Die Bundesregierung kümmert sich rührend um einen Konzern. Es handelt sich nicht etwa um die insolvente Fluggesellschaft Air Berlin, sondern um die Lufthansa. Diese soll möglichst viel vom einstigen Rivalen übernehmen und dadurch künftig mehr als 80 Prozent aller Flüge in Deutschland kontrollieren. Zwar bieten noch mehrere Unternehmen auf die Überbleibsel der rot-weißen Flotte. Aber die Regierung hat sich öffentlich festgelegt.

Einer der führenden Wettbewerbsexperten in Deutschland, Justus Haucap von der Universität Düsseldorf, hält das für falsch. Kommt es, wie die Regierung wünscht, "würden die Preise auf vielen Strecken steigen", sagt er. Es wäre ein Gewinn für den Lufthansa-Konzern und ein Schaden für alle anderen und zuallererst für berufliche Vielflieger. Grundsätzlich würde Geld umverteilt von Verbrauchern zu Aktionären, also von unten nach oben.

Ist das bloß Schwarzmalerei?

Eine erste Antwort gibt Ralph Rettig, er ist so etwas wie der personifizierte Geschäftsreisende. Die Erfahrung sagt dem Vizepräsidenten des Geschäftsreiseverbandes VDR: Wenn zwischen zwei Städten nur noch eine Fluglinie pendelt, "steigen die Preise um bis zu 60 Prozent".

Die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt liefert zu dieser persönlichen Beobachtung handfeste Belege. Im Auftrag der Bundesrepublik erforscht sie den Luftverkehr, und als sie in diesem Frühjahr an einem Stichtag die Preise auf deutschen Strecken untersuchte, kam heraus: Wer über die Lufthansa oder deren Tochtergesellschaft Eurowings einen Tag vor dem Abflug die Strecke Köln–Dresden buchte, musste 279 Euro zahlen. Von Stuttgart nach Leipzig war es genauso. Auf beiden Verbindungen fliegt nur der Konzern.

Von Köln nach Berlin verlangte Eurowings bloß 199 Euro. Auf dieser Strecke hatte Eurowings noch Konkurrenz durch Air Berlin, und die war günstiger.

Noch krasser sind die Unterschiede, wenn es von Köln aus in eine beliebte Stadt im europäischen Ausland geht. Nach Barcelona zum Beispiel. Hier konkurriert Eurowings mit mehreren ausländischen Fluglinien – und verkaufte die Tickets einen Tag vor dem Start für 79 Euro.

Es nutzt dem Verbraucher also nachweislich, wenn Fluggesellschaften miteinander konkurrieren. Trotzdem soll die Lufthansa mit politischer Hilfe zum uneinholbaren Marktführer werden, der zentrale Strecken allein betreibt.

Marktwirtschaft geht anders, doch die Volksparteien haben eine Art Verkehrskomplex entwickelt. Sie fördern oder dulden inzwischen Beinahe-Monopole, wo immer etwas rollt oder fliegt. So verraten sie aber alle Ideen, mit denen sie einst die Verkehrspolitik umwälzen und modernisieren wollten. Vor gut 25 Jahren hatten sie begonnen, aus Staatsbetrieben wie der Lufthansa und der Bahn private Konzerne zu formen. Neue Wettbewerber sollten sie herausfordern, antreiben. Zum Wohle der Verbraucher. Bessere Leistungen versprach man sich davon – und neue Jobs.