Eine lehrreiche Personalie! Noch nie ist die Nasa länger ohne Chef gewesen als derzeit. Ihr langjähriger Direktor hatte sein Amt im Januar aufgegeben – am Vorabend von Donald Trumps Vereidigung. Erst jetzt hat dieser einen Nachfolger nominiert, und der sorgt für Unmut. Längst existiert der passende Hashtag: #StopBridenstine.

Bridenstine, Vorname James, 42 Jahre alt, republikanischer Kongressabgeordneter aus dem Bundesstaat Oklahoma, hielt im Jahr 2013 als parlamentarisches Greenhorn eine Rede, in der er munter Argumente der Klimaskeptiker vorbrachte, um dann Barack Obama vorzuwerfen, dass dieser Geld für Klimaforschung "fehlinvestiere". Dieser Videoschnipsel wird jetzt eifrig in den sozialen Netzwerken geteilt.

Dass die Klimaforschung der Nasa als gefährdet gilt, seit Trump im Amt ist, gehört zum Kontext der Erregung. Auch wenn Bridenstine "seitdem nicht mehr viele Bemerkungen dieser Art gemacht hat", wie Science feststellt. Er sei gegen die Regulierung von Treibhausgasen eingetreten, schreibt Nature. Das passt ins Bild, aber es ist nicht das eigentlich Lehrreiche an der neuen Personalie.

Sie ist vielmehr eine Vorlage dafür, wie inhaltliche Außenseiter in der Ära Trump zu Leitern von Fachbehörden aufsteigen können.

Denn Bridenstine, der Ökonomie und Psychologie studiert hat, bevor er Jagdpilot wurde, bringt weder Erfahrung als Astronaut mit noch in Raumfahrttechnik oder Ministerialbürokratie (dies waren die Hintergründe der letzten drei Nasa-Direktoren Bolden, Griffin und O’Keefe). Stattdessen hat der Nominierte in seiner ersten Periode als Abgeordneter für kommerzielle Raumflüge plädiert, für klare Ziele bei bemannten Missionen und für eine Rückkehr der Amerikaner zum Mond. Damit liegt er auf einer Linie mit den Vorstellungen der Trump-Regierung. Bridenstine sei "ein politischer Verbündeter, der lange für den Job lobbyiert hat", urteilt Science.

Wer weiß, vielleicht geht jetzt ja noch etwas beim Wunsch aus dem Weißen Haus, vor der nächsten Präsidentschaftswahl US-Astronauten für eine prestigeträchtige Show um den Mond herumzuschicken. Dieses Ansinnen hatte der Interimsdirektor der Nasa im Frühsommer abgewehrt: zu teuer, zu riskant.

Bridenstines Berufung bedarf noch der Zustimmung durch den Senat. Erhält er sie, ist sein Kalkül wohl aufgegangen: als Neuling und Quereinsteiger eine Behörde mit mehr als 17 000 Mitarbeitern und rund 19 Milliarden US-Dollar Budget zu entern – Wiederholung nicht ausgeschlossen. Beim Amt für Fischerei und Wild, in der Ozeanbehörde NOAA sind noch die Chefposten offen, auch das Amt des National Science Advisor ist vakant. Rund 30 wissenschaftliche Top-Positionen hat der Präsident der bedeutendsten Forschungsnation der Erde bis heute nicht besetzt. Lauter Chancen für weitere Außenseiter.