die Frage also neu formulieren. Nicht: Warum nimmt eine Frau wie Elke Büdenbender diese Nebenrolle an? Sondern: Wie füllt eine Frau wie Elke Büdenbender diese Rolle aus, die womöglich viel mehr ist als eine Nebenrolle? Dann klärt sich der Blick.

Was also macht eine First Lady den ganzen Tag, wenn sie nicht gerade ihren Mann begleitet? Was bedeutet das, wofür Elke Büdenbender angeblich zu schade ist: Charity? Wohltätig sein? Nur noch ehrenamtlich arbeiten?

"Was heißt hier 'nur'?", fragt Marianne von Weizsäcker, heute 85 und jene First Lady, von der damals ein Journalist glaubte, dass ihr Mann ihr die Gelbe Karte hätte zeigen können, weil sie ihn rausschickte. Marianne von Weizsäcker verteilt lieber selber welche. "'Nur ehrenamtlich'– das klingt abwertend", sagt sie, "und das finde ich ziemlich unerhört." Von Weizsäcker hat in ihr Haus in Berlin-Dahlem eingeladen, um über die Arbeit einer First Lady zu reden, die sie einmal "Hochleistungssport" nannte. "Wenn man die Rolle so versteht, wie ich sie verstand und wie mein Mann sie in Bezug auf mich verstand, ist es eine vollkommen eigenständige Rolle, mit eigenen Themen. Ich war als Ehefrau kein Anhängsel." Sie deutet auf Papiere auf dem Wohnzimmertisch: eine aktuelle Pressemitteilung ihrer Stiftung. Von Weizsäcker kümmert sich seit ihrer Zeit als First Lady um die Integrationshilfe für ehemals Suchtkranke.

Traditionell übernimmt jede First Lady die Schirmherrschaft des Müttergenesungswerks und die von Unicef, inzwischen außerdem die der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Fast jede First Lady bearbeitet außerdem ein eigenes Schwerpunktthema, das sie sich selber aussucht. Mildred Scheel gründete die Deutsche Krebshilfe, Wilhelmine Lübke half bei der Gründung von "Essen auf Rädern".

Fünf von elf ehemaligen First Ladies leben noch: Marianne von Weizsäcker, Christina Rau, Eva Luise Köhler, Bettina Wulff und Daniela Schadt. Sie zu treffen ist nicht einfach. Man schreibt Briefe und E-Mails, die das Bundespräsidialamt weiterleitet, ruft in Büros von Altbundespräsidenten an, bekommt besorgte Nachfragen: "Wollen Sie fragen, ob die First Lady bezahlt werden sollte?" Christina Rau findet, es sei doch schon alles gesagt über diese Rolle, Daniela Schadt hat einen sehr vollen Terminkalender, Eva Luise Köhler steht kurz vor ihrer Abreise in den Urlaub. Aber keine der Damen sagt einfach Nein, anscheinend gehört sich das nicht für eine First Lady a. D.

Unkompliziert reagiert neben Marianne von Weizsäcker auch Bettina Wulff, die selbst zurückruft, sich kurz bespricht, dann sagt: Okay. Sie lädt ein nach Großburgwedel, gerne montags oder donnerstags, wegen der Kinder, ansonsten, sie lacht, lebe sie jetzt ja wieder sehr selbstbestimmt. Ein kleiner Seitenhieb aufs strenge Protokoll des Bundespräsidialamtes.

Ein paar Wochen später sitzt Bettina Wulff, heute 43, im Restaurant des Hotels Kokenhof, sie sieht so aus, wie man sie von unzähligen Fotos kennt: groß, blond und schön. Amerika hatte Michelle Obama, Frankreich Carla Bruni. Als Bettina Wulff 2010 First Lady wurde, rasteten die Zeitungen förmlich aus über "die coolste First Lady" (stern), "die schöne Deutsche" (Bunte), "Lady lässig am Laufsteg der Macht" (Bild am Sonntag).

Wenn es in Deutschland schon keine Monarchie gibt, mit Kronprinzessinnen wie in Schweden und Dänemark, oder eine bevorstehende Adelshochzeit wie in Großbritannien, dann doch bitte wenigstens eine "First Lady, die Star-Appeal besitzt und Sex-Appeal versprüht" (Focus).

Wulff hat ein Buch geschrieben über ihre Zeit als First Lady, es heißt Jenseits des Protokolls. Es wurde ihr als Nachtreten übel genommen, sie selbst spricht heute von einem großen Fehler. Was das Buch auszeichnet, ist seine Ehrlichkeit. Während Michelle Obama das Weiße Haus mal mit einem Gefängnis verglich, äußerten deutsche First Ladies bisher keinerlei Kritik, weder am strengen Protokoll noch an der Dauerbeobachtung durch die Medien oder daran, dass sie auf ihr Aussehen reduziert wurden. In Wulffs Buch kann man lesen, dass ihr all das manchmal Qualen bereitete.

Sosehr die Erinnerung an Bettina Wulff als First Lady heute überlagert wird vom plötzlichen Ende der Präsidentschaft ihres Mannes: Es war Bettina Wulff, mit der sich die Rolle der Präsidentengattin veränderte. Mit nur 36 Jahren war sie die jüngste First Lady, die Deutschland je hatte, die offizielle Anrede "sehr verehrte gnädige Frau" war ihr schlicht unangenehm. Bettina Wulff hatte zwei kleine Kinder, nur eins davon war von Christian Wulff. Sie führte in Bellevue also etwas ein, das es dort noch nicht gegeben hatte: die Patchworkfamilie. "Es waren sicherlich nicht alle begeistert, als Angela Merkel meinen Mann als Bundespräsidenten vorschlug", sagt Wulff heute. In konservativen Kreisen reicht schon ein geschiedener Katholik, der mit einer jüngeren Frau noch mal ein Kind kriegt, um für ordentlich Gerede zu sorgen.

Auf Bettina Wulff folgte Daniela Schadt, die erste First Lady, die nicht mit dem Bundespräsidenten verheiratet war. Noch schlimmer: Von seiner Frau hatte sich Gauck nie scheiden lassen. Er, der Pastor. Der Bundespräsident möge doch bitte seine Verhältnisse ordnen, hieß es damals aus der CSU. Im Präsidialamt gingen stapelweise wütende Bürgerbriefe ein.

Bevor Elke Büdenbender ihr Büro in Bellevue bezog, hat sie sich mit ihrer Vorgängerin Daniela Schadt getroffen, Tradition unter First Ladies: Wen sonst soll man auch um Rat fragen, wer sonst weiß wirklich, welche Arbeit auf einen zukommt?

"Ich hab da noch einmal eine Frage"

Anfang Juli sieht der Terminkalender von Elke Büdenbender so aus:

1. Juli: Staatsakt für Helmut Kohl in Straßburg und Speyer. 2. Juli: Besuch beim Integrationsprogramm "Willkommen im Fußball" als DKJS-Schirmherrin in Berlin. 3. und 4. Juli: Antrittsreise nach Baden-Württemberg, Termine zwischen Landtag und Literaturarchiv, Daimler-Werk und Schloss. 5. Juli: Besuch aus China, Gespräch mit der Frau des chinesischen Präsidenten, dann ein Gespräch mit der Frau des südkoreanischen Präsidenten, der auch gerade da ist, abends Staatsbankett, das heißt: spezielle Kleiderordnung und Defilee im Salon Luise in Bellevue. 6. Juli: Gespräche mit der Frau des vietnamesischen Premierministers. Und zwischen den Terminen immer: am Schreibtisch sitzen, Vorbereitungsakten lesen, neue Termine planen.

Kühlungsborn, Mecklenburg-Vorpommern. Wenn der Bundespräsident kommt, fassen sich die Polizisten am Zielort an ihre Stecker im Ohr und sprechen in Funkgeräte, brausen Uniformierte auf Motorrädern mit Blaulicht heran. Elke Büdenbender steht einfach im Foyer der Stella-Maris-Klinik und sagt: "Hallo! Hi!" Sie ist fünf Minuten zu früh, was alle durcheinanderbringt. Die einen eilen umher, um jemanden zu suchen, der noch nicht da ist, die anderen stehen im Kreis und wissen nicht so recht, wie weiter. Büdenbender wartet. Hinter ihr, auf einer extra aufgestellten Plakatwand, lächelt überlebensgroß eine blonde Frau mit einem Baby auf dem Arm. "Wir machen Mütter stark", steht daneben. Der Bundespräsident fliegt zum Antrittsbesuch nach Paris, Elke Büdenbender fährt an die Ostsee, Kurklinik des Müttergenesungswerks statt Élysée-Palast.

Müttergenesungswerk, ein Name, der heute so altbacken anmutet wie das Jahr, aus dem er stammt: 1950 wurde es von Elly Heuss-Knapp, Deutschlands erster First Lady, gegründet, mitten im Frau-an-seiner-Seite-Zeitalter.

Ein Stuhlkreis im leer geräumten Speisesaal der Klinik, blassgelbe Wände, beiges Linoleum. Kein Glamour, nirgends. Stattdessen: Frauen auf sogenannter Mutter-Kind-Kur, drei Wochen. Etwas befangen sitzen die Patientinnen da, die Klinikleiterin redet, ein Arzt redet, Büdenbender, selbst Mutter einer erwachsenen Tochter, rutscht auf ihrem Stuhl herum. Dann endlich kann sie losfragen: "Wie lange haben Sie denn auf einen Platz warten müssen?" – "Welche Therapieangebote nutzen Sie?" – "Wenn Sie mit Kindern hier sind, haben Sie da denn überhaupt genug Zeit für sich?"

Wenn Elke Büdenbender etwas mühelos kann, dann ist es, mit Menschen zu reden. Sie sitzt auf ihrem Stuhl inzwischen so weit vorne, dass sie fast runterfällt, den Blick immer auf die Frau gerichtet, mit der sie sich gerade unterhält. Zwiegespräch in einem Raum mit 40 Menschen, davon ein Dutzend Journalisten. Frauen, die gerade noch befangen waren, erzählen offen davon, wie sie nicht mehr konnten, Burn-out. Büdenbender nickt und will alles ganz genau wissen, überall.

Ihr häufigster Satz ist: "Ich hab da noch einmal eine Frage."

"Gibt es hier auch Vater-Kind-Kuren?", fragt sie in der Mütter-Runde in Kühlungsborn.

"Habt ihr denn auch Mädchen?", fragt sie Fußballer des Mainzer Vereins FC Ente Bagdad, der bei jungen Flüchtlingen auf Integration durch Sport setzt.

"Und die Ehemänner, wie reagieren die, wenn die Frauen hierherkommen?", fragt sie in Brüssel-Molenbeek, als sie ein Integrationszentrum für Frauen besucht.

"Wie viele Frauen sind denn berufstätig?", fragt sie in der kasachischen Hauptstadt Astana, als sie mit Unicef-Vertretern zu Mittag isst.

Wer denkt, die First Lady habe eine 40-Stunden-Woche, irrt. Auf Reisen sind Tage mit zwölf Stunden Termin-Stakkato völlig normal, Jetlag hin oder her. Man kann es auch so sehen: Büdenbender hätte es bequemer, würde sie weiter im Verwaltungsgericht Akten lesen, also das tun, was sie gelernt hat. Dass sie mit 55 Jahren etwas Neues wagt, ist das nicht auch sehr mutig?

Wenn an einem heißen Sommertag der Fahrer die blickdichten Fenster der Bundespräsidentenlimousine einen Spalt herunterlässt und man guckt rein, sieht man auf der Rückbank: Papierstapel. Auf seiner Seite. Und auf ihrer auch. Wenn der Regierungsflieger kurz vor Mitternacht landet und Mitarbeiter und Journalisten schon weggedöst waren und, leicht lädiert vom Rotwein zum Abendessen, die hintere Flugzeugtreppe hinuntersteigen, huscht Büdenbender vorne in Jeans und mit Papieren in der Hand raus. Ihre Terminvorbereitungsakten scheint sie genauso sorgfältig zu lesen wie früher ihre Akten am Gericht. Ihr Schwerpunktthema als First Lady hat sie gefunden, es wird Berufliche Bildung sein – Zugang zu Bildung, berufliche Aus- und Weiterbildung.

Er für die Inhalte, sie für die Bilder? So läuft das nicht bei Elke Büdenbender.

Bei ihrem Besuch an der Uni in Gießen gehen Steinmeier und Büdenbender zum Mittagessen in die Mensa, die kalkulierte Aussage der Bilder: Alles wie früher. Es gibt Tafelspitz und Kartoffeln und Grüne Soße, man ist ja in Hessen. Die beiden gehen durch ein Spalier von Fotografen. "Jetzt habt ihr drauf, dass ich mehr draufhab", sagt Steinmeier mit Blick auf sein Tablett, hahaha. Steinmeier weiß, er muss mitmachen. Büdenbender hadert noch damit.

Das "Einmal hier bitte"-Lächeln für die Kameras ist das einzige Büdenbender-Lachen, das manchmal schief gerät.

Mitte Juli, Afghanistan, Landeanflug auf Masar-i-Scharif. Frank-Walter Steinmeier fliegt weiter nach Kabul, um den Präsidenten zu treffen, Elke Büdenbender bleibt hier, im Feldlager der Bundeswehr. Damenprogramm im Staub von Camp Marmal.

Wenn Partnerprogramm hieße, dass sich Büdenbender nur Altstädte anschaut: Dafür wäre sie wirklich zu schade. Aber noch am Tag zuvor hat sie in der kasachischen Hauptstadt Astana mit Juristen zusammengesessen und die Verfassungsreform des Landes durchgesprochen. Jetzt sitzt sie in einem Zelt in Afghanistan, schummriges Licht, stickige Hitze, und hört sich an, was drei Männer und zwei Frauen über ihr Land berichten – was ihnen Angst macht, was sie ärgert, wie sie die Zukunft sehen, einer der Männer nennt das "the real picture of Afghanistan". Niemand, der Elke Büdenbender in diesem Zelt in Masar-i-Scharif diskutieren hört, käme auf die Idee, sie Bundeshausfrau zu nennen.

In Zeitungen und Fernsehnachrichten aber taucht Büdenbender meist nur bei gemeinsamen Terminen des Präsidentenpaares auf. Die Bürger sehen, wie sie lächelt, wie sie winkt. So entsteht ein Bild von ihr, das Deutschland sich womöglich insgeheim wünscht.

Geschenke, die Frank-Walter Steinmeier auf seinen Reisen durch die Republik bekommt, feierlich überreicht von Bürgermeistern, Ministerpräsidenten, Ehrenamtlichen: Bücher. Ein Fußballtrikot. Gerne auch Alkohol: ein Fass Bier, eine Flasche Gin.

Elke Büdenbender bekommt: eine Porzellanvase. Ein Teeservice. Viele Blumensträuße.

Frank-Walter Steinmeier war als Außenminister mit der Euro-Rettung und der Flüchtlingskrise befasst, auch heute fällt er manchmal noch in seine alte Rolle zurück, redet auf einmal über den Brexit oder den Friedensprozess in Kolumbien. Aber er muss jetzt auch Kindergärten, Entbindungsstationen und Kommunalverbände besuchen, muss über die Ausbildung von Erzieherinnen, die Problematik von zu wenig Ärzten auf dem Land und die Rettung der örtlichen Schwimmhalle reden, über Bildung, Soziales und Lokales also, Themen, die nah am Menschen sind – und oft als "Frauenthemen" belächelt werden. Dabei fällt auf: Bei solchen Terminen stehen die Bürger ein wenig respektstarr vor dem Staatsoberhaupt, obwohl sich Steinmeier alle Mühe gibt. Mit Elke Büdenbender reden sie einfach.

"Mensch, ist die sympathisch", sagen mitreisende Journalisten.

Es gibt Nebenrollen, die fangen irgendwann an, die Hauptrolle zu überstrahlen.

Geht es um die Gleichberechtigung einer Frau, darf man eine Person nicht unbeachtet lassen: den Mann an ihrer Seite. Hält er es aus, wenn sie glänzt? Das fängt schon an bei der Frage, ob der Bundespräsident einem Interview zustimmen wird, in dem es nicht um ihn, sondern um sie geht.

Am Tag seiner Wahl hat Frank-Walter Steinmeier auf Facebook gepostet: "Liebe Elke, ich will mich ganz herzlich bedanken, dass Du das mitmachst. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ich könnte es ohne Dich nicht machen und ich hätte es ohne Dich nicht gemacht."

Damit alle sie hören können

Schloss Bellevue, im Arbeitszimmer des Bundespräsidenten gibt es weniger cremefarbene Eleganz als im Zimmer seiner Frau, dunkles Leder in der Sitzecke und die Standarte neben dem Schreibtisch.

"Stimmt das wirklich, dass Sie es nicht gemacht hätten, wenn sie es nicht gewollt hätte?"

"Wenn sie gesagt hätte: 'Mit mir nicht!', dann hätte ich mich auch nicht beworben für das Amt. Das ist so, klar!"

Es sei heute ein anderer Schritt für Frauen, wenn sie aus dem Beruf kämen, sagt Steinmeier. "Dass eine Frau sagt: 'Egal, was mein Mann macht: Ich mache mit', das gibt es heute nicht mehr oft, das hat sich verändert."

Auf Terminen sagt Steinmeier oft: "meine Frau und ich", "auch im Namen meiner Frau". Oder er dreht sich zu ihr und sagt: "Das wirst du jetzt besser wissen als ich."

Steinmeier spendete seiner damals schwer kranken Frau 2010 eine Niere. Und er tat 2012 etwas, was nicht für jeden Spitzenpolitiker normal wäre. Er verzichtete auf eine zweite Kanzlerkandidatur – ihr zuliebe. Er fühlte sich zu Hause mehr gebraucht als im Wahlkampf.

Zu seiner Frau als First Lady sagt er: "Ich finde, sie macht das großartig." Für einen wie Steinmeier ist das ein Gefühlsausbruch.

Was er nicht sagt, ist: Sie sollte Geld bekommen. Seine Antwort zu diesem Thema ist eine von nur zwei Antworten aus dem Interview, die von der Pressestelle im Nachhinein noch einmal bearbeitet werden. Kein Thema ist anscheinend so heikel wie die Frage, ob eine Frau, wenn sie arbeitet, bezahlt werden sollte. Steinmeier sagt dazu: "Wir kannten die Bedingungen, als ich die Aufgabe übernommen habe, und wir kommen gut klar damit."

Was soll er auch sonst sagen. Natürlich können weder er noch seine Frau selbst Geld für ihren Job verlangen. Es würde gierig wirken. Ein Bundespräsident verdient im Monat knapp 19.000 Euro brutto, das ist sehr viel Geld, auch für zwei Personen. Nur: Darum geht es nicht. Es geht darum, dass sie kein Geld bekommt, obwohl sie Vollzeit arbeitet.

Die unbezahlte Arbeit übernehmen in Deutschland noch immer überwiegend Frauen. Es sind Frauen, die sich um die Kinder kümmern – unbezahlt. Es sind Frauen, die sich um Pflegefälle in der Familie kümmern – unbezahlt. Und es sind anscheinend auch Frauen, die sich um ihr Land kümmern – unbezahlt. Ein bundespräsidialer Gender-Pay-Gap, der einfach hingenommen wird.

Auch die ehemaligen First Ladies werden sehr schweigsam beim Thema Gehalt, außer Marianne von Weizsäcker, die gegen eine Bezahlung ist, weil die First Lady mit ihr jene Freiheit verlöre, die diese Rolle ausmache. Eine der anderen sagt, dass es in Deutschland einen Aufschrei gäbe, sollte eine von ihnen sich dafür aussprechen. Selbst diese Aussage wird vor der Veröffentlichung zurückgezogen. So groß ist die Sorge.

Ein Blick nach Frankreich genügt, um zu beweisen, wie wahrscheinlich ein Aufschrei wäre. Der französische Präsident Emmanuel Macron verkündete Ende Juli, dass seine Frau einen offiziellen Status mit festgelegten Aufgaben und ein eigenes Budget für ihre Arbeit bekommen solle. Sofort starteten die Franzosen eine Petition dagegen, Hunderttausende unterschrieben. Ergebnis: Macron ruderte zurück, seine Frau bekommt keinen offiziellen Status und kein Budget, einzig ihre Aufgaben werden jetzt in einer sogenannten Transparenz-Charta beschrieben.

In den deutschen Medien würde eine First Lady gefeiert, die ihren Job behielte. In der Bevölkerung, auch das ist klar, wenn man Elke Büdenbender eine Weile begleitet, nicht unbedingt. Dort wundert man sich in mancher Runde sehr darüber, dass sie Büdenbender heißt, wo sie doch "die Frau vom Steinmeier" ist.

Warnemünde, Mecklenburg-Vorpommern, das sechste Bundesland, das Büdenbender und Steinmeier gemeinsam besuchen, das erste mit einer Ministerpräsidentin: Manuela Schwesig. Auf der Zwei-Tages-Tour gibt es eine Runde zum Thema "Frauen in Führungspositionen". Frank-Walter Steinmeier sitzt auf dem Podium, neben ihm eine Unternehmerin, eine Journalistin, eine Wissenschaftlerin, die Ministerpräsidentin und seine Frau, die Richterin.

Die Frauen erzählen, wie sie irgendwo saßen, um sie herum nur Männer. Steinmeier erzählt, wie er an seinem ersten Tag im Bundespräsidialamt saß, um ihn herum nur Frauen. "Da, finde ich, hat sich in den letzten Jahren einiges getan", sagt er. "Natürlich gibt es, wenn man genau hinschaut, noch keine gerechte Chancenverteilung, gerade in der Politik und gerade wenn es nach oben geht."

Elke Büdenbender wird gleich das Wort ergreifen. Sie wird von ihrer Laufbahn als Richterin erzählen, sie wird wieder einmal alle für sich gewinnen mit ihrer Ehrlichkeit – "Immer wenn ich was Neues gemacht habe, dachte ich erst: Oh Gott, schaffe ich das denn überhaupt?" Sie wird sich für die Quote in der Wirtschaft aussprechen – "weil ich finde, da muss man die Männer wirklich zwingen, die Frauen zu suchen, die diese Jobs machen können" – und von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie reden.

Nach der Veranstaltung wird sie dann mit ihrem Mann, dem Bundespräsidenten, an der Strandpromenade entlanglaufen, sie wird lächeln und winken und Hände schütteln. Sie wird für diesen Spaziergang die Frau an seiner Seite sein. Na und?

Wichtiger ist der Moment, als sie auf dem Podium das erste Mal anfängt zu sprechen, und zwar ein bisschen zu leise für den Saal.

Frank-Walter Steinmeier reicht ihr sein Mikrofon. Damit alle sie hören können.