Priester sind auch nur Männer. Deshalb haben Irlands katholische Bischöfe nun Richtlinien für eigentlich unmögliche Fälle erlassen – für Pfarrer, die Kinder gezeugt haben. Dabei geloben Priester seit fast 900 Jahren bei ihrer Weihe eigentlich die "vollkommene und immerwährende Enthaltsamkeit". Der Zölibat sollte vor allem den Reichtum der Kirche schützen: ohne Kinder keine Unterhaltszahlungen und keine Erben.

In der Praxis funktioniert das nicht immer. Niemand weiß genau, wie viele Menschen einen Priester als Vater haben, aber der englische Guardian hat einmal geschätzt, dass es allein in Großbritannien und Irland rund tausend sein könnten. Dabei dürfte die Dunkelziffer recht hoch sein, weil viele Kinder vermutlich zur Adoption gegeben wurden.

Den Kindern von Priestern soll nun Gerechtigkeit widerfahren. Die irischen Richtlinien dafür haben den etwas sperrigen Titel "Prinzipien der Verantwortlichkeit von Priestern, die Kinder im Amt gezeugt haben". Die Bedürfnisse des Kindes seien vorrangig, heißt es in dem Dokument. Der Priester müsse – wie jeder Vater – zu seiner Verantwortung stehen, und zwar rechtlich, moralisch und finanziell.

Die Bischöfe fordern von den Priestern einen Dialog mit den Kirchenoberen und der Mutter. Sie müsse als erste Bezugsperson in alle Entscheidungen einbezogen werden, heißt es. Zu beachten sei dabei sowohl das Zivilrecht, was zum Beispiel Sorgerecht und Unterhaltszahlungen betrifft, als auch das Kirchenrecht, zum Beispiel die Laisierung des Priesters. Ein Priester mit Kind muss aber nicht zwangsläufig seinen Hut nehmen. Wenn er bereut und die Beziehung beendet, kann er unter Umständen im Amt bleiben. Anders sieht es aus, wenn er die Beziehung aufrechterhält.

Die Vaterschaft von Priestern war bisher ein Tabuthema. Die Kinder mussten das Geheimnis wahren, viele schämten sich oder fühlten sich schuldig, manche zerbrachen daran und griffen zu Alkohol oder Drogen. Vor zwei Jahren hat die Kirche eingewilligt, in diesen Fällen wenigstens die Therapiekosten zu übernehmen.

Oftmals kam zum Stigma der Kinder die finanzielle Not hinzu, weil der Pfarrer sein Kind verleugnete und die Mutter sich nicht traute, den Unterhalt einzuklagen. Zahlte die Kirche freiwillig, musste die Mutter meistens eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Nur in den seltensten Fällen gab es moralische Unterstützung für Mutter und Kind. Die Kirche betrachtete die Kinder von Pfarrern als Krisenherde.

Das soll nun anders werden. Die neuen Richtlinien sind allerdings erst auf Druck des UN-Ausschuss für die Rechte von Kindern zustande gekommen. Die Vereinten Nationen hatten vom Vatikan verlangt, die "Zahl der von katholischen Pfarrern gezeugten Kinder festzustellen, ihre Namen herauszufinden und die notwendigen Schritte einzuleiten, um die Rechte dieser Kinder auf Information und Unterhalt zu wahren".

Die Bischöfe hatten die Richtlinien bereits im vergangenen Mai verabschiedet, aber sie sind bisher weder von der Bischofskonferenz noch auf den Internetseiten irischer Diözesen veröffentlicht worden. Ein Sprecher für die Bischöfe sagte, man habe das Vincent Doyle überlassen wollen.

Doyle, ein Psychotherapeut, dessen Vater Priester war, hat eine Selbsthilfeorganisation für Kinder von Pfarrern gegründet. An der Formulierung der Richtlinien hatte er maßgeblichen Anteil. Seine Eltern hatten sich in den frühen Achtzigerjahren bei einer Hochzeitsfeier in Irland kennengelernt. John Doyle war damals 44 Jahre alt, er war Pfarrer in New Jersey in den USA. Die Mutter war verheiratet und hatte bereits drei Kinder. Der Priester ließ sich nach Irland in die Nähe seiner Geliebten versetzen. Er starb 1995, Vincent war zwölf. Doch erst mit 28 erfuhr er, dass der vermeintliche Patenonkel in Wirklichkeit sein Vater war. Fast wäre Vincent Doyle ebenfalls Priester geworden, er hatte Theologie sowie Philosophie studiert und ein Jahr in einem Priesterseminar in Spanien verbracht. Er sagt, er sei immer noch gläubiger Katholik und wolle der Kirche nicht schaden.

Schließlich sei es ja keineswegs nur ein irisches Problem, so Doyle. In Mexiko musste der Führer des einflussreichen Ordens der Legionäre Christi, Marcial Maciel Degollado, zurücktreten, weil er zwei Kinder gezeugt hatte; in Paraguay gab der damalige Präsident Fernando Lugo zu, dass er, als er Bischof war, eine Affäre mit einer 16-Jährigen hatte, aus der ein Sohn hervorgegangen war; in Los Angeles trat der beliebte Bischof Gabino Zavala still und leise wegen seiner beiden Kinder zurück; und in Malawi sollen katholische Priester 29 Nonnen geschwängert haben. Das sind nur die prominentesten Beispiele.