Die Küche ist ein Ort der Begegnung. Hier finden sich Menschen bei einem Glas Rotwein zum angeregten Gespräch ein, während der Thermomix das Abendessen zusammenquirlt. Die Gegenwart von lebensmittelverarbeitenden Maschinen hat etwas Verbindendes.

Wichtig ist, dass die Küche trotzdem üppig ausgestattet und richtig teuer ist. Gäste sollen sehen, dass man dort wirklich kochen könnte. Was man nur kaum tut, weil die Zeit so knapp ist und der Thermomix so praktisch. Von der Logik her erinnert das an einen SUV, mit dem man auch offroad durch den Wald fahren könnte, wenn man wollte. Die Küche ist den Deutschen fast so heilig wie die Garage.

Bei der Jahrespressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft Moderne Küche (AMK) wurde mit einiger Zufriedenheit festgestellt: "Küchen für Vegetarier werden gezielt nachgefragt." Ich verstehe das nicht. Da müssen Soja-Schnitzel, Tofu-Steaks und Veggie-Würste unbedingt wie Fleischprodukte heißen, dürfen aber nur noch in Küchen verarbeitet werden, die nicht mehr an tierische Lebensmittel erinnern? Die Industrie hat den vegetarischen Kunden offenbar erfolgreich eingeredet, dass fest installierte Salatspülbecken mit Glas-Sieb-Kombinationen zum Ziehen von Keimlingen unverzichtbar sind. So sichert man neue Umsätze auf Jahre hinaus. Fleisch- oder Fischessern könnte man bei dieser Gelegenheit auch Wachtelkäfige, Räucherkammern oder handliche Indoor-Lachsfarmen empfehlen.

Ist ja alles für einen guten Zweck, wenngleich nicht unbedingt etwas für den gesunden Menschenverstand. Ob die Deutschen im europäischen Vergleich wirklich am wenigsten für Lebensmittel, aber am meisten für Küchen ausgeben (wie es immer mal wieder heißt), weiß ich nicht. Die AMK weiß aber, dass Küchen für weniger als 5000 Euro im vergangenen Jahr seltener gekauft wurden, solche für mehr als 20 000 Euro aber deutlich öfter. Zuzüglich Thermomix, versteht sich.