Humor ist ein Handwerk, und einer der besten Klempner des Landes heißt Otto Waalkes, er arbeitet schnell und präzise. Er ist bald siebzig, und noch immer übersetzt er "I am hungry" mit "Ich bin Ungar". In einem Interview sagte er mal, die beste Pointe sei jene, die der Zuschauer schon vage ahne.

Der Zuschauer lacht also, wenn seine Ahnung zur Gewissheit wird. Otto steht zufrieden vor dem sich krümmenden Kunden, Hände in den Hüften, mit vollem Klempnerstolz. Und dann klingelt er beim Nächsten an der Haustür und sagt: "Ihnen wird zur Last gelegt, Sie hätten an dem Mast gesägt." Und der Kunde antwortet, mit gespielter Empörung: "Ich hab nicht an dem Mast gesägt, ich hab nur mit dem Ast gefegt." Und Otto ruft "Holdrio", gibt dem fröhlichen Familienvater die Hand und tritt ein.

Ein sehr erfolgreicher und fleißiger Handwerker ist auch Mario Barth, wenn ihn auch manche Bürger nicht auf ihr Fischgrätenparkett lassen wollen. Weil sie Angst haben, dass er anzüglich werden könnte oder im Stehen die Badfliesen vollpisst. Mario Barth ist der Plattenleger des deutschen Humors. Vielleicht auch der Trockenbaumonteur, Zerspanungsmechaniker oder Dachdecker. Einer dieser Handwerker, die oberkörperfrei arbeiten, die Goldkette verhakt sich am Nippel. Einer, der mit rotem Nacken auf dem Gerüst steht, eine Spachtel Gips an die Wand drückt und sagt: "Wenn meine Freundin Schuhe kauft – ich wär froh, wenn sie solche Geräusche beim Sex macht." Und die Kollegen lachen, bis der Marlboro-Husten sie überkommt.

Ein ebenso guter Handwerker, wenn auch nicht mehr so arbeitsam, ist Harald Schmidt, vielleicht ein Holzblasinstrumentenbauer. Er streift müde durch seine Meisterwerkstatt, streichelt das verstaubte Holz. Spielt eine sentimentale Geste, Augenbraue hoch, etwas ironisch. Ach ja, sagt er. Neulich kam Schmidt aus seiner Werkstatt und gab ein Interview. Da zeigte er sein Können, beiläufig und angenehm desinteressiert. Oft beginnt es bei ihm mit der Beobachtung von Milieus und Menschen: In diesem Interview erzählte Schmidt von Gartenpartys, auf denen Typen mit einem Aperol Spritz rumstehen und erklären, was Trump nur für ein Trottel sei. Und dass man sich dann frage, ob man ihnen nun gratulieren solle zu der brillanten Analysefähigkeit. Schmidt hört genau hin, wenn die Menschen sprechen. Die Akademiker und Theaterfreunde. Wenn sie Sachen sagen wie "Da sehe ich mich nicht" oder "Da bin ich ganz bei dir". Dann macht Schmidt sie nach, und alle wissen genau, wen er meint, und lachen vor Erleichterung.

Diese drei Herren, Waalkes, Barth, Schmidt, eint ihr Arbeitsethos, der unbedingte Wille zum Witz, der nicht gehemmt ist von einem sozialen Auftrag, von Angst vor Peinlichkeit, Moral, Hochmut oder Dünkel. Sie wollen unterhalten, liefern Pointe für Pointe, je mehr, desto besser. Und dann packen sie ein und gehen heim. Wie Fips Asmussen, 79, der auf seiner Tour ("Lachen bis der Arzt kommt") den Lattenrost noch immer als Geschlechtskrankheit verkauft. Und ihm ist es so egal, wie klug sein Witz ist. Er kennt nur eine Währung: Lacher.

Dieses Arbeitsethos stirbt aus. Eigentlich müsste es Plakatkampagnen geben zur Rettung der Pointenproduktion. Denn der Humor, der nachkommt, will nicht mehr witzig sein. Er ist belehrend, moralisch, passiv-aggressiv, überheblich, gewollt politisch. Er ist ein Spiegel unserer Zeit. Denn seltsamerweise haben die Absurditäten des jüngeren Weltgeschehens nur dazu geführt, dass alle immer ernster und engagierter werden. Und selten komischer. Obwohl es doch in der Menschheitsgeschichte oft andersherum war: Je schlimmer die Lage, desto besser wurden die Pointen.

Auf Poetry-Slam-Bühnen, wo der Nachwuchs probt, kann man das Elend besichtigen: Man schaut da halb fertigen Studenten bei der Selbstfindung zu, man könnte sie auch beim Zähneputzen beobachten, das wäre spannender. Sie lesen mit gesenktem Kopf einen Text ab über Zweifel bei der Berufswahl oder ein kritisches Gedicht über Trumps Frisur. Mit eingestreuten Pointen über Bankangestellte und Heidi Klum. Und dabei betonen sie jede Silbe so SELT-SAM und schauen gequält wie eine Katze, der man Wachs auf die Nase tropft (nicht dass ich das schon mal gemacht hätte).