Er hat ein Prinzip, und sobald es zur Sprache kommt, ist es um Martin Ho geschehen. "Egal was du machst: Bring deine Leistung", fegt er unversehens drauflos, der Gedanke peitscht ihn aus der Lümmelhaltung im Designersessel hoch. "Du musst die Menschen mit deinem bedingungslosen Willen überzeugen, dich zu beweisen." Seine Hände hacken im Takt der Silben durch die Luft, in weitem Bogen fliegt das Feuerzeug aus den Fingern, mit dem er sich zuvor einen Zigarillo, Marke Cohiba, angezündet hat.

Martin Ho, geboren in Vietnam, aufgewachsen in Wien, ist gerade erst 31 Jahre alt geworden. An seiner eigenen Leistung lässt der Gastro- und Lifestyle-Unternehmer aber keinen Zweifel: Allein in den letzten drei Jahren habe er fast drei Millionen Euro investiert und weit über hundert Arbeitsplätze geschaffen, sagt er und lehnt sich, nunmehr wieder ganz ruhig und zufrieden, zurück. Mit 19 Jahren, fünf Monate nach seiner Matura, eröffnete er sein erstes Lokal. Im Dots experimental Sushi servierte er sonderbare Sushi-Varianten in schrill-schickem Partyambiente, ein Konzept, das im damals noch recht traditionell geprägten kulinarischen Wien für Aufsehen sorgte. Zwölf Jahre später gehören zu seinem Dots-Imperium zwei Restaurants, zwei Diskotheken und ein exklusiver Club, in den nur Mitglieder hineinkommen, die einen der Schlüssel besitzen. Daneben besitzt Ho eine Galerie, einen Verlag, in dem ein Golfmagazin erscheint, Anteile an einem Bademodenlabel und ein vietnamesisches Bistro, von dem in dieser Woche eine zweite Filiale eröffnet wird.

Die einzelnen Betriebe und Konzepte ändern sich gelegentlich ein wenig, der Kern bleibt aber immer gleich: Martin Ho ist eine Marke, und wo die draufsteht, ist es grell und pompös. Für alle Schönen und Reichen und die, die es gerne wären, sollen die Ho-Betriebe in Wien der place to be sein. "Wichtig ist mir, das Portfolio so aufzustellen, dass wir einen bedingungslosen Bekanntheitsgrad haben", sagt Ho, dessen Events mit ihrer Promidichte – von Sebastian Kurz, der Ho einen guten Freund nennt, bis hin zu Großindustriellen und Unterhaltungssternchen – ganze Klatschseiten füllen.

"Du musst so gut, so dominant sein, dass die Leute keinen Weg um dich herum finden", lautet eines seiner Credos. Dass er, Martin Ho, so ein Dominator sei, steht für ihn außer Zweifel. Wenn er etwa darüber spricht, dass er "zur Ergänzung noch gern ein Hotel" hätte, fällt ihm gleich ein: "Und es wartet ja auch jeder darauf, dass wir ein Hotel machen." Woher nimmt einer mit Anfang 30 so viel Selbstsicherheit?

Die Zentrale der Dots-Gruppe ist auf 600 durchgestylten Quadratmetern über der Wiener Pratersauna untergebracht. Vor einem Jahr hat Martin Ho den in der Electro-Szene beliebten Club übernommen. Gleich nebenan betrieb er bereits eine Hip-Hop-Diskothek für die Bling-Bling-Fraktion, für Gäste, die "eine Nuance kaufkräftiger" seien. Draußen, vor der Pratersauna, präsentieren an diesem heißen Spätsommernachmittag ein paar Studenten ihre Urlaubsbräune auf den breiten, mit Steckdosen ausgestatteten Pool-Liegen des hauseigenen Beachclubs. Für eine Abkühlung im Wasser hat Ho keinen Nerv. "Ich bin immer bei der Arbeit, zu jeder Tageszeit hat einer meiner Betriebe offen", sagt er. Eine Sommerpause, ein Wochenendausflug? "Wir machen keinen Urlaub. Nie."

Nur keine Zeit verlieren, das hat Martin Ho schon früh gelernt. Geboren ist er im nordvietnamesischen Hai Phong, ein Kind wohlhabender Eltern, "aber es bringt dir nichts, vermögend zu sein, wenn die Voraussetzungen in diesem Land nicht da sind", sagt Ho. "Meiner Mutter war es wichtig, dass ich im Westen aufwachse und eine gute Bildung bekomme." Ho war zwei Jahre alt, als die Familie nach Wien zog, wo Verwandte lebten. Die Eltern wurden im Import-Export-Geschäft tätig und lehrten den Sohn, wie wichtig Selbstständigkeit sei. "Das fängt damit an, dass du selber zum Kühlschrank gehst, wenn du Durst hast", sagt Ho. "Wenn du was willst, dann frag nicht lang, mach es."

Von der migrantischen Gastarbeiterwelt bekam Martin Ho wenig mit, von "rassistischen Ansätzen" in seiner Kindheit im Wien der neunziger Jahre reichlich. Doch das habe ihn nur noch mehr motiviert: "Euch werd ich es noch zeigen, wie es funktioniert."

Ho wuchs behütet auf, durfte viel um die Welt reisen und maturierte an der privaten Vienna Business School. "Ein ganz mieser Schüler" sei er gewesen, erzählt er. Das liegt auch an seiner Verachtung für den Lehrerberuf, aus der er keinen Hehl macht: "Ich habe nicht daran geglaubt, dass mir ein Mensch erzählen kann, wie es funktioniert, der es selber nicht schafft, etwas aufzubauen, der nur da vorne steht und redet." Die Behäbigkeit des breiten Wiener Dialekts verschwindet, wenn sich Ho in Rage redet. "Das ist Schwachsinn, schad’ um meine Gehirnzellen", ereifert er sich.