Im Überseequartier in der HafenCity will der französische Investor Unibail-Rodamco ein riesiges Shopping- und Entertainment-Quartier bauen. Der Architekturhistoriker Gert Kähler hat das Projekt in der vergangenen Ausgabe der ZEIT als Fehlplanung kritisiert. Jetzt entgegnet ihm Michael Hartung, Chief Development Officer von Unibail-Rodamco Germany.

DIE ZEIT: Herr Hartung, Unibail-Rodamco entwickelt im Überseequartier ein Projekt mit 80.000 Quadratmetern Verkaufsfläche – die Händler in der Hamburger Innenstadt finden das überdimensioniert und befürchten Umsatzeinbußen.

Michael Hartung: Das ist nicht ungewöhnlich. Immer wenn etwas Neues entsteht, machen sich die bestehenden Händler Sorgen. Aber Wettbewerb belebt das Geschäft. Und Sie können sich sicher sein, dass wir uns intensiv mit dem Markt im Großraum Hamburg beschäftigt haben.

ZEIT: Alexander Otto von der ECE – immerhin europäischer Marktführer bei Einkaufszentren – argumentiert, dass der Umsatz im Einzelhandel stagniert. Sprich: Der Kuchen wird für alle kleiner. Und dann wollen Sie ein weiteres gigantisches Shoppingcenter in der HafenCity bauen?

Hartung: Wir glauben, dass wir mit unserem Projekt einen neuen Magneten in Hamburg schaffen. Vor allem für Händler, die noch nicht in Hamburg sind, und für Kunden, die noch nicht hier einkaufen. Am Ende wird die ganze Stadt davon profitieren. Wir sind auch kein reines Shoppingcenter, wir machen ein mixed-used development.

ZEIT: Was heißt das?

Hartung: Der Handel wird nur ungefähr ein Drittel unserer Flächen ausmachen. Zwei Drittel werden mit Gastronomie, Entertainment, Hotels und Wohnungen belegt. Das wird eine Art überdachte Fußgängerzone werden, ähnlich wie in der Spitalerstraße. Wir schaffen Plätze, an denen Menschen zusammenkommen. Derzeit ist es ja in den meisten Teilen der Innenstadt nach 18 Uhr nicht mehr so belebt. Das wollen wir ändern. Wir wollen Leben reinpumpen in die HafenCity. Die Leute sollen hier gerne ihre Freizeit verbringen.

ZEIT: Kritiker sehen eine Gefahr darin, dass das von Ihnen entwickelte Projekt ein Stadtquartier in privater Hand ist. Wird es dort überhaupt öffentliche Plätze geben?

Hartung: Natürlich, das gehört zu den Auflagen der Stadt für das Projekt. Im Süden des Quartiers wird es einen öffentlichen Bereich geben, den wir für die Stadt sozusagen bewirtschaften, dort, wo die Kreuzfahrtschiffe anlegen.

ZEIT: Dennoch haben Sie das Hausrecht und entscheiden, wer bleibt und wer geht.

Hartung: Es handelt sich um einen öffentlich zugänglichen Platz, und wir wollen, dass die Menschen, die dort wohnen, in einer angenehmen Atmosphäre Zeit verbringen. Dazu gehört natürlich auch, dass wir eingreifen und Platzverweise aussprechen können, wenn es zum Beispiel zu Lärmbelästigungen kommen sollte.