In der Welt der Wissenschaft hat das Böse einen Namen: Elsevier. Der niederländische Verlag für Fachzeitschriften und Bücher gilt vielen Forschern als eine Art Lord Voldemort: gierig, rücksichtslos, allmächtig. Viele wichtige Journale erscheinen bei Elsevier – oft zu Abopreisen, mit denen sich auch ein Kleinwagen kaufen lässt. Deutsche Universitätsbibliotheken wenden heute rund 80 Prozent ihres Budgets für Zeitschriftenabonnements auf. Der größte Batzen geht an drei Fachverlage, allen voran Elsevier.

Über Jahre duldeten die Universitäten zähneknirschend diese Praxis. Was sollte eine einzelne Hochschule gegen die Giganten auch ausrichten? Doch vor einem Jahr wich ihre Duldungsstarre. Sie schlossen sich zusammen und forderten von den Fachverlagen einen neuen DEAL – so heißt ihre Initiative. Statt einzeln Abos zu kaufen, wollen sie nur für deutsche Forschungsbeiträge in den Zeitschriften zahlen und einen gemeinsamen Zugang zu allen Publikationen haben.

Die beiden anderen Großen der Branche, Wiley und Springer Nature (aus der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, der auch der Zeitverlag anteilig gehört), scheinen auf den Deal einzugehen. Elsevier nicht. Um dort Druck auszuüben, haben nun Dutzende Universitäten ihre Abos gekündigt. Vergangene Woche schlossen sich die Großforschungsinstitute der Helmholtz-Gemeinschaft dem Boykott an.

In anderen Ländern hat die Wissenschaft im Konflikt mit den Verlagen oft klein beigegeben. Umso gespannter schaut das Ausland jetzt nach Deutschland – gelingt es hier, die Macht der Verlage zu stutzen? In Amsterdam reagiert man inzwischen nervös. Wir sind gar nicht so böse, heißt es von Elsevier, es kostet nun einmal viel Geld, hochspezialisierte Zeitschriften herauszugeben.

Manche Vorbehalte gegenüber Elsevier und Co. sind tatsächlich überzogen. Deren Fachredakteure machen wesentlich mehr, als fertige Manuskripte zur Druckerei zu bringen oder ins Internet zu stellen und die eine oder andere schiefe englische Formulierung zu korrigieren. Jährliche Profitmargen von über 30 Prozent lassen sich dennoch nicht rechtfertigen. Zumal die Fachverlage eine Ware an die Wissenschaft verkaufen, die ihr im Grunde schon gehört: Forschungsergebnisse. Sogar die wichtige Qualitätskontrolle der Journalbeiträge, die sogenannte Peer-Review, betreiben die Wissenschaftler selbst und in der Regel unentgeltlich.

Früher konnten die Verlage sich über solche Einwände hinwegsetzen. Die Forscher waren auf die Aboexemplare in der Universitätsbibliothek angewiesen. Heute jedoch gibt es dank des Internets andere Wege, sich einen Beitrag zu besorgen. So kann man bei den Autoren direkt nachfragen und hat das Paper oft wenige Minuten später mit kollegialem Gruß im E-Mail-Postfach. Oder man ignoriert das Urheberrecht und lädt sich den Artikel über eine Internetplattform illegal herunter. Solche Umwege sind eines Wissenschaftlers unwürdig. Sie helfen den Unis aber, den Konflikt mit dem Verlagsriesen durchzustehen.