Wenn es dunkel wird, kommen sie: junge Männer im Alter von maximal 25 Jahren in getunten Wagen der Oberklasse, Karossen, die 60 000, 70 000, 100 000 Euro und mehr kosten, unter ihnen viele AMG-Sportversionen von Mercedes mit mehreren Hundert PS. Sie cruisen mit röhrendem Auspuff durch die Stadt, am Ohr ein teures Handy, auf dem Beifahrersitz eine jüngere Schönheit. Und man fragt sich bei den Männern, die obenrum oft nur ganz bescheiden Unterhemd tragen: Wie können die sich das leisten?

Allerdings, der Besitz der teuren Gefährte ist allein eine Frage der Prioritäten. Während die globalisierte, gut ausgebildete Jugend immer häufiger Rad und Carsharing-Autos fährt, hat das Auto bei einer anderen Klientel nichts von seiner Bedeutung als Statussymbol verloren. Und das ist noch untertrieben: Es ist "elementar für das Selbstbewusstsein", sagt Christian Hieff vom ADAC Hansa.

War es früher auf dem Dorf noch der alte selbst verspoilerte Golf GTI, muss es nun in der Großstadt ein ganz anderer Schlitten sein. Den bekommt man viel leichter, als viele denken. Ein einfaches Rechenmodell zeigt das. Wer noch bei den Eltern wohnt und 1400 Euro netto im Monat verdient, kann, wenn er richtig gut spart, 1.000 Euro als Rate für einen Auto-Leasingvertrag hinlegen.

Verkehrspsychologen und Polizisten wissen, dass es von dieser Autoposerei, gegen die man in Hamburg mithilfe einer neuen Soko vorgehen will, oft nur ein kleiner Schritt ist zu illegalen Autorennen. Bei denen gab es in Deutschland schon Tote und Verletzte. Bislang war solches Rennrasen nur eine Ordnungswidrigkeit; selbst bei Unfällen drohten meist nur Geldstrafen. Ein kürzlich beschlossenes Gesetz macht illegale Autorennen zur Straftat. Außerdem, das halten Verkehrspsychologen für noch wichtiger, sind Fahrverbote von bis zu fünf Jahren vorgesehen.

Die jungen Männer in den Unterhemden müssen künftig vielleicht an anderer Stelle aufrüsten. Wie wär’s mit Hemden?